Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Thorsten GutmannVon

Sberbank will E-Commerce-Netzwerk nach Vorbild der Alibaba Group aufbauen

Die russische Sberbank plant ein „nationales Ökosystem“ für elektronischen Handel, schreibt die Tageszeitung Kommersant. Als Vorbild dient die chinesische Alibaba Group. Sowohl Endverbraucher als auch Unternehmen aus verschiedenen Branchen sollen Dienstleistungen in Anspruch nehmen können.

Einem Gesprächspartner von Kommersant zufolge sollte der Vorstandsvorsitzende von Sberbank, Herman Gref, das Projekt am 2. November auf der Präsidentenresidenz in Nowo-Ogarjowo vorstellen. Ob die Präsentation letztlich stattgefunden hat, geht aus den Informationen nicht hervor.

E-Commerce-Netzwerk als nationales Ökosystem

„Unter Ökosystem versteht Sberbank ein Netz aus Organisationen, die einheitliche technologische Plattformen entwickeln sowie Dienstleistungen und Zugänge für Kunden bereitstellen. Als Beispiele für große Ökosysteme dienen die US-amerikanischen Unternehmen Google, Amazon und Facebook sowie die chinesischen Unternehmen Tencent und Alibaba“, schreibt Kommersant.

Bis 2025 könnte das Projekt jährlich bis zu 65 Billionen Rubel umsetzen, behauptet ein Gesprächspartner von Kommersant. Dies entspräche einem Anteil von 27 Prozent des Gesamtumsatzes von Sberbank.

B2C- und B2B-Dienstleistungen

Kommersant zufolge habe die Alibaba Group ein „maßstäbliches Ökosystem“ auf dem chinesischen Markt entwickelt. Zum einen befriedige sie Bedürfnisse von Endkonsumenten, z.B. mit Waren wie Kleidung, Elektronik, Haushaltsmitteln, Nahrungsmitteln, Erholung, Unterhaltung, Medien oder Medizin. Zum anderen stelle sie auch Dienstleistungen für Unternehmen zur Verfügung, z.B. Finanzdienstleistungen, Logistik, Werbung und Cloud-Services.

Das Geschäftsmodell der Alibaba Group ist der Handel auf zahlreichen Online-Portalen wie AliExpress, Alibaba.com, TaoBao.com, TMail.com, und 1688.com. Darüber hinaus umfasst die Gruppe auch den Finanzdienstleister Ant Financial, den Cloud-Service Aliyun, das Logistiknetzwerk Cainiao und den Werbeservice Alimama. Zusätzlich gehören zur Gruppe auch ein Kinostudio, ein Webbrowser und ein Videoportal.

Russische oder ausländische Kooperationspartner?

Ein Gesprächspartner hat behauptet, dass Sberbank drei Varianten für den Ausbau des Projekts vorsieht. Variante 1: Sberbank realisiert das E-Commerce-Portal aus eigener Kraft. Variante 2: Sberbank realisiert das Portal mithilfe von russischen Internetunternehmen wie Yandex oder Mail.ru. Variante 3: Sberbank kooperiert mit Investoren und Kooperationspartner aus dem Ausland.

Bei Gesprächen zum Thema E-Commerce in Nowo-Ogarjowo soll Wladimir Putin behauptet haben, dass die normative Regulierung des elektronische Handels „nicht immer mit dem rasanten Wachstum der zahlreichen Bereiche“ hinterherkomme. Deshalb hätten „russische und ausländische Player oftmals ungleiche Bedingungen“.

Wladimir Putin wirbt für nationales E-Commerce-Netzwerk

„Ich halte es für wichtig, dass Russland eigene angesehene und starke Plattformen für E-Commerce betreibt. Unter anderem erfordert dies, den Verkauf von einheimischen Dienstleistungen und Waren nicht nur auf dem eigenen Markt, sondern auch im Ausland effektiver voranzutreiben“, so Wladimir Putin.

Titelbild

Quelle: Foto von Simon Schütt

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.