Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Klaus DormannVon

Russlands Konjunktur: Lage im Oktober und Prognosen für 2017/2018

Rezession hält 2016 an – Talfahrt wird aber langsamer

2016 steckt Russlands Wirtschaft weiterhin in der Rezession. Am Freitag (18.11.) veröffentlichte das russische Statistikamt Daten zur Entwicklung von Produktion und Beschäftigung, Einkommen und Einzelhandelsumsatz im Oktober.

 Veränderung 2015 zu 2014 (in Prozent)Veränderung Okt. 2016 zu Okt. 2015 (in Prozent)Jan.-Okt. 2016/ Jan.-Okt. 2015 (in Prozent)
BIP-3.7-0,5-0,7
Industrieproduktion-3.4-0,20,3
Bauproduktion-4,8-0,8-5.0
Realeinkommen-4,3-5,9-5.3
Reallöhne-9,02,00,5
Einzelhandelsumsatz-10-4,4-5,3
Anlageinvestitionen
-8.4keine Daten-2,3 (Jan.-Sept. 2016)

Tabelle: Wirtschaftsministerium: Wochenbericht; 23.11.2016; Rosstat: Sozio-ökonomische Lage in Russland, 18.11.2016

Industrie und Bergbau

BOFIT Chart

Bank of Finland (BOFIT): Russia’s economic recovery still uncertain; 25.11.2016

Die Industrieproduktion, der für die Entwicklung der Gesamtwirtschaft immer noch wichtigste „Taktgeber“, verzeichnete zwar im Oktober im Vergleich mit dem Vorjahresmonat einen Rückgang um 0,2 Prozent. Gegenüber dem Vormonat war sie saison- und kalenderbereinigt jedoch 0,3 Prozent höher.

Auch in den ersten 10 Monaten insgesamt nahm sie etwas zu (+ 0,3 Prozent gegenüber Januar bis Oktober 2015). Der leichte Anstieg ist hauptsächlich der gesteigerten Produktion im Sektor „Bergbau/Förderung von Rohstoffen“ (+ 2,2 Prozent) zuzuschreiben.

Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe („Manufacturing“) sank hingegen in den ersten 10 Monaten weiter (- 0,9 Prozent). Sie war auch im Oktober allein niedriger als vor einem Jahr (- 0,8 Prozent).

Russisches BIP

Für die Entwicklung der Produktion der gesamten Wirtschaft veröffentlicht Rosstat nur vierteljährlich Daten. Nach ersten Angaben der Statistiker schwächte sich der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 0,4 Prozent ab. Die gesamtwirtschaftliche Produktion war in den ersten neun Monaten damit voraussichtlich 0,7 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Das Wirtschaftsministerium schätzt, dass der Rückgang auch in den ersten 10 Monaten 0,7 Prozent betragen hat. Es geht davon aus, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion im Oktober rund 0,5 Prozent niedriger als vor einem Jahr gewesen ist.

Russisches BIP

Chart: Elena Holodny: Russia’s recession isn’t over; Business Insider, 14.11.2016

Die besonders konjunktursensiblen Investitionen weisen für die ersten drei Quartale noch einen Rückgang um 2,3 Prozent aus. Dass die Investitionsschwäche im Vorjahresvergleich anhält, signalisiert der weitere Rückgang der Bauproduktion im Oktober. Sie war in den ersten zehn Monaten 5,0 Prozent niedriger und unterschritt im Oktober das Vorjahresniveau um 0,8 Prozent.

Die EU-Kommission geht in ihrer Anfang November veröffentlichten Herbst-Prognose davon aus, dass sich die Investitionen in Russland in diesem Jahr ähnlich stark abschwächen wie der private Verbrauch.

2015 war der private Konsum laut EU-Kommission bereits um 9,4 Prozent eingeschränkt worden. Und er sinkt auch in diesem Jahr rasch weiter. Das zeigen auch die neuen Daten für die Entwicklung in den ersten zehn Monaten 2016. Bei einem Rückgang der verfügbaren Einkommen um real 5,3 Prozent war der Einzelhandelsumsatz preisbereinigt 5,3 Prozent niedriger als in den ersten zehn Monaten 2015. Immerhin wird auch auf der Verbrauchsebene spürbar, dass die Talfahrt 2016 schwächer geworden ist.

Die Arbeitslosenzahl sinkt im Vorjahresvergleich sogar leicht. Im Oktober waren 3,6 Prozent weniger Arbeitslose als vor zwölf Monaten gemeldet. Die Arbeitslosenquote war mit 5,4 % auch etwas niedriger als im Vorjahresmonat (5,5 %).

Wie geht es 2017/2018 in Russland weiter?

Das im Oktober für die Haushaltsplanung von der russischen Regierung beschlossene Basisszenario liegt im Hinblick auf seine Wachstumserwartungen für das Jahr 2017 mit 0,6 Prozent spürbar unter den Ergebnissen von Analysten-Umfragen, die sich seit der Jahresmitte kaum verändert haben. Sie lassen ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent (Reuters-Umfrage) bis 1,3 Prozent (FocusEconomics Consensus Forecast) erwarten. Die Weltbank hob ihre Prognose jetzt sogar auf 1,5 Prozent an. Demgegenüber rechnet die EU-Kommission wie das Basisszenario der russischen Regierung 2017 nur mit 0,6 Prozent Wachstum (obwohl auch die EU-Kommission von einem Anstieg der Ölpreise ausgeht).

2018 wird allgemein mit einer leichten Beschleunigung des Wachstums gerechnet. Das Wirtschaftsministerium erwartet im Basisszenario einen Produktionsanstieg um 1,7 Prozent, die Zentralbank um 1,5 Prozent bis 2 Prozent. In diesem Bereich liegen auch die Prognosen der Weltbank und der Gemeinschaftsdiagnose der deutschen Institute (+ 1,7 Prozent) sowie die Analysten-Umfrage „FocusEconomics Consensus Forecast“.

Prognosen gesamtwirtschaftliche Produktion in Russland Oktober/November 2016

Schätzung des Bruttoinlandsprodukts, real gegenüber dem Vorjahr, angegeben in Prozent (Stand: 25. November 2016).
InstitutDatum201620172018
SEB, Stockholm2016/11/22-0,61,01,5
Berenberg Bank, Hamburg2016/11/21-0,61,01,8
Commerzbank, Frankfurt2016/11/18-0,61,3
Economist Intelligence Unit, London2016/11/16-0,80,71,1
OPEC2016/11/11-0,60,8
WIIW, Wien2016/11/10-0,80,81,8
Economist-Umfrage2016/11/10-0,81,3
Deka Bank, Frankfurt2016/11/10-0,81,1
EU-Kommission2016/11/09-1,00,60,8
Weltbank2016/11/09-0,61,51,7
Higher School of Economics2016/11/08-0,90,4 (4. Okt.)0,6 (4. Okt.)
EBRD, London2016/11/03-0,61,2
Sachverständigenrat (gw. Entwicklung)2016/11/02-1,41,2
Reuters-Umfrage2016/11/01-0,51,1
FocusEconomics Consensus Forecast2016/10/31-0,61,31,6
Wirtschaftsministerium,
Basis Plus-Szenario
; Duma-Vorlage
2016/11/28-0,6 (41$/b)1,1 (48$/b)1,8 (52$/b)
Wirtschaftsministerium,
Basis-Szenario
; Duma-Vorlage
2016/11/28-0,6 (41$/b)0,6 (40$/b)1,7 (40$/b)
Zentralbank,
Basis-Szenario
2016/11/28- 0,5 bis -0,7 (41 $/b)0,5 bis 1,01,5 bis 2,0
Allianz, München2016/10/28-0,61,5
Sberbank, Moskau2016/10/20-0,50,5
CMASF, Moscow; UN/DESA2016/10/20-0,90,81,5
Russian Academy of Sciences, RAS2016/10/19-0,71,52,0
Danske Bank, Kopenhagen2016/10/17-0,61,2
Fitch2016/10/14-0,51,32,0
Eurasian Development Bank (EDB)2016/10/14-0,70,31,2
BNP Paribas, Paris2016/10/110,02,2
IWF2016/10/04-0,81,1
Gaidar Institut, Moskau; Basisszenario2016/10/03-0,80,51,5
Gemeinschaftsdiagnose dt. Institute2016/09/29-0,81,11,7
Bank of Finland, BOFIT, Helsinki2016/09/29-1,01,01,5
RBI/Raiffeisen Research, Wien2016/09/28-0,51,01,5
Quellen

Bank of Finland (BOFIT): Russia’s economic recovery still uncertain; 25.11.2016

Russisches Wirtschaftsministerium: Macro: Economic Monitoring; Wochen- und Monatsberichte

Russisches Wirtschaftsministerium: Forecast of socio-economic development 2017-2019; 24.11.2016

Interfax: VEB, unlike Econ Ministry, foresaw deepening of annual GDP decline in Oct; 24.11.2016

Rosstat: Sozio-ökonomische Lage in Russland, 18.11.2016

Berenberg Bank: Makro Osteuropa: Trumps Wahl erhöht Chancen auf Ende der Sanktionen; 21.11.16

SEB: Nordic Outlook; 22.11.2016

Helaba: Märkte und Trends 2017; Russland: Das Karussell dreht sich nur langsam; 21.11.2016

Bear Market Blog: Peripheral Reform: On Russia’s Approach to Adjustment; 20.11.2016

Sergey Aleksashenko: “I’d Like to Believe the Worst Is Over for the Russian People”; IMR, 18.11.16

Gunter Deuber, Andreas Schwabe (Raiffeisen Bank International): Zwei Jahre Wirtschaftskrise: Zögerliche Erholung, alte Rezepte und »Stagnationsmarketing«; Russland-Analysen Nr. 325; 18.11.16

dekoder – Russland entschlüsseln: Presseschau № 45: Fall Uljukajew vom 16.11.2016; 18.11.2016

Gazeta.ru: The government is waiting for the resignation Ulyukayev; russisch, 15.11.2016

Alexandra Prokopenko: How the Russian Economy Hit Rock Bottom; Moscow Times, 17.11.2016

Ricardo Aceves (FocusEconomics): Russia: Industrial output contracts in october; 16.11.2016

A. Khlebnikov: The Russian economy: Is the glass half-full or half-empty? Russia Direct; 16.11.2016

Christian Wipperfürth: Russland: Die aktuelle Wirtschaftslage; russland.news; 15.11.2016

B. Triebe: Lichtblicke bei Erdöl und Konsum: Russlands Rezession wird schwächer; NZZ, 14.11.2016

Wells Fargo: Russian Q3 GDP: Continuing the Climb from Deep Recession; 14.11.2016

Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW): Russia; Autumn Forecast; 10.11.2016

OeNB-BOFIT: Outlook for selected CESEE countries: …trough reached in Russia; 10.11.2016

World Bank: Russia Economic Report Nr. 36, 09.11.2016

EU Kommission: Autumn 2016 Economic Forecast; Country Forecast: Russia; 09.11.2016

Ben Aris (bne IntelliNews): Interview Sergei Guriev (chief economist EBRD); Audio, 25 Min.; 10.11.16

EBRD: EBRD forecast: growth slowly picking up despite continuing global turmoil; 03.11.2016; REP

SPB: „Für ausländische Unternehmen in Russland ist der Abwärtstrend vermutlich zu Ende“; 03.11.16

Allianz: BRIC Forecasts: Russland: Kennzahlen und Prognosen; 28.10.2016

Titelbild: Pixabay

 

Klaus Dormann
Über den Autor

war von 1980 bis 2015 Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Ruhrgas AG und der E.ON SE.