Russland will Mindestdienstzeit für Renteneintritt erhöhen

Russland will Mindestdienstzeit für Renteineintritt erhöhen

In Russland wird die Erhöhung der Mindestdienstzeit für den Renteneintritt diskutiert. Damit sollen Probleme im russischen Rentensystem gelöst werden. Dies berichtet die russische Wirtschaftszeitung Wedomosti

Eine Anhebung des Rentenalters wird in Russland seit vielen Jahren diskutiert. Wegen der alternden Bevölkerung wächst der föderale Transfer in den Rentenfonds von Jahr zu Jahr. Für den Staatshaushalt ist das eine gewaltige Last, besonders angesichts des bestehenden Haushaltsdefizits.

Der Vorschlag stößt jedoch auf Widerspruch in der russischen Bevölkerung. Auch führt eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters nicht zu einer sofortigen Entlastung bei den Staatsausgaben. Daher ist nun alternativ die Verlängerung der Mindestdienstzeit für den Renteneintritt im Gespräch.

Russische Staatsbeamte sagten gegenüber Wedomosti, dass durch eine längere Mindestdienstzeit die Einnahmen im Rentenfonds der Russischen Föderation gesteigert werden könnten. Nach dem Renteneintritt würden die Ruheständler dann eine höhere Rente erhalten.

Außerdem könnten mit einer Verlängerung der Mindestdienstzeit viele Ruheständler aus der Schattenwirtschaft herausgeholt werden. Derzeit liegt das Renteneintrittsalter für russische Männer bei 60 Jahren und für Frauen bei 55 Jahren. In Wirklichkeit arbeiten viele Rentner aber aufgrund niedriger Renten nach dem Übergang in den Ruhestand weiter.

Der Rentenbeitrag soll künftig auf Grundlage der Arbeitszeit berechnet werden. Um die Reform durchzusetzen, muss die Politik deshalb zunächst die Rentenformel ändern.

Kudrin: Erhöhung des Rentenalters unausweichlich

Alexei Kudrin, Vorsitzender des Zentrums für strategische Forschung (CSR) und ehemaliger russischer Finanzminister, widerspricht dieser Ansicht. Um den Staatshaushalt bis 2035 nicht zu gefährden, sei es unausweichlich, das Alter für den Renteneintritt zu erhöhen.

Kudrin warnte davor, dass ein Wachstum der russischen Wirtschaft durch weitere Instabilität im Öl- und Gassektor nicht vollständig abgesichert ist. Auch würden die Sozialausgaben in Zukunft steigen, da die alterende Bevölkerung mehr Geld für Renten und für eine Gesundheitsversorgung beanspruchen werde.

Das CSR schlägt dem russischen Finanzministerium in einem Strategiepapier vor, ab 2019 das Rentenalter jährlich bis 2024 um sechs Monate zu erhöhen. Für Frauen würde das Rentenalter somit auf 63 Jahre und für Männer auf 65 Jahre ansteigen.