Russischer Wirtschaftsminister in Stuttgart: „Wir brauchen Investitionen“

Wirtschaftsminister Uljukajew warb in Stuttgart um Investitionen deutscher Unternehmen in Russland

Der russische Minister für Wirtschaftsentwicklung Alexej Uljukajew hat am gestrigen 31. Mai in Stuttgart deutsche Unternehmer getroffen (Ostexperte.de berichtete im Vorfeld). Insbesondere letztere forderten dabei eine Lockerung der westlichen Sanktionen gegen Russland. Der russische Minister warb für Investitionen in Russland. 

„Wir brauchen Investitionen“, betonte der russische Minister, der am 31. Mai in Begleitung der Gouverneure der Regionen Smolensk (Alexej Ostrowskij), Kaluga (Anatoli Artamonov) und Kaliningrad (Nikolaj Zukanow) in die Hauptstadt Baden-Württembergs gereist war, und rief die deutschen Unternehmen auf, trotz politisch schwieriger Zeiten in Russland zu investieren. „Wenn wir nicht in nächster Zeit das Vertrauen wieder aufbauen, dann riskieren wir, viel zu verlieren“, sagte er weiter.

Klaus Mangold
Klaus Mangold

Der Honorarkonsul der Russischen Föderation in Baden-Württemberg, Klaus Mangold, schätzte am Dienstag in seiner Rede, dass die russische Krise zwar schwer sei, aber vorübergehe. Mit Bezug auf die Sanktionen sagte er: „Es ist Zeit, dass wir über die Sanktionen nachdenken.“ Die Wirtschaft achte zwar das Primat der Politik, die Wirtschaft seien so aber „überproportional zum Leiden gezwungen“. Er sehe zwar einige positive Entwicklungen wie die Reise Junckers zum Petersburger Wirtschaftsforum, aber es sei Zeit, aus der G7 wieder eine G8 mit Russland zu machen.

„Die deutsche Wirtschaft hat sich bei den Investitionen nach Russland antizyklisch verhalten und mehr investiert als andere Länder der EU“, wandte sich Mangold an Uljukajew. Es habe 2015 35 größere deutsche Investitionsprojekte in Russland gegeben, behauptete er.

Auch der Vizepräsident der IHK Stuttgart, Albrecht Kruse sprach sich für eine Lockerung der Russland-Sanktionen aus. Beide Seiten betonten, dass die Sanktionen der Wirtschaft schadeten

Uljukajew wirbt mit Verbesserungen und Teilnahme an Privatisierung

Das Treffen fand bei der IHK Stuttgart statt. Dort gab Uljukajew auch einen hoffnungsvollen Ausblick auf die Erholung der Wirtschaft seines Landes: Es komme langsam aus der schweren Krise, der Rubel werde stärker und Wachstum erwarte er in der zweiten Jahreshälfte 2016.

Auch Verbesserungen, um attraktiver für Investoren zu werden, kündigte er an: Das Land wolle durch Bürokratieabbau – etwa bei den Zollverfahren – durch bessere Infrastruktur und die Privatisierung von Staatsbetrieben attraktiver werden für Investoren. „Auch deutsche Investoren haben alle Möglichkeiten, sich an dem Prozess der Privatisierung zu beteiligen“, sagt Uljukajew gegenüber Deutschen Presse-Agentur. Er lobte zudem, dass die deutschen Unternehmen dem russischen Markt in Krisenzeiten die Treue hielten.

Vor allem Maschinenbauer und die Automobilindustrie aus Baden-Württemberg interessieren sich weiter für den russischen Markt. Uljukajew stattete bei seinem Aufenthalt auch dem Autobauer Mercedes-Benz einen Besuch ab. Gegenüber dem russischen Fernsehsender NTV erwähnte Uljukajew die Verhandlungen mit Mercedes-Benz über den Aufbau einer Produktion von Fahrzeugen in Russland. Bislang produziert Mercedes nur Lieferwagen in Russland – in einem Joint Venture mit Kamaz.

Mit Blick auf die Sanktionen stellte Uljukajew eine Rücknahme der russischen Gegensanktionen in Aussicht, wenn die EU ihrerseits die Sanktionen zurückfahre. „Wenn unsere europäischen Kollegen im Juni bezüglich des zweiten Halbjahres eine solche Entscheidung treffen, werden wir ihnen entgegenkommen“, sagte der Minister in Stuttgart.

Handel Baden-Württembergs mit Russland geht weiter zurück

Auch Zahlen für den Handel zwischen Deutschland und Russland hatte Uljukajew im Gepäck: 2015 sei er im Vergleich zum Vorjahr um 34,7 Prozent eingebrochen. Er lag demnach noch bei 45,8 Milliarden US-Dollar (rund 41 Milliarden Euro).

Im Ranking der baden-württembergischen Exportmärkte sackte Russland von Platz 10 im Rekordjahr 2012 auf Rang 18 im vergangenen Jahr ab, teilte die IHK Stuttgart mit. Im Januar und Februar 2016 ging der Handel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 12,7 Prozent zurück, also von 437,5 Millionen Euro auf 381,8 Millionen Euro.

Seit 2012 sei der Handel Russlands mit dem Bundesland um 40 Prozent zurückgegangen, sagte Mangold zudem in seiner Rede.

RT ruptly hat ein Video Veranstaltung der veröffentlicht:

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Titelbild: Flickr-User World Trade Organization (CC BY-SA 2.0)

Klaus Mangold: Ralf Roletschek [GFDL  or CC BY 3.0 ], via Wikimedia Commons[/su_spoiler]