Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Klaus DormannVon

Das Ifo Institut erwartet für 2020 aber einen BIP-Einbruch um 7,5 %

Mit der Schließung vieler Betriebe wurde die Corona-Pandemie für die meisten Volkswirtschaften in Europa ab April schmerzhaft spürbar, so auch in Russland. Neue Konjunkturdaten signalisieren aber, dass Russlands gesamtwirtschaftliche Produktion bereits im April ihren Tiefpunkt durchschritten hat. Im Mai waren erste Zeichen für eine Erholung erkennbar. Zudem sind die Einkaufsmanager-Indizes für Industrie und Dienstleistungen im Mai und Juni kräftig gestiegen. Völlig erholt vom tiefen Absturz im April haben sie sich aber noch nicht.

Die Prognosen, wie stark die Produktion der russischen Wirtschaft im Jahresdurchschnitt 2020 ihr Vorjahresniveau unterschreiten wird, gehen immer noch weit auseinander. Das ifo Institut erwartet jetzt einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um 7,5 Prozent. Der Vorstandsvorsitzende der Sberbank meint hingegen weiterhin, die Produktion werde höchstens 4,5 Prozent niedriger sein.

Wie rasch sich die russische Wirtschaft erholt, wird auch vom Umfang staatlicher Hilfen abhängen. Nach Feststellungen des ifo Instituts planen westliche Staaten weit größere Ausgaben zur Unterstützung der Wirtschaft als die russische Regierung.

VEB-Institut: Bruttoinlandsprodukt erholte sich im Mai etwas

Der vom VEB-Institut berechnete Index für die saisonbereinigte Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts stieg im Mai gegenüber April um 0,2 Prozent. Der Rückgang des BIP gegenüber dem Vorjahresmonat verringerte sich von 14 Prozent im April auf 12 Prozent im Mai. Von April auf Mai stieg die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes saisonbereinigt um 1,7 Prozent. Der reale Umsatz im Einzelhandel nahm um 5,1 Prozent zu und der reale Umsatz im Dienstleistungsbereich um 1,7 Prozent.

Andererseits ließ der Rückgang der Ölförderung die Produktion mineralischer Rohstoffe um 11,7 Prozent gegenüber April sinken. Auch der reale Umsatz im Warentransport sank gegenüber dem Vormonat (-4,6 Prozent). In den ersten fünf Monaten war die gesamtwirtschaftliche Produktion nach den Berechnungen des VEB-Instituts 4,5 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Einkaufsmanager-Index der Industrie kräftig erholt

Die Einkaufsmanager in der Industrie zeigen sich in der am 01. Juli veröffentlichten IHS-Umfrage für Juni deutlich zuversichtlicher als in den letzten Monaten. Der Index erholte sich kräftig von 36,2 Punkten im Mai auf 49,4 Punkte im Juni. Damit erreichte er fast die 50-Punkte-Marke, die eine „stabile“ Entwicklung der Geschäftstätigkeit ohne weitere Verschlechterungen signalisiert. Die Erholung wurde, so berichtet FocusEconomics, vor allem von einer Zunahme der Aufträge und der Produktion getragen. Mit der Wiederaufnahme der Produktion in den Betrieben nach dem Lockdown wurde der stärkste Anstieg der Produktion seit April 2019 verzeichnet. Der Auftragseingang wurde allerdings weiterhin von der sinkenden Nachfrage aus dem Ausland belastet.

Einkaufsmanager-Index PMI im Verarbeitenden Gewerbe

Almanas Stanapedis; FocusEconomics: Russia: Manufacturing PMI rebounds to an over one-year high in June; 01.07.2020

Auch der Einkaufsmanager-Index im Dienstleistungsbereich erholte sich im Juni kräftig von 35,9 Punkten auf 47,8 Punkte. Nachdem sie ihre Geschäftsaktivitäten teilweise wieder aufgenommen hatten, signalisierten die Dienstleistungsunternehmen einen deutlich schwächeren Rückgang der Produktion gegenüber dem Vorjahresmonat als im Mai. Der Index blieb aber unter der 50 Punkte-Marke, ab der Wachstum einsetzt.

Der kombinierte „Russia Composite Output Index“ für den Bereich des Verarbeitenden Gewerbes und den Dienstleistungsbereich erholte sich von 35.0 Punkten im Mai auf 48,9 Punkte im Juni.

Prognosen für 2020 weiterhin sehr ungewiss

Wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird und wie schnell sämtliche Produktionseinschränkungen aufgehoben werden, ist aber weiterhin sehr ungewiss. Die Prognosen zum Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im gesamten Jahr 2020 differieren deswegen beträchtlich.

Auch die deutschen Forschungsinstitute sind sich in ihren „Sommerprognosen“ keineswegs einig. Am ersten Juli veröffentlichte das Münchner ifo Institut seine Prognose zur Entwicklung der Konjunktur in Deutschland und weltweit. Im Juni hatten bereits das Berliner DIW und das Kieler Institut für Weltwirtschaft Prognosen vorgelegt, darunter auch zur Entwicklung von Wachstum und Inflation in Russland.

Ifo Institut erwartet viel tieferen Einbruch in Russland als das DIW

Den Anfang machte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Die am 11. Juni erschienene DIW-Prognose zum Rückgang des russischen Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2020 fiel mit 4,4 Prozent noch relativ moderat aus. In der Woche zuvor hatte die Weltbank bereits einen Einbruch der Produktion um 6 Prozent vorhergesagt und die OECD sogar um 8 Prozent.

Mitte Juni schätzte das Institut für Weltwirtschaft Kiel die Produktionsentwicklung in Russland mit – 6,5 Prozent dann deutlich skeptischer ein als das DIW. Die Kieler Prognose deckt sich fast mit den wenige Tage später veröffentlichten Prognosen des Moskauer Gaidar-Instituts (- 6,8 Prozent) und des Internationlen Währungsfonds (- 6,6 Prozent).

Zwei Wochen später geht das ifo Institut jetzt sogar von einem Rückgang des russischen Bruttoinlandsprodukts um 7,5 Prozent aus. Damit erwartet es in Russland einen ähnlich tiefen Einbruch wie die OECD (- 8,0 Prozent) und das Moskauer „Zentrum für makroökonomische Analysen und kurzfristige Prognosen, CMASF“ (- 8,0 bis – 8,2 Prozent).

Gleichzeitig erwartet das ifo Institut, dass Russland den diesjährigen Produktionsrückgang schon im nächsten Jahr mit einem Wachstum von 7,0 Prozent fast wieder aufholen kann. Die meisten anderen Prognosen gehen von einer langsameren Erholung aus.

Analysten-Konsens rückt auf Minus 5 Prozent zu

Umfragen bei Analysten lassen einen immer stärkeren Rückgang der Produktion der russischen Wirtschaft erwarten. In der Ende Juni veröffentlichten Reuters-Umfrage wird jetzt im Durchschnitt mit einem Rückgang des BIP um 4,5 Prozent gerechnet (Mai-Umfrage: — 3,8 Prozent). Die Umfrage von FocusEconomics war schon Anfang Juni auf – 4,7 Prozent zurückgefallen (nächste Veröffentlichung am 07. Juli).

Wachstumsprognosen 2020 bis 2022
Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr in Prozent

   202020212022
DekaBank, Frankfurt07/03/2020-5.63.5
Helaba, Frankfurt07/03/2020-33
Commerzbank, Frankfurt07/03/2020-21.1
Ifo Institut München07/01/2020-7.57
Reuters-Umfrage06/30/2020-4.53.2
Fitch Ratings06/30/2020-5.83.62
Berenberg Bank, Hamburg06/29/2020-53.52.5
Unicredit06/25/2020-5.43.8
Internationaler W?hrungsfonds06/24/2020-6.64.1
Macro Advisory, Moskau06/23/2020-3.52.5
Gaidar Institut/RANEPA;
Szenario 1
06/22/2020-6.8
Urals 35,0 $/b
3.6
Urals 35,0 $/b
2.7
Urals 45,0 $/b
Gaidar Institut/RANEPA;
Szenario 2
06/22/2020-6.8
Urals 35,0 $/b
4.3
Urals 45,0 $/b
2.9
Urals 45,0 $/b
IfW Kiel06/18/2020-6.54.5
Alfa Bank, Moskau06/18/2020-3
Russisches Wirtschaftsministerium,
Basisszenario laut RBK
06/17/2020-4.8
Urals 39,9 $/b
3.2
Urals 43,3 $/b
2.9
Urals 45,6 $/b
OPEC, Wien06/17/2020-4.5
ING Bank, Amsterdam06/16/2020-2.522.2
Economist Intelligence Unit, London06/16/2020-5.21.61.8
Sberbank, Moskau06/16/2020-4.23.12
Morgan Stanley06/14/2020-5.33.9
DIW Berlin06/11/2020-4.40.8
OECD; Szenario “zweite Welle”06/10/2020-104.9
OECD; Szenario “keine zweite Welle”06/10/2020-86
FocusEconomics
Consensus Forecast
06/09/2020-4.73.2
Weltbank06/08/2020-62.7
HSE, Moskau06/03/2020-5.23
CMASF, Moskau; Basisszenario06/02/2020- 8,0 bis – 8,23,7 bis 4,02,1 bis 2,5
Russische Zentralbank,
Basisszenario
04/24/2020- 4 bis - 6
Urals 27 $/b
2,8 bis 4,8
Urals 35 $/b
1,5 bis 3,5
Urals 45 $/b

Gref erwartet weiterhin einen BIP-Rückgang um 4,2 bis 4,5 Prozent

Die Sberbank veröffentlichte Mitte Juni eine Präsentation für Investoren, die im Kapitel „COVID-19 & Macro Challenges“ (S. 25-33) auch die Folgen der Corona-Pandemie für die russische Wirtschaft analysiert. Ende Juni wiederholte der Vorstandsvorsitzende der Sberbank, German Gref, in einem rund einstündigen TASS-Interview (mit Video), seine Einschätzung, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion in diesem Jahr um 4,2 bis 4,5 Prozent sinken dürfte.

Russland werde die Corona-Krise damit besser bewältigen als er zunächst gedacht habe (Rückgang um 6 bis 9 Prozent). Falls es keine zweite Infektionswelle gibt, werde der Dollar gegenüber dem Rubel bis zum Jahresende auf rund 60 Rubel je Dollar abwerten. Gref betonte aber, wie unvorhersehbar der weitere Verlauf der Pandemie sei.

Links zu zahlreichen TASS-Berichten zu diesem Interview vom 29. Juni finden Sie hier, Hinweise zu den im Video angesprochenen Themen sind am Ende dieses Artikels aufgelistet.

Gesamtwirtschaftliche Prognosen der Sberbank bis 2022

Mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 4,2 Prozent erwartet die Sberbank eine etwas schwächere Abnahme der Produktion als das Wirtschaftsministerium, das laut Presseberichten (u.a. Vedomosti, RBK) in seinen Entwürfen für Prognosen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bis 2023 inzwischen für 2020 von einem Rückgang um 4,8 Prozent ausgehen soll.

2021 rechnet die Sberbank mit einer ähnlich langsamen Erholung der Produktion (+ 3,1 Prozent) wie die Regierung (+ 3,2 Prozent). Wirtschaftsminister Reshetnikov meinte in einem Gespräch mit Ministerpräsident Mishustin in der letzten Woche, die Produktion der russischen Wirtschaft werde im 4. Quartal des nächsten Jahres wieder das Niveau des Jahres 2019 erreichen. Er rechnet auch für das Jahr 2022 mit einem Wachstum von rund 3 Prozent.

Der Anstieg der Verbraucherpreise wird sich nach Einschätzung der Sberbank bis Ende 2020 auf 3,7 Prozent beschleunigen.

Sberbank-Prognosen für Wirtschaftswachstum, Verbraucherpreisanstieg und Leitzins am Jahresende, Rubelkurs im Jahresdurchschnitt

Sberbank: Investor Presentation, Page 25-33: COVID-19 & Macro Challenges; Juni 2020

Unicredit rechnet mit einem stärkeren Rückgang des BIP um 5,4 Prozent

Die Mailänder Großbank Unicredit ewartet für Russland in ihrem neuen Quartalsbericht für Mittel- und Osteuropa einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5,4 Prozent. Diese Prognose liegt noch im Rahmen der Erwartungen der russischen Zentralbank (- 4 Prozent bis – 6 Prozent).

Wie die folgende Abbildung zeigt, gehen die Unicredit-Analysten Artem Arkhipov und Ariel Chernyy davon aus, dass der private Verbrauch und die Anlageinvestitionen etwa gleich viel zum Rückgang des BIP beitragen dürften.

Einen recht kräftigen positiven Wachstumsbeitrag erwarten sie 2020 von der außenwirtschaftlichen Eintwicklung. Sie rechnen damit, dass Russlands Einfuhren real fast doppelt so stark sinken (- 15 Prozent) wie die Ausfuhren (- 8 Prozent). Die Veränderung des Saldos von Aus- und Einfuhren (Nettoausfuhr) werde das Wachstum stützen. Auch der reale öffentliche Verbrauch (+ 2 Prozent) dürfte laut Unicredit das Wachstum stabilisieren, allerdings nur geringfügig.

Reale Veränderung des Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr in Prozent (rote Linie);
Beiträge der Verwendungsbereiche Privater Verbrauch, Öffentlicher Verbrauch, Anlageinvestitionen, Lagerveränderung und Nettoausfuhr in Prozentpunkten

Unicredit: CEE Quarterly; Russia: Recovery postponed to 2021; Seite 58; 25.06.2020

Krisenpakete verursachen ein 5 Prozent-Defizit im Föderationshaushalt

Zur Abschätzung der Entwicklung des öffentlichen Verbrauchs haben die Unicredit-Analysten die Ausgabenpläne der Regierung analysiert. Im föderalen Haushalt, der 2019 noch mit einem Überschuss von 1,8 Prozent des BIP schloss, erwarten sie in diesem Jahr ein Defizit von 5,0 Prozent des BIP.

Nachdem Russlands Staatshaushalt zwei Jahre mit Überschüssen abgeschlossen habe, bedeute dies zwar eine „Lockerung der Finanzpolitik“. Allerdings meinen die Unicredit-Analysten wie viele andere Beobachter, das „Krisenpaket“ der russischen Regierung sei im internationalen Vergleich von „begrenzter Größe“. Die öffentlichen Ausgaben würden im Jahr 2020 gegenüber 2019 voraussichtlich um rund 3,3 Milliarden Rubel (oder 3,3% des BIP) auf 21,5 Milliarden Rubel steigen. Die Ausgabensteigerung soll, so die Erwartung der Unicredit, weitgehend durch Aufnahme von Krediten finanziert werden.

DekaBank: Starke Belastung des Staatshaushalts

Daria Orlova, Russland-Expertin der Frankfurter DekaBank, sieht die Wachstumsprerspektiven Russlands in der Juli-Ausgabe der „Emerging Markets Trends“ ähnlich wie Unicredit. Sie rechnet 2020 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5,6 Prozent, der 2021 mit einer Wachstumrate von 3,5 Prozent nur gut zur Hälfte ausgeglichen wird. Auch Daria Orlova verweist darauf, dass die fiskalischen Anti-Krisen-Maßnahmen in Russland im internationalen Vergleich „moderat“ ausfallen. Sie erwartet deshalb keinen starken „Rückprall“ der Produktion in der zweiten Jahreshälfte.

Das Haushaltsdefizit im Föderationshaushalt 2020 veranschlagt sie mit – 4,2 Prozent des BIP etwas niedriger als Unicredit (- 5,0 Prozent des BIP). Der russische Staatshaushalt werde in diesem Jahr zwar stark belastet. Dank der konservativen Fiskalpolitik seien jedoch „komfortabele“ Reserven vorhanden.

„Der Ölpreisrückgang, die Reduzierung der Ölproduktion im Rahmen des „OPEC+“-Deals sowie der COVID-19-bedingte Konjunktureinbruch werden den russischen Staatshaushalt dieses Jahr stark belasten. Dank der konservativen Fiskalpolitik der Vergangenheit verfügt Russland aber über Puffer in Höhe von ca. 9% des BIP, die zur Deckung des Budgetdefizits verwendet werden können, selbst wenn keinerlei Schuldenneuaufnahme auf den Kapitalmärkten möglich sein sollte. Auch die Ausstattung mit internationalen Reserven ist komfortabel.“

Ifo Institut: Andere Staaten tun fiskalpolitisch viel mehr gegen die Krise

Nach Einschätzung des ifo Instituts wird der Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion in Russland mit 7,5 Prozent in diesem Jahr noch deutlich stärker sein als die Unicredit und die Dekabank erwarten.

Die von der russischen Regierung seit März beschlossenen drei „Hilfspakete“ entsprechen nach Angaben des ifo Instituts aber nur 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Sie umfassen unter anderem Sofortmaßnahmen für besonders betroffene Branchen, Steuernachlässe und vergünstigte Kredite für Unternehmen und Selbstständige sowie direkte Zuwendungen für Familien.

Demgegenüber werden die fiskalischen Maßnahmen der Länder des Euroraums, der einen Produktionsrückgang um 8,4 Prozent verzeichnen dürfte, laut ifo Institut 30,0 Prozent des BIP erreichen. Wesentlich umfangreichere fiskalische Maßnahmen als Russland beschlossen danach auch Japan (30,9 Prozent), das Vereinigte Königreich (21,6 Prozent), die USA (14,3 Prozent) und China (6,3 Prozent).

Das ifo Institut weist aber darauf hin, dass die russische Regierung im Juni weitere Hilfsmaßnahmen für Regionen, Unternehmen und Haushalte angekündigt hat.

Stiftung Wissenschaft und Politik: Regierung will ihre Reserven schonen

Eine Anfang Juni erschienene Studie der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik hatte zur Reaktion der russischen Regierung auf den aktuellen Produktionseinbruch bereits festgestellt, die Regierung versuche, ihre angesammelten finanziellen Reserven zu schonen:

„Die Kosten der bereits verkündeten Rettungsmaßnahmen werden auf 3 Prozent des BIP taxiert, obwohl sich das Land deutlich teurere Schritte grundsätzlich leisten könnte. Mit dem Anfang Juni vorgestellten Erholungsplan für die Wirtschaft bleibt die russische Regierung ebenfalls klar unter ihren finanziellen Möglichkeiten.“

Jens Böhlmann, Leiter der Kontaktstelle Mittelstand beim Ost-Ausschuss – Osteuropaverein der deutschen Wirtschaft, nannte die von der russischen Regierung beschlossenen Hilfen für die Wirtschaft in seiner „Ost-Ausschuss Kolumne“ in der letzten Woche auch „sehr bescheiden“:

„Die Zentralbank hat zwar abermals die Zinsen gesenkt, um die Wirtschaft anzukurbeln, aber das Hilfspaket der Regierung fällt im Vergleich mit anderen Staaten und verglichen mit den 750 Milliarden Euro, die die EU aufwenden will, doch sehr bescheiden aus. Zudem stehen soziale Geschenke deutlich im Vordergrund. Auch diese Ausgaben belasten kurz- und langfristig den Haushalt, stimulieren die Binnenkonjunktur jedoch kaum. Dazu fehlt ihnen die nachhaltige Wirkung. Offensichtlich will man die durchaus vorhandenen Reserven weiterhin unangetastet lassen – zu Lasten der Wirtschaft.“

Russland kommt schlechter durch die Krise als China, Indien und die Türkei

Das Forschungsinstitut der finnischen Zentralbank BOFIT verglich in seinem Wochendienst am Freitag die Prognosen internationaler Wirtschaftsorganisationen zur BIP-Entwicklung in Russland mit denen für andere große „Emerging Markets“ und die Ukraine.

Prognosen Internationaler Wirtschaftsorganisationen zum Wirtschaftswachstum in „Emerging Markets“

BOFIT, Bank of Finland: Slight downward revisions in forecasts for Russia’s economy in 2020; BOFIT Weekly, 03.07.2020

Nur Brasilien fällt noch weiter zurück als Russland

Einen tieferen Wachstumseinbruch als in Russland erwarten im Jahr 2020 der IWF, die Weltbank und die EU-Kommission nur in Brasilien. In Indien und in der Türkei wird der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts laut IWF, Weltbank und OECD in diesem Jahr deutlich milder ausfallen als in Russland. Eine wichtige Ursache dafür dürfte sein, dass mit dem weltweiten Konjunktureinbruch auch die für Russland besonders wichtigen Ölpreise stark zurückgegangen sind.

In China erwarten der IWF, die Weltbank und die EU 2020 sogar noch ein schwaches Wachstum um rund 1 Prozent. Nur die OECD rechnet in diesem Jahr in China mit einem Rückgang des BIP um 2,6 Prozent. Er werde aber weit schwächer sein als der Einbruch in Russland (- 8 Prozent).

Auch bei der erwarteten Konjunkturerholung im Jahr 2021 bleibt Russland im Vergleich mit China, Indien und der Türkei zurück. Die Internationalen Wirtschaftsorganisationen erwarten, dass 2021 das Wachstum in Russland schwächer sein wird als in allen anderen verglichenen Ländern mit Ausnahme von Brasilien.

Titelbild

Titelbild: Dmitrii Shkurin /Unsplash.com

Quellen und Lesetipps:

Ostexperte.de-Artikel zu Konjunktur und Wirtschaftspolitik in Russland von Klaus Dormann:

Coronavirus in RF: Liveticker, Presseschau, Russland-Analysen, Russia Analytical Digest

Corona-Informationen von GTAI, OAOEV, WKO, AEB, AHK, IWF, Macro Advisory

Corona-Themenseite des Wirtschaftsministeriums und der Zentralbank

Periodisch erscheinende Konjunkturberichte (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich)

Prognosen der Regierung zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bis 2023

Konjunkturberichte von Zentralbank, Wirtschaftsministerium, Rosstat

Konjunktur und Wirtschaftspolitik in Russland

Nationaler Aktionsplan zur Erholung der Wirtschaft

Wirtschaftspolitik in der Corona-Krise weltweit

Öl- und Gas in Russland und weltweit

TASS zum Gesprächsablauf im Video:

0:00:00 – strategy, development, management model and team of Sberbank
0:08:03 – How much and how does Sberbank earn?
0:09:51 – What does Sberbank not save on?
0:10:15 – Health care, coronavirus and Sberbank’s investment in vaccine development
0:13:51 – Gref about the world after the coronavirus pandemic
0:15:51 – About cybercrime and cybersecurity
0:22:46 – About business models and the formation of a new type of thinking
0:28:35 – About the management model of Sberbank
0:31:10 – On the work of Gref in the government
0:38:37 – About Gref’s hobbies
0:41:57 – On the work of Gref in Sberbank
0:48:12 – About bank customers
0:50:36 – On the reset of the presidential term for the new Constitution
0:51:38 – On the Gref Planning Horizons
0:55:09 – About the culture of radical truth in Sberbank
0:56:06 – About disappointments in people
0:58:45 – On Gref’s management style
1:01:43 – Gref’s worst nightmare

Klaus Dormann
Über den Autor

war von 1980 bis 2015 Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Ruhrgas AG und der E.ON SE.