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Patrick VolknantVon

Russland erhöht Rentenalter auf 65 bzw. 63 Jahre

Gleichzeitig mit dem Beginn der WM hat die russische Regierung eine Rentenreform angekündigt. Dem Gesetzesentwurf zufolge soll das Rentenalter für Männer auf 65 Jahre bis 2028 und für Frauen auf 63 Jahre bis 2034 ansteigen. Dies berichtet Wedomosti.

Während in Russland vorgestern der Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft und ein 5:0-Sieg im Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien gefeiert wurde, hat der russische Premierminister Dmitri Medwedew einen neuen Gesetzentwurf präsentiert, der die Bevölkerung eher weniger erfreuen dürfte. Der Kreml plant eine Erhöhung des Rentenalters auf 65 Jahre für Männer bis 2028 sowie auf 63 Jahre für Frauen bis 2034. Bisher lag das Alter zum Renteneintritt für Männer bei 60 und für Frauen bei 55 Jahren.

Anhebung soll schrittweise vonstattengehen

Von der Übergangszeit, in der das Rentenalter schrittweise erhöht werden soll, sind Frauen aus den Jahrgängen von 1964 bis 1971 sowie Männer von 1959 bis 1963 betroffen. Die Regierung will das Jahr des Renteneintritts Jahrgang für Jahrgang um Zweierschritte erhöhen. Ein Mann, der beispielweise 1959 geboren wurde, wird so im Jahre 2020 mit 61 Jahren in Rente gehen, jemand aus dem 60er-Jahrgang hingegen mit 62 Jahren in 2022 und so weiter. In dieser letztlich schleichenden Anhebung des Rentenalters vermeidet die Regierung große Sprünge, damit sich die negative Auswirkung der Reform nicht schlagartig in der Bevölkerung bemerkbar macht.

Übersicht zur russischen Rentenreform

* Männer, die 1974 oder später geboren wurden, gehen mit 65 in Rente.
** Frauen, die 1972 oder später geboren wurden, gehen mit 63 in Rente.
 Männer Frauen 
RenteneintrittsjahrGeburtsjahrRentenalterGeburtsjahrRentenalter
2020195961196456
2022196062196557
2024196163196658
2026196264196759
20281963*65196860
2030196961
2032197062
20341971**63

Der Entwurf sieht zusätzlich zur stückweisen Anhebung des Rentenalters noch eine zweite abschwächende Maßnahme vor: Frauen mit einer Berufserfahrung von 40 und Männer mit einer Berufserfahrung von 45 Jahren dürfen zwei Jahre früher in Rente gehen. Außerdem sollen die bisherigen Vorteile für soziale Sonderfälle erhalten bleiben. Diese betreffen unter anderem Menschen, die in einer gefährlichen Arbeitsumgebung ihr Brot verdienen, Frauen mit fünf oder mehr Kindern, körperlich benachteiligte Bürger und Tschernobyl-Opfer.

Reform kommt zu fragwürdigem Zeitpunkt

Laut Medwedew sei die Anhebung des Rentenalters eine überfällige Angelegenheit, die nun endlich angegangen werden müsse. Es ließe sich eine Entwicklung in der Bevölkerung feststellen, in der die Anzahl der arbeitenden Menschen im Vergleich zu den Pensionären abnehme. Dies könne dazu führen, dass der Staat nicht länger in der Lage sei, seine sozialen Verpflichtungen zu erfüllen, so der Premierminister. Die Lebenserwartung wachse außerdem stetig an und sei um einiges höher als die der 30er-Jahre, in denen das bisherige Rentenalter festgelegt worden war.

Die Erhöhung hat sich aus der Sicht Medwedews schon lange angekündigt. Tatsächlich hatte er bereits im Mai erklärt, der Duma einen Gesetzentwurf vorlegen zu wollen, der Änderungen bezüglich des Rentenalters mit sich bringen werde. Jedoch hatte der russische Premierminister bisher die explizite Formulierung einer „Erhöhung“ vermieden. Zudem dürfte auch der terminliche Zusammenfall mit der Weltmeisterschaft alles andere als ein Zufall sein. Das Turnier hat mittlerweile den Ruf, Regierungen als Freibrief für unbeliebte Reformen zu dienen, da das Event von politischen Themen ablenkt.

Titelbild

Quelle: Laura Beach / Shutterstock.com

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Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.