Russland will wieder in Afrika mitmischen

Russischer Außenminister Sergej Lawrow in Afrika

Die Afrika-Reise des russischen Außenministers Sergej Lawrow geht zu Ende. Mit ihr knüpft der Kreml an alte Zeiten an und könnte von südafrikanischen Rohstoffvorkommen profitieren. Ein Treffen mit US-Außenminister Tillerson wurde verpasst. Dies berichtet die Deutsche Welle.

Während des Kalten Krieges war Russland ein wichtiger Partner für viele afrikanische Staaten, die sich nach der Oktoberrevolution im Umbruch befanden. Die Ausrufung der Sozialistischen Sowjetrepublik unter der Führung von Wladimir Iljitsch Lenin hatte auch in Afrika Anklang gefunden. Die russische Revolution inspirierte neue Unabhängigkeitsbewegungen, welche die Sowjets militärisch und finanziell förderten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der afrikanische Kontinent anschließend Gegenstand des Machtkampfes zwischen der Sowjetunion und den USA.

Angola, Namibia, Mosambik, Simbabwe und Äthiopien

Am vergangenen Montag startete Sergej Lawrow seine Afrika-Reise in Angola, wo die Sowjets einst die „Volksbewegung für die Befreiung Angolas“ (MPLA) unterstützten. Im Rahmen der Gespräche mit Präsident Joao Lourenco und Manuel Domingos Augusto, dem Außenminister des südwestafrikanischen Staates, kündigte Lawrow eine engere Zusammenarbeit für die Zukunft an. Ziel sei es, die Kooperation in Bildung, Energie und Militär entscheidend zu verstärken. „Die internationale Gemeinschaft sollte die Entscheidung der Afrikaner respektieren, wie ein Konflikt zu beenden ist, und sie moralisch, politisch und finanziell dabei unterstützen, Personal für Friedensmissionen auszubilden“, so Lawrow.

In Namibia sprach sich der Außenminister am Dienstag für einen ständigen Sitz Afrikas im UN-Sicherheitsrat aus. Der heutigen Regierungspartei des Landes, die SWAPO, hatte die Sowjetunion einst bei ihren Umsturzbemühungen geholfen. Weitere Stationen auf Lawrows Tour waren Mosambik und Simbabwe. Heute befindet er sich zum Abschluss seiner Reise in Äthiopien. Das Land ist bereits langjähriger Partner Moskaus. Auch hier beschwor Lawrow nach einem Treffen mit Musa Faki Mahamat, dem Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union, den Zusammenhalt beider Länder.

Keine Zusammenkunft zwischen Lawrow und Tillerson

Zwar seien die Grundlagen für einen Russland-Afrika-Gipfel noch nicht geschaffen, doch man wolle auf einem „soliden Abkommenspaket“ aufbauen, versprach Lawrow. Laut ihm wolle Russland mit der Afrikanischen Union den Handel auf kontinentaler Ebene liberalisieren und Formen der Zusammenarbeit schaffen, von denen beide Seiten profitieren würden. Bis auf Äthiopien befinden sich alle Reiseziele des russischen Außenministers im rohstoffreichen Süden des afrikanischen Kontinents.

Für Aufregung auf der Reise Lawrows sorgte ein nicht zustande gekommenes Treffen mit dem US-Außenminister Tillerson, der ebenfalls in Äthiopien gastierte. Wie die New York Times scherzte, hätten sich die beiden Staatsmänner durch Zufall an der Lobby-Bar im feinsten Hotel Äthiopiens treffen können. Eine Zusammenkunft blieb stattdessen jedoch aus. Die Führungen beider Länder beschuldigten sich gegenseitig für das Versäumnis. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und den USA haben sich in den letzten Jahren durch den Ukraine-Konflikt und der Affäre um die US-Wahlen wieder deutlich zugespitzt.

Titelbild
[toggle title=“Fotoquelle“ open=“yes“]Titelbild: © Außenministerium der Russischen Föderation (Link)