Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Klaus DormannVon

Russlands Außenhandel seit 2014 Teil 2: Wareneinfuhr und Handelsbilanz; Bei kräftigem Rückgang der Einfuhren blieb Handelsbilanzüberschuss

Im ersten Teil unseres Berichts zum russischen Außenhandel stand der Einbruch der Ausfuhrerlöse nach dem Ölpreisrückgang seit 2014 im Mittelpunkt. Wie haben sich gleichzeitig die Einfuhren und die Handelsbilanz entwickelt?

Wareneinfuhr sank nicht ganz so stark wie die Ausfuhr

Eine Abbildung im Konjunkturbericht der Expertengruppe des Finanzministeriums zeigt, wie stark mit dem Ölpreiseinbruch und der davon ausgelösten Rezession auch die Warenimporte zurückgingen. Im Zwei-Jahres-Vergleich 2016 gegenüber 2014 sanken sie um rund 38 Prozent, nur wenig schwächer als die Ausfuhren (rund – 43 Prozent).

Warenausfuhr und –einfuhr (Milliarden US-Dollar)

unbereinigte und saisonbereinigte Quartalswerte 2003 bis 1. Quartal 2017

Dynamik Export / Import in Russland

Quelle: Economic Expert Group des russischen Finanzministeriums: Обзор экономических показателей (Überblick Wirtschaftsindikatoren), 14.04.2017; (1. Quartal 2017 geschätzt)

Damit blieben die gesamten Ausfuhrerlöse höher als die Ausgaben für die Wareneinfuhr, obwohl sich die Erlöse aus dem Energieexport von 2014 bis 2016 um rund die Hälfte verminderten und auch der Wert der übrigen Exporte um rund ein Viertel sank. Russland konnte in der Handelsbilanz also auch 2015 und 2016 Überschüsse verzeichnen. Auch die Leistungsbilanz schloss weiterhin mit einem Überschuss.

Möglich war dies nur, weil die Wareneinfuhr im Rezessionsjahr 2015 um gut ein Drittel niedriger war als im Vorjahr. 2015 ging die gesamtwirtschafliche Produktion um 2,8 Prozent zurück und drückte den Importbedarf. Zudem wertete der Rubel sehr stark ab. Die Importe verteuerten sich in Rubel entsprechend. Hinzu kamen die Sanktionen: Ausfuhrverbote von westlicher Seite und Einfuhrverbote von russischer Seite (Nahrungsmittelimporte) ließen die Einfuhr sinken. 2016, als die Rezession auslief (Bruttoinlandsprodukt: – 0,2 Prozent), hielt sich der Import dann auf dem stark gedrückten Niveau.

Die Überschüsse in der Handels- und auch der Leistungsbilanz waren 2016 aber nur noch knapp halb so hoch wie 2014.

Russlands Handels- und Leistungsbilanz

Von 2014 bis 2016 halbierte Überschüsse wachsen jetzt kräftig
 2014 (Mrd. $)2016 (Mrd. $)2016 (% ggü. 2014)1. Vierteljahr 2017 (Mrd. $)1. Vierteljahr 2017 (% ggü. 1. Vierteljahr 2016)
Warenausfuhr496,8281,7-43,382,2+ 36,0
Wareneinfuhr307,9191,7- 37,748,0+ 25,9
Handelsbilanz188,990,0- 52,434,2+ 53,3
% vom BIP9,27,0
Leistungsbilanz57,525,0- 56,522,8+ 76,7
% vom BIP2,81,9
BIP, Mrd. US-Dollar2.0511.284

Quelle: Russische Zentralbank: External Sector Statistics; Statistical Bulletin 4/2017, 15.05.2017

Überschüsse erholen sich jetzt deutlich

Im ersten Quartal 2017 ergaben sich in der Handels- und Leistungsbilanz im Vergleich mit dem Vorjahresquartal kräftig gestiegene Überschüsse. Bei gut ein Drittel höheren Warenausfuhren war der Handelsbilanzüberschuss um gut die Hälfte höher als vor einem Jahr. Der Leistungsbilanzüberschuss war in den ersten drei Monaten mit rund 23 Milliarden Dollar bereits fast so hoch wie im gesamten Vorjahr.

Szenarien der Zentralbank für 2017 bis 2019

Die russische Zentralbank geht in ihrem im März im „Monetary Policy Report“ veröffentlichten Basisszenario davon aus, dass der Ölpreis im Jahresdurchschnitt 2017 auf 50 Dollar/Barrel steigt (im ersten Quartal war er mit 52 Dollar/Barrel etwas höher).

Bei dieser Ölpreisentwicklung rechnet sie damit, dass die russischen Ausfuhrerlöse in diesem Jahr um rund 13 Prozent auf 316 Milliarden Dollar wachsen und die Einfuhren ähnlich stark um rund 12 Prozent auf 214 Milliarden Dollar zunehmen. Der Handelsbilanzüberschuss wird dann auf rund 101 Milliarden Dollar steigen.

Für die Jahre 2018 und 2019 nimmt die Zentralbank im Basisszenario jedoch einen erneuten Rückgang der Ölpreise auf 40 Dollar/Barrel an. Dabei wird der Handelsbilanzüberschuss (blaue Säulen im Chart) nach ihrer Einschätzung 2018 und 2019 auf rund 80 Milliarden Dollar sinken.

In der Leistungsbilanz (rote Linie im Chart) dürften sich dann laut Zentralbank nur noch geringe Überschüsse ergeben (2018: 9 Milliarden Dollar; 2019: 8 Milliarden Dollar).

Entwicklung von Handels- und Leistungsbilanz

2017 bis 2019 Prognose der Zentralbank (Basisszenario)

Major current account components

Quelle: Russische Zentralbank: Monetary Policy Report, März 2017

Quellen und Lesetipps:

Fotoquelle

Klaus Dormann
Über den Autor

war von 1980 bis 2015 Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Ruhrgas AG und der E.ON SE.