Russland verbessert sich beim Korruptionsindex 2015 leicht

Russland kann sich beim Corruption Perception Index von Transparency International 2015 leicht verbessern, liegt aber immer noch weit hinten

Was haben Aserbaidschan, Guyana, Sierra Leone und Russland gemeinsam?

Die schlechte Platzierung im jährlichen Korruptionsindex von Transparency International. Die genannten Länder liegen dabei 2015 gleichauf auf Platz 119 von 167. Eine Punktzahl von 29 bei 100 möglichen Punkten konnten diese Länder 2015 einfahren.

Bei dem heute (am 27. Januar 2016) vorgestellten Ranking konnte sich Russland im Vergleich zu 2014 immerhin um zwei Punkte verbessern.

Der „Corruption Perception Index“ spiegelt die Wahrnehmung von Korruption im öffentlichen Sektor von Ländern wider. Dazu geben jedes Jahr verschiedene Experten aus internationalen Institutionen und Forschungsgruppen Einschätzungen zwischen 0 und 100 ab. 100 heißt, dass der öffentliche Sektor eines Landes völlig frei von Korruption ist und 0, dass er völlig korrupt ist.

Zwei Drittel aller Länder landeten in diesem Jahr bei unter 50 Punkten. Darunter auch 95 Prozent aller Länder in Osteuropa und Zentralasien, also auch Russland. Wie die Länder Osteuropas und Zentralasien abschnitten, sehen Sie hier oder im Titelbild. Weltweit sank die Korruption aber in diesem Jahr.

Zu den korruptesten Ländern gehören nun laut Index: Somalia, Nordkorea, Afghanistan und der Sudan. Die geringste Korruption zeigen: Dänemark, Finnland, Schweden, Neuseeland und die Niederlande.

Deutschland landet mit 81 Punkten auf Rang 10 und konnte sich im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls um zwei Punkte verbessern. Ganz unten auf dieser Seite haben wir für Sie eine vollständige Liste abgebildet.

Internationale Unternehmen sehen großen Reformbedarf

Reformbedarf Russland AHK
„In welchen Bereichen sehen Sie (in Russland) aktuell den größten Reformbedarf?“ – Screenshot aus dem AHK-Bericht.

Internationale Unternehmen sehen in Russland im Bereich Korruptionsbekämpfung den größten Reformbedarf. Das geht aus der Geschäftsklima-Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) von Anfang 2015 hervor. Dort landet Korruption bei den Bereichen, in denen in Russland Reformbedarf herrscht, sogar ganz vorne (siehe Grafik). Die Unternehmen teilen also überwiegend die Einschätzung des Index.

Thema Korruption in Russland bereits seit einigen Tagen in der Diskussion

In Russland wird die Rangliste (wohl auch wegen der russischen Platzierung) meist wenig wohlwollend aufgenommen. Im letzten Jahr wurde er etwa von russischen Politikern – die ja in dem Index indirekt der Korruption beschuldigt werden – als „politisch motiviert“ bezeichnet.

Das Thema war aber auch vor der heutigen Veröffentlichung des Index im Gespräch. Gestern sorgte nämlich ein Statement eines Mitarbeiters des US-Finanzministeriums für Aufregung, der den russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich offen als korrupt bezeichnete.

„Er bezieht angeblich ein staatliches Gehalt von ungefähr 110.000 Dollar im Jahr. Aber das ist keine genaue Angabe des tatsächlichen Reichtums des Mannes. Er hat langes Training und Praktiken, wie er sein tatsächliches Vermögen verschleiert“, sagte Adam Szubin. Putin helfe seinen Freunden und engsten Verbündeten sich zu bereichern – für ihn sei das Korruption.

Der Kreml forderte umgehend Beweise für diese Anschuldigungen. Dies sei ein „vollkommenes Hirngespinst“, sagte Kreml-Sprecher Peskow gestern. Außerdem zeige auch, wer die Anschuldigungen äußere, von wem sie gesteuert seien.

Korruptionsbekämpfung auf der Tagesordnung

Gestern tage in Moskau zudem der russische Anti-Korruptionsrat. Dort sagte Putin, dass man eine Reihe von Anti-Korrutionsmaßnahmen eingeführt habe und Mechanismen, die diese auf allen Ebenen offenlegen könnten.

Tatsächlich funktioniert die Bekämpfung aber vielfach leidlich. Zuletzt gab es in Russland einige Skandale, die das Thema Korruption auch in der öffentlichen Diskussion an die Oberfläche brachten. Bei den Protesten gegen das Lkw-Maut-System „Platon“ war sie immer wieder ein Thema – schließlich ist der Platon-Chef der Sohn des Putin-Freundes Arkadij Rotenberg. Hier wittert die russische Öffentlichkeit Gemauschel.

Auch Beschuldigungen in Form eines ausführlichen Berichts von Alexej Nawalnyj (der seit gestern auch auf Englisch verfügbar ist) gegen die Söhne des russischen Generalstaatsanwalts Tschaika oder die ominöse Luxus-Armbanduhr von Kreml-Sprecher Peskow ließen das Thema aufflammen. In beiden Fällen gab es bislang keine bemerkenswerten weitergehenderen Untersuchungen.

Hier folgt nun für Sie die Rangliste von 2015.


Was sind Ihre Erfahrungen mit Korruption in Russland? Entspricht die Einschätzung des Index auch Ihren Erlebnissen?

Quellen:

 

[accordion open_icon=“camera-retro“ closed_icon=“camera-retro“] [toggle title=“Fotoquelle“ open=“yes“] Quelle:

Daten: Transparency International. Corruption Perception Index 2015.

Die Karte stammt von Transparency International, das Titelbild ebenfalls.

Die Infografik/Tabelle ist eine eigene Darstellung (via Inforgr.am) basierend auf den Daten von TI.

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