Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Thorsten GutmannVon

Russland sperrte kurzzeitig Zugriff auf Google

Die Website www.google.ru war am heutigen Donnerstag kurzzeitig für russische Internet-Nutzer nicht erreichbar. Der Grund: Die Medienaufsicht Roskomnadsor hatte zuvor bei Providern eine Sperre veranlasst. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung Wedomosti.

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht zuerst: Google ist in Russland wieder problemlos für alle Nutzer zugänglich. Die schlechte Nachricht: Russlands Medienaufsicht Roskomnadsor hat unter Beweis gestellt, dass sie vor großen Playern wie Google nicht zurückschreckt. Zwar könnte es sich beim jetzigen Fall um einen bürokratischen Akt handeln.

Dennoch sind die Entwicklungen besorgniserregend. Tausende Websites sind derzeit in Russland gesperrt. Und ein neues Gesetz könnte sogar die Umgehung der Internet-Sperren via Proxy-Server oder VPN-Tunnel unter Strafe stellen. Das sollte für Pornographie-Websites wie PornHub und YouPorn noch zu verkraften sein – spätestens bei Google wird es jedoch kritisch.

Keine Server-Probleme bei Google

Aber alles der Reihe nach. Was ist heute geschehen? Am Nachmittag berichtete der Internet-Aktivist Alexander Litrejew, dass der Zugriff auf den russische Google-Ableger nur eingeschränkt möglich sei. Zunächst verbreitete sich die Nachricht im Channel „Cyber-Security“ des beliebten Instant-Messaging-Dienstes Telegram, der ebenfalls von einer Sperrung bedroht sein soll.

Danach folgten Meldungen in allen großen Medienhäusern Russlands. Schnell konnten Server-Probleme bei Google ausgeschlossen werden. Recherchen haben ergeben, dass Google bereits seit 2016 auf einem Register mit Websites stehe, die für Sperrungen vorgesehen seien. Roskomnadsor soll Google dort im letzten Jahr auf Gesuch der Föderalen Steuerbehörde aufgenommen haben.

Suchmaschinen-Verweis auf Online-Wettbüro

Der Chef von Roskomnadsor, Alexander Scharow, bestätigte den Vorfall gegenüber Wedomosti. Die Sperrung sei kein Versehen, sondern Folge eines unerwünschten Eintrags in der Suchmaschine des US-Konzerns. Explizit gehe es um die Website einer Online-Dienstleistung für Pferdewetten, so Scharow. Google habe die Website umgehend aus dem Index entfernt.

Nach einem Gesetz von 2015 hat die Steuerbehörde das Recht, illegale Online-Glücksspiele und Lotterien mit Hilfe der Medienaufsicht zu blockieren. Laut Roskomnadsor-Sprecher Wadim Ampelowski sei der Verweis auf Google nach einer Stunde aus dem Register gelöscht worden. Trotzdem war die Suchmaschine für viele Internet-Nutzer bis zu drei Stunden unerreichbar.

Auch Wikipedia kurzzeitig lahmgelegt

Erst neulich sorgte Roskomnadsor für negative Schlagzeilen. Internet-Aktivisten haben eine Schwachstelle ausfindig gemacht, um den Zugriff auf zahlreiche Websites zu beschränken. Betroffen waren u. a. die russischsprachige Nachrichtenseite Meduza, der Video-Streaming-Anbieter Ivi.ru sowie Wikipedia. Teilweise wurde der Zugriff für mehrere Tage lahmgelegt.

Auch Banken seien betroffen gewesen. So berichteten Sberbank-Kunden, dass die Infrastruktur für Kartenzahlungen teilweise zusammengebrochen sei. Artjom Kosljuk, Leiter der Aktivisten-Gruppe Roskomswoboda, bezeichnete das System von Roskomnadsor als technisch unausgereift. „Es ist nur eine weitere Sicherheitslücke von vielen“, erklärte er gegenüber Nowaja Gaseta.

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.