Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Johanna JaschikVon

Russlands Einfluss auf US-Wahl stärker als erwartet

Die Manipulation der US-Wahl durch russische Wahlwerbung und Fake-Accounts ist stärker als zuvor angenommen. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung

Juristische Vertreter von Facebook, Google und Twitter mussten sich am Mittwoch vor dem Geheimdienstausschuss des US-Kongresses in Washington äußern. Thema der Anhörung war die mutmaßliche Internet-Propaganda Russlands im Zuge der US-Präsidentschaftswahl 2016.

Facebook hatte bereits Ende September mitgeteilt, 470 Fake-Accounts mit russischem Hintergrund gefunden zu haben. Insgesamt sollen etwa 146 Millionen US-Bürger russische Propaganda-Postings rund um die Wahl 2016 auf Facebook und Instagram gesehen haben. Auch wurde bekannt, dass etwa 3.000 Werbeanzeigen und 80.000 „herkömmliche Anzeigen” in den USA aus einer „Troll-Fabrik“ in St. Petersburg stammen sollen. Diese konnten über Shares, Likes und Anzeigen mehr Bürger erreichen, als eigentlich zur Wahl gingen.

Twitter bestätigt 2.700 Fake-Accounts aus Russland

Auch der Kurznachrichtendienst Twitter bestätigte, mehr als 2.700 Accounts auf die Sankt Petersburger Troll-Fabrik „Internet Research Agency” zurückführen zu können. Gleichzeitig verdeutlichte der juristische Vertreter des Unternehmens, Sean Edgett, dass der Schutz der Online-Plattform vor Missbrauch durch politische Wahlwerbung äußerst schwierig sei.

Im Verlauf der Anhörung präsentierten die Senatoren einige der Beiträge und Anzeigen, die auf den sozialen Medien gefunden wurden. Anschließend wurden die Anzeigen auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (siehe hier und dort).

Beispiele der russischen Werbeanzeigen:

Neben klassischen Werbeanzeigen, wie dieser Instagram-Beitrag über Donald Trump, konnten auch aufwendigere Anzeigen ausfindig gemacht werden.

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Die Facebook-Seite „Army of Jesus“ sammelte bereits einige Zeit vor den Wahlen durch Bibelzitate mehr als 200.000 Likes. Anschließend soll sie kurz vor der Wahl politisch motivierte Beiträge geschaltet haben. Unter anderem auch einen, in dem Hillary Clinton mit Satan verglichen wurde. Durch Likes konnte man „Jesus” im Kampf gegen den „Teufel” Clinton unterstützen.

Zeichnung, Jesus vs. Satan, Clinton als Satan

Die Akteure in Sankt Petersburg sollen sich nicht nur auf die Spitzenkandidaten der Präsidentschaftswahl beschränkt haben. Vielmehr sei es ein mutmaßliches Ziel gewesen, bereits vorhandene Gegensätze und Meinungsunterschiede innerhalb der Gesellschaft zu verschärfen. So sollen sie zum Beispiel Gruppen gegründet und Anzeigen geschaltet haben, die sowohl Pro-, als auch Contra-Einwanderung gewesen seien.

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Es gab Facebook-Gruppen, die die „Black Lives Matter”-Bewegung unterstützten und solche, die Gewalt gegenüber Afroamerikanern verherrlichten. „Black Lives Matter” ist eine internationale Bewegung, die in den USA entstanden ist und sich gegen Gewalt gegen Schwarze einsetzt.

drei Männer, Black Matters

Es gab Gruppen, die sich liberal gegenüber dem Islam positionierten, und solche, die die Angst vor Terror durch den Islam schürten.

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Algorithmen heben kontroverse Beiträge hervor

Erfolgreich sei dieses Vorgehen gewesen, weil Plattformen wie Facebook, Twitter und Google darauf ausgerichtet seien, kontroverse Beiträge herauszustellen. „Die Algorithmen, die sie [Facebook, Instagram, Twitter und YouTube – Anm. d. Red] benutzen, heben vor allem Inhalte hervor, die auf Angst und Wut basieren”, warf der demokratische Abgeordnete, Adam Schiff, den Vertretern der Unternehmen während der Verhandlung vor.

Während die Internet-Unternehmen zu Beginn der Anhörung noch versuchten, ihre Positionen zu rechtfertigen, versprachen sie zum Ende, ihre Sicherheitstechnik erheblich zu verbessern. „Wir verdoppeln unsere Anstrengungen in der Sicherheitstechnik. Wir sorgen für strengere inhaltliche Auflagen bei Anzeigen. Und wir werden von Anzeigenkunden mehr Daten verlangen”, versprach Facebook-Anwalt Colin Stretch.

Anzeigen in Rubel bezahlt

Dennoch bleibt unklar, wieso diese Masse an russischem Anzeigen nicht zuvor entdeckt wurde – zumal die Anzeigen über den in Moskau beheimateten Provider Qiwi in Rubel bezahlt worden seien. „Haben Sie sich nicht gewundert, dass für politische Werbung in Rubel bezahlt wurde? Wieso haben Sie nicht gesehen, dass das nichts Gutes heißt?”, warf der demokratische Senator Al Franken der Online-Plattformen vor.

Titelbild

Quelle: Krassotkin (derivative), Gage Skidmore (Donald Trump), Gage Skidmore (Hillary Clinton), Donald Trump and Hillary Clinton during United States presidential election 2016, Size changed to 1040×585 px., CC BY-SA 3.0 

 

Johanna Jaschik
Über den Autor

ist Autorin bei Ostexperte.de.

Seit September 2017 absolviert sie ein Praktikum bei der deutsch-russischen Unternehmensberatung Artax Rufil Consulting in Moskau.