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Dominik KalusVon

Wie ich endlich lernte, das R zu rollen

Wer Russisch lernen will, sollte auch das R rollen wie ein Russe – vorne am Gaumen, hinter den Zähnen. Alles andere gilt als Sprachfehler! Spanier oder Bayern tun sich in der Regel leicht, andere scheitern ein Leben lang. Doch es gibt Hoffnung, wie mein Beispiel beweist. Lernt in diesem Artikel, wie es geht.

Diesem Erfolgserlebnis geht eine lange Leidensgeschichte voraus. Meine ganze Kindheit und Jugend war ich neidisch auf alle, die ihre Zunge so toll flattern lassen konnten. Drei Mal habe ich Spanischlernen angefangen, und drei Mal habe ich es wieder gelassen – meine kümmerliche Aussprache konnte ich mir selbst nicht anhören. Es war frustrierend. Und dann noch ständig diese Leute, die einem erst herablassend vorführen, wie einfach der Zungenschlag doch sei, aber dann unfähig sind zu beschreiben, wie sie ihn eigentlich bewerkstelligen.

Ich kannte zwar die Merksprüche, mit denen man das R-Rollen angeblich automatisch lerne („die Braut bringt dem Bräutigam Brötchen und Braten…“), aber mehr als Lacher haben sie mir nicht eingebracht. Verflucht seien die Internet-Logopäden, dachte ich, die so vehement behaupten, der Zungenschlag sei mit jedem Alter erlernbar. Bis mir in Georgien jemand schwor, sich das R-Rollen selbst beigebracht zu haben. Ich beschloss einen letzten Versuch – oder es für immer bleiben zu lassen. Es gelang.

Durch Ehrgeiz und Schamlosigkeit R rollen

In vier Tagen habe ich es tatsächlich gelernt. Ich war gerade auf Reisen und hatte Zeit. Glücklicherweise konnten meine Reisepartner meine Fortschritte heraushören – andernfalls hätten sie mich nach einem halben Tag gelyncht. Denn das Prozedere ist, nun ja, sozial auffällig. Ihr braucht auf jedenfall eine gesunde Portion Schamlosigkeit. Und Geduld. Aber lest selbst.

Schritt 1 – Mundakrobatik

Eurer Sprachapparat soll eine völlig neue Bewegung lernen, das heißt ihr müsst den ganzen Mundraum erstmal schön lockern. Kaut eure Zunge, schiebt sie von Backe zu Backe, rollt und dreht sie, leckt eure Vorderzähne. Und: dehnt das Bändchen. Hierfür presst ihr die Zungenspitze hinter die obere Zahnreihe und öffnet den Mund, sodass es spannt. Das macht ihr jetzt die nächsten Tage in jeder Minute.

Schritt 2 – Doch die Sprüche

Ich hatte die Sprüche bereits erwähnt. Sie helfen tatsächlich – allerdings nicht innerhalb einer Stunde. Der Trick jedenfalls ist, dass man anstelle des Zungen-Rs einfach ein „D“ spricht. Das ist nämlich in etwa die gleiche Mundbewegung. Also legt los: die Bdaut bdingt dem Bdäutigam Bdötchen und Bdaten. Oder einfach nur immer wieder: Bdötchen, Bdötchen, Bdötchen… Euer Ziel ist es, die Zunge irgendwann so locker zu bekommen, dass sie flattert. Und das geht am ehesten, je öfter ihr diese Sprüche übt. Ich tat es damals ununterbrochen.

Schritt 3 – Unterdruck und Tiergeräusch

So, im Idealfall merkt ihr nach etwa zwei Tagen, wie das D langsam wie ein R klingt. Jetzt gilt es, nachzuhelfen. Im Prinzip entsteht das rollende R, so würde ich es beschreiben, durch Unterdruck im Gaumen und ausgestoßener Luft, während die Zunge selbst schlaff und locker ist und deswegen vibriert. Mit breitem Mund und angespannten Bauch fiel es mir leichter. Ihr müsst einfach rumprobieren. Wenn ihr den Weg irgendwann raushabt, ist der Rest nur noch Übung. Mir hat auch geholfen, wie eine Taube zu gurren, also erst ein hohes U auszustoßen und dann die Zunge vibrieren zu lassen. (An meine Freunde: Danke nochmal, dass ihr euch das angetan habt)

Das flatternde R-Geräusch ist anfangs nur kurz, währt dann aber allmählich länger. Nach und nach müsstet ihr ein Gefühl dafür bekommen, dann wärt ihr bereit für….

Schritt 4 – Das Hilfsgerät

…den ultimativen letzten Schritt. Eure Zunge ist gelockert, es braucht nur noch den letzten Anschubser, die Initialzündung um die Technik des R-Rollens endgültig zu meistern. Nehmt ein Wattestäbchen, stellt euch vor den Spiegel. Wendet das bisher Gelernte an, während ihr mit dem Stäbchen die Zunge maschinell zum Rollen bringt. Arrrrrrrriba! Geholfen hat mir dabei dieses Video:

They hear me rollin´

Ja und nach vier Tagen hatte ich es geschafft. Ohne Wattestäbchen, ohne Vogelgeräusche kann ich nun das R rollen. Was für ein Erfolgserlebnis nach all den Jahren! Ich wünsche auch euch gutes Gelingen. Gebt nicht auf, auch wenn euch die Leute für einen Weirdo auf Drogen halten. Egal Russisch oder Spanisch, das Sprechen macht einfach mehr Spaß, wenn man sich nicht nach einem Wort schon als unbeholfener Ausländer enttarnt. Doch auch sprachunabhängig: Es fühlt sich einfach großartig an und macht süchtig. Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr…..

Fotoquelle

Titelbild: Aaron Amat / Shutterstock.com. Bearbeitung: Ostexperte.de

Dominik Kalus
Über den Autor

hat in Passau und Breslau u.a. Internationale Politik und Politische Philosophie studiert. Nach einem Praktikum bei der Süddeutschen Zeitung und freiem Arbeiten für verschiedene Online- und Printmedien schreibt er derzeit aus Moskau für Ostexperte.de.