Thorsten GutmannVon

Salat Olivier – eine russische Neujahrsspeise

Der „Salat Olivier“ ist eine Kreation des Kochs Lucien Olivier, der im zaristischen Russland des 19. Jahrhunderts ein französisches Restaurant in Moskau betrieb. Heutzutage ist er eine beliebte Festtagsspeise in Russland – und steht am Silvesterabend oder am 1. Januar auf vielen russischen Esstischen. 

Rezept

Mischen Sie diese Zutaten:

  • 6 gekochte Eier
  • 3 große festkochende Kartoffeln
  • 1 fein-säuerlicher Apfel
  • 1 großes Glas Essiggurken
  • 1 Dose Erbsen
  • 1 Fleischwurstring
  • 1 Zwiebel
  • 1 großes Glas (hochwertiger) Mayonnaise
  • Salz und Pfeffer

Unverzichtbar an Festtagen in Russland

Während des Ersten Weltkriegs und der Oktoberrevolution geriet der „Russische Salat“ in Vergessenheit. Im 20. Jahrhundert wurde er wiederentdeckt. Teilweise ist er auch als Salat „Stolitschnij“ (deutsch: „Hauptstädtischer Salat“; russisch: салат „Столичный“) bekannt. Es gibt zahlreiche Varianten des „Salat Olivier“ – zum Beispiel mit Hähnchen statt Fleischwurst oder Karotten statt Äpfeln. Heute wird er häufig bei Festtagen in Russland als Vorspeise serviert.

In den 1860er Jahren galt der Salat als Delikatesse. Er enthielt unter anderem Fleisch wilder Haselhühner, Kalbszunge, schwarzen Kaviar, Blattsalat, gekochte Flusskrebse, kleine Cornichons oder Kapern. Die Soße, die von den Zutaten her stark der Mayonnaise ähnelt, wurde von Feinschmeckern in Moskau besonders geschätzt. Zu Sowjetzeiten verwandelte sich die komplexe Rezeptur zu einem vergleichsweise einfachen Festtagsessen.

Wie die Russen Silvester feiern

In Deutschland hat der Heiligabend am 24. Dezember eine besondere Bedeutung. In Russland wird Weihnachten jedoch erst am 7. Januar gefeiert. Umfragen zufolge verfolgen knapp über die Hälfte der Russen diese Tradition. Viel wichtiger ist für viele Menschen in Russland die Silvesternacht, die mit Hoffnungen und Zukunftsträumen in Verbindung gebracht wird. Auch Geschenke sind in der Neujahrsnacht üblich.

Zu Silvester werden in Russland Wünsche wahr: Bei den Kleinen sorgt dafür Väterchen Frost, die Großen warten auf den Gongschlag der Kremluhr zu Mitternacht. Lesen Sie hier, wie vier Russen aus vier Städten ihre Silvesternacht verbringen. Auch der Film „Ironie des Schickals“ von 1975 gehört zum Pflicht-Repetoire der russischen Silvestertraditionen.

Titelbild

Quelle: Otets, Olivierzalot (Standard Sowjetrezept), Size changed to 1040x585px., CC BY-SA 3.0 lu 

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.