Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Eva LennartzVon

Die russische Fast-Food-Szene is(s)t anders

Borschtsch, Bliny und Pelmeni. Was erwartet die Gäste beim Besuch einer russischen Fast-Food-Kette? Sieben russische Schnellrestaurants im Test.

Am 30. Januar 1990 eröffnete McDonald’s sein erstes Restaurant in Moskau. Seitdem haben nicht nur westliche Schnellrestaurants auf dem russischen Markt Fuß gefasst. Russische Geschäftsleute haben ebenso eigene Ideen verwirklicht und Alternativen zu den westlichen Konkurrenten aufgebaut. So zum Beispiel Michail Gontscharow, der 1998 die Restaurantkette „Teremok“ gründete und sein Geschäft als Straßenkiosk mit russischen Pfannkuchen (Bliny) begann.

Gontcharow meint, seine Restaurants seien nicht einfach nur „Kopien von Straßenecken in Manhattan oder Tokio“. Dies lässt fragen: Was genau macht die russische Fast-Food-Szene aus und was unterscheidet sie von bekannten westlichen Marken?

Ostexperte.de stellt Ihnen nun einige russische Fast-Food-Restaurants vor.

Gäste stehen an der Theke einer Teremok-Filiale an

Bei Teremok wird der Bliny direkt vor Augen des Kunden zubereitet.

Teremok – Russische Pfannkuchen

Teremoks Menü basiert auf Bliny (auf verschiedene Arten gefüllte Pfannkuchen), aber auch andere traditionelle russische Speisen und Getränke wie Pelmeni (gekochte und mit Fleisch gefüllte Teigtaschen) oder Kwas (ein aus Brot hergestelltes Getränk) gehören zum Angebot. Bestellt wird wie bei McDonald’s an der Theke. Die Pfannkuchen werden dann frisch vor den Augen des Kunden zubereitet.

Wenngleich die Kette auf traditionelles russisches Essen setzt, lockt sie Kunden mit modernen Marketingstrategien: Während der Masleniza-Woche im Februar dieses Jahres testete Teremok die Zubereitung von Pfannkuchen mit einem 3D-Drucker (Ostexperte.de berichtete).

Die Besucher des Nowopuschkinskij-Parks in Moskau konnten Pfannkuchen mit einer aufgedruckten Figur und Gesichtszügen bestellen. Auch international ist das Unternehmen aktiv. Teremok ist bereits mit zwei Filialen in New York vertreten.

Frühstück bei Teremok

Dem Preis entsprechend werden die Pfannkuchen auf Papptellern serviert. Quelle: Alexey Ivanov, Breakfast in Teremok, Size changed to 1040x585px., CC BY 3.0

Kroschka-Kartoschka – Heiße Ofenkartoffeln

Während Teremok auf Bliny setzt, kann man bei „Kroschka-Kartoschka“ unterschiedlich gefüllte Ofenkartoffeln kosten: Gebacken und in Folie verpackt mit Butter, Käse, Fleisch oder Pilzen. Neben dem Hauptprodukt kann man bei Kroschka-Kartoschka weitere russische Speisen wie Pelmeni oder Borschtsch wählen.

Bestellt wird an der Theke. Im Vergleich zu den meisten Produkten bei McDonald’s, Burger King und Co. stellen Kroschka-Kartoschkas Kartoffeln eine gesunde Fast-Food Variante dar, die auch Vegetariern zusagt.

Neu im Sortiment sind „Light-Kartoffeln“, die eine gesunde und bewusste Ernährung unterstützen sollen. Die Restaurants von Kroschka-Kartoschka und Teremok befinden sich vor allem in großen Shopping-Malls. Neben zahlreichen Filialen in Moskau gibt es bereits Restaurants in Irkutsk und Murmansk.

Kroscha Kartoschka Theke

Die Kette „Kroschka-Kartoschka“ setzt auf gefüllte Ofenkartoffeln.

Café Mu-Mu – Russisches Buffet

Die Restaurantkette „Café Mu-Mu“, die 1999 von A. K. Dellos gegründet wurde und zum Konzern „Maison Dellos“ gehört (zu dem auch das Gourmet-Restaurant Puschkin zählt), bietet traditionelle russische Gerichte an.

Das Prinzip der Restaurants folgt dem „free-flow“. Mit einem Tablett gerüstet wandert der Gast an der Theke entlang und kommt über Salate, Hauptgerichte und Desserts zur Kasse. Die Preise sind günstig und beim Bezahlen erhält jeder Kunde ein Karamellbonbon dazu.

Mittags bietet Café Mu-Mu ein „Business-Lunch“ zum Preis von 275 Rubel (etwa 4 Euro) an. Jeden Tag können die Kunden zwischen zwei Business-Lunch-Menüs wählen: Diese beinhalten stets einen Salat, eine Suppe, ein warmes Gericht und ein Getränk.

Café Mu-Mu Filiale von außen

Eine Café Mu-Mu Restaurant in der Arbatstraße.

Business-Lunch im Café Mu-Mu

Business-Lunch bei Café Mu-Mu inklusive Karamellbonbon.

Zu Stoßzeiten kann man sich bei Café Mu-Mu schon einmal etwas gehetzt fühlen, da alle in der Mittagspause wenig Zeit haben und sich eine lange Warteschlange bildet. Mit vollem Tablett setzt sich der Gast dann in den eher rustikal eingerichteten Speiseraum, das Licht ist gedämmt. Das Essen schmeckt gut, auf die Dauer fehlt wohl ein wenig Abwechslung.

Den Erfolg der Kette erklärt Ekaterina Sojak, Geschäftsführerin des russischen Messetechnologie-Unternehmens EMTG, wie folgt: Die Fast-Food I

dee sei in Russland erst relativ spät aufgekommen – ein schnelles Essen entspreche nicht dem russischen Charakter. Russen wollen nicht nur eine Mahlzeit haben, sondern „sich hinsetzen und sich unterhalten“. Daher seien solche Konzepte wie die der Firma „Café Mu-Mu“ so erfolgreich.

Buffet bei Café Mu-Mu

Mittags kann es vorkommen, dass man bei Café Mu-Mu Schlange stehen muss.

Obwohl das Café Mu-Mu Wert auf russische Tradition legt, geht das Unternehmen mit der Zeit: Mittlerweile kann man Essen per App bestellen und nach Hause liefern lassen.

Jolki-Palki – Speisen in russischer Landhausstimmung

Die Kette „Jolki-Palki“ folgt ebenfalls dem Buffet-Stil, auch wenn das Buffet angesichts der großen Speisesäle eher klein ausfällt. Zur Auswahl gehören auch hier typisch russische Speisen. Die Möbel und Wände im Restaurant sind mit russischen Motiven geschmückt und Bauernhäusern nachempfunden.

Der Landhausstimmung nicht entsprechend befinden sich viele Restaurants in Einkaufszentren und sind vom Lärm anderer Imbisse im Food-Court umgeben.

Eingang zum Restaurant Elki-Palki

Der Eingang zum Jolki-Palki Restaurant im Jewropeski-Einkaufszentrum am Kiewer Bahnhof.

Buffet bei Elki Palki

Blick in den Speisesaal bei Jolki-Palki. Das Buffet ist eher übersichtlich.

Grabli – Gesund und natürlich

Auch bei „Grabli“ gilt das Selbstbedienungsprinzip und so finden sich auch Touristen ohne Russischkenntnisse zurecht. Die Speisen machen hier einen qualitativ hochwertigeren Eindruck als zum Beispiel bei Café Mu-Mu. Laut Firmen-Website setzt sich das Menü aus russischen und europäischen Gerichten zusammen – in einer „Kombination aus Gesundheit, Vorteil und Geschmack“.

Der Kunde kann zwischen Fleisch, Fisch, Diätküche, natürlichen Fruchtsäften und leichten Salaten wählen. Die Küche bei Grabli gibt sich gesund und puristisch. Im Gegensatz zum gedämmten Licht bei Café Mu-Mu sind die Restaurants von Grabli hell und offen gestaltet. Grünpflanzen, die von der Decke herabhängen, tragen zur angenehmen und entspannten Atmosphäre bei.

Grabli-Filiale von außen

Eine Grabli-Filiale in der Pjatnizkaja-Straße.

Ein Tipp anbei: Ab 22 Uhr gibt es bei Grabli 50 Prozent Rabatt auf das Buffet-Angebot.

Speiseraum eines Grabli-Restaurants

Bei Grabli fühlt man sich wohl: Der Speiseraum ist hell und freundlich gestaltet.

Stardogs – Russische Hot-Dogs

In starkem Kontrast zur wohligen Atmosphäre und der gesunden und frischen Auswahl bei Grabli steht die Kette „Stardogs“. Deren Kioske finden sich häufig in der Nähe von Metro-Stationen oder Bahnhöfen. 1992 wurde die Kette vom russischen Geschäftsmann und Importeur von dänischen Fleischprodukten, Sergej Schikarew, gegründet. Die Kette bietet Hot Dogs nach amerikanischem Vorbild an – also gegrillte Würstchen in einem Weizenbrötchen, garniert mit Zwiebeln und Gewürzgurken.

Die Qualität der Hot Dogs sei in Frage gestellt, da manche Würstchen den Eindruck machen, als hätten sie mehrere Stunden auf dem fettigen Grill verbracht. Im Winter gestaltet sich der Verzehr schwierig, da man bei Minustemperaturen nicht mit einem Hot Dog durch die Straßen laufen, sondern sich lieber in einem warmen Speiseraum aufhalten möchte.

Stardogskiosk im Kiewer Bahnhof

Ein Stardogs-Kiosk im Kiewer Bahnhof.

Fazit: Was ist anders an russischem Fast-Food?

Russische Fast-Food-Ketten zeichnen sich durch traditionelle, authentische russische Küche aus. Außerdem scheinen sie mit Ausnahme von Stardogs gesünder als McDonald’s & Co. zu sein. Dennoch sind russische Schnellrestaurants ebenso wie ihre amerikanischen Mitstreiter darum bemüht, innovativ zu sein und die Ausweitung des Geschäfts voranzutreiben.

In einem Interview mit Bloomberg sagte Teremok-Gründer Gontscharow, dass er nach weiteren Ländern für einen Markteintritt suche, inklusive Deutschland, Großbritannien und China. Dies hinge aber vorerst vom Erfolg seiner Kette in den USA ab. Gontscharow stimmt mit Frank Sinatra überein: „Wenn ich’s hier schaffe, dann schaff ich’s überall“.

Vai Me Filiale in der Pjatnizki-Straße

Die Kette „Vai Me“ hat sich auf georgische Küche spezialisiert.

Neuer Trend: „Vai Me“ und georgische Küche

Wirkt traditionelles russisches Essen etwas altbacken, zeichnet sich bereits ein neuer Trend in der russischen Fast-Food-Szene ab: Georgische und usbekische Gerichte, wie Schaschlik, Schawarma oder Chatschapuri (ein überbackenes Käsebrot), sind im Gespräch. Dabei ist dieser Trend eigentlich gar nicht so neu, da die Gerichte bereits zu Sowjet-Zeiten populär waren. Bei der Kette „Vai Me“ wird georgische Küche modern vermarktet.

Wie bei Teremok und Kroschka-Kartoschka wird an der Theke bestellt. Die Gäste müssen dann aber nicht an der Theke auf ihre Bestellung warten, sondern können sich mit einem transportablen Diskus an einen freien Tisch setzen. Der Diskus blinkt und vibriert, sobald das Essen fertig ist und an der Theke abgeholt werden kann.

Vai Me-Filiale in der Pjatnizki-Straße

Blick durch das Fenster einer Vai Me-Filiale in der Pjatnizki-Straße.

Das Essen schmeckt ausgezeichnet und ist günstig: Für ein Chatschapuri zahlt man zwischen 220 und 260 Rubel, was etwa 3,50 Euro entspricht. Bei Vai Me können auch Vegetarier getrost einkehren, da vegetarische und glutenfreie Gerichte zum Menü gehören. Bislang ist die Kette mit fünf Restaurants in Moskau vertreten. Auch Vai Me blickt über die Landesgrenzen hinweg und hat 2015 ein erstes Restaurant in Budapest eröffnet.


Fotoquelle: Brateevsky, Teremok (Moscow, Bratislavskaya metro station, july 2012), Size changed to 1040x585px., CC BY-SA 3.0

Eva Lennartz
Über den Autor

arbeitet seit September 2017 als Online-Redakteurin für die Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau.

Bachelor-Abschluss in „European Studies“ (Maastricht University). Master of Arts in “Global Studies” – Studium in Wien, Santa Barbara (USA) und Wroclaw, Polen.

Großes Interesse an und diverse Auslandsaufenthalte in Osteuropa, unter anderem Tätigkeit als Projektassistentin in der Ostukraine und Praktikum bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Serbien.