Russland investiert 315 Mio. Euro in HIV-Medikamente

Russland kauft HIV-Medikamente für 20 Mrd. Rubel

In den nächsten drei Jahren investiert Russland etwa 20 Milliarden Rubel (umgerechnet mehr als 315 Mio. Euro; Stand: 06.02.17) in den Kauf von antiretroviralen Arzneimitteln für HIV-Infizierte. Dies geht aus einer Meldung der „Rossijskaja Gaseta“ hervor.

Es ist kein Geheimnis, dass Russland ein großes HIV-Problem hat. Alleine 2015 wurden 95.000 Neuinfektionen festgestellt. Die Zahl der HIV-Infizierten hat sich seit 2005 in zehn Jahren auf mehr als eine Million verzehnfacht. Zahlreiche Medien berichten vom Ausbruch einer „Super-Seuche“. Der postsowjetische Raum sei weltweit das einzige Gebiet, in dem sich die HIV-Epidemie weiterhin ausbreite.

Drogenkonsum in Gefängnissen

Mehr als die Hälfte der Infektionen sind Folge von verseuchten Spritzen. Alleine in Russland gibt es etwa 1,8 Millionen Heroinabhängige. Auch Crystal Meth und andere Designerdrogen wie Desomorphin werden konsumiert. Zentrum der Epidemie seien russische Gefängnisse, behaupten Forscher der Universität Yale. Die HIV-Rate übersteige dort das 20-Fache im Vergleich zur Bevölkerung. Jeder zweite Häftling sei drogenabhängig. Statistisch sitzen 450 von 100.000 Russen im Gefängnis.

Vor allem die Prävention der Regierung sei unzureichend, sagen Kritiker. Methadon-Substitution und Betreuung von Süchtigen werde nicht ausreichend gefördert. Dasselbe gilt für die sexuelle Aufklärung. Diese wird sogar durch Initiativen der russisch-orthodoxen Kirche erschwert. Und nicht zuletzt sei die medizinische Versorgung unbefriedigend. Zu wenig Medikamente sowie unzureichende psychologische und fachärztliche Unterstützung für HIV-Patienten erschweren die Lage.

Strategie zur HIV-Bekämpfung

Nun könnte die russische Regierung das Problem verstanden haben. Experten diskutieren derzeit über eine Strategie zur HIV-Bekämpfung. Russland genehmigt den Kauf von antiretroviralen Arzneimitteln im Wert von 315 Millionen Euro. „Das ist eine ernsthafte Summe“, erklärte Vizeministerpräsidentin Olga Golodez.

Zunächst lehnte es das Finanzministerium ab, die notwendigen Mittel bereitzustellen. Als Konsequenz entwickelte das Gesundheitsministerium ein Drei-Stufen-Programm, um Geld einzusparen. Auch die Regionen erstellten ein föderales Register zur Übersicht aller HIV-Infizierten in Russland. Nun hat das Ministerium die Finanzierung bewilligt.