Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Klaus DormannVon

Optimistischer Wirtschaftsminister sieht 2 Prozent Wachstum

Wirtschaftsminister Oreschkin hat bereits seit Wochen verlauten lassen, er halte in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2 Prozent für möglich, obwohl fast alle anderen Experten mit einer deutlich schwächeren Erholung rechnen.

Von seiner optimistischen Einschätzung ließ er sich auch nicht durch die Zentralbank abbringen, die vor zwei Wochen prognostizierte, die russische Wirtschaft werde 2017 um 1 bis höchstens 1,5 Prozent wachsen. Am Donnerstag legte Oreschkin detaillierte neue Szenarien vor.

Prognose im Basisszenario von 0,6 Prozent auf 2 Prozent angehoben

Im Herbst 2016 war das Wirtschaftsministerium im Basisszenario für die Haushaltsplanung noch sehr vorsichtig davon ausgegangen, dass 2017 bei einem Ölpreis von 40 Dollar/Barrel das Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktion nur 0,6 Prozent erreichen werde.

Jetzt nimmt es an, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 2 Prozent wächst. Der Ölpreis werde zwar bis zum Jahresende 2017 voraussichtlich auf 40 Dollar sinken. Im Jahresdurchschnitt werde er aber 45,6 Dollar betragen. Als Erklärung für die deutliche Anhebung der Prognose dürfte das den meisten Beobachtern aber kaum ausreichen.

Basis-Szenario des Wirtschaftsministeriums 2016 bis 2020

 20162017201820192020
Ölpreis Urals, $/barrel41,745,640,841,642,4
Rubel/Dollar (Jahresdurchschnitt)66,964,269,871,272,7
Bruttoinlandsprodukt, real -0,2+2,0+1,51,51,5
Industrieproduktion+1,3+2,0+2,1+2,1+2,0
Investitionen-0,9+2,0+2,2+2,0+2,1
Arbeitslosenquote in % (Jahresende)5,55,25,04,94,9
Real verfügbare Einkommen-5,9+1,0+1,5+1,2+1,1
Reallöhne+0,7+1,3+2,7+1,3+1,3
Einzelhandelsumsatz, real-5,2+1,9+2,6+2,5+2,4
Verbraucherpreise (Dez./Dez.)+5,4+3,8+4,0+4,0+4,0

Quellen: Russisches Wirtschaftsministerium: Prognose der sozioökonomischen Entwicklung bis 2020; Präsentation von Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin am 06.04.2017: Video (26 Min.) + Charts

Das Wirtschaftsministerium geht davon aus, dass 2017 die Investitionen mit einem Zuwachs um 2 Prozent zur Wachstumsstütze werden (2016 sind sie noch um fast ein Prozent gesunken). Auch die Industrieproduktion werde um 2 Prozent steigen.

Im Jahresergebnis dürfte der Aufschwung allmählich sogar bei den Verbrauchern ankommen. Die stark gesunkenen real verfügbaren Einkommen sollen um 1 Prozent steigen. Der Einzelhandelsumsatz, der 2016 noch um real rund 5 Prozent geschrumpft ist, werde sich um knapp 2 Prozent erholen.

Weitere Wachstumsbeschleunigung nur bei umfassenden Reformen

Auch in den folgenden drei Jahren 2018 bis 2020 geht das Ministerium von anhaltend niedrigen Ölpreisen aus. Das Wachstumstempo werde dann im Basisszenario allerdings wieder sinken und bei 1,5 Prozent stagnieren.

Nur wenn umfassende Wirtschaftsreformen vorgenommen würden – wie sie das Ministerium im „Ziel-Szenario“ annimmt – könne sich das Wachstum weiter beschleunigen. Oreschkin rechnet mit diesen Reformen, sagte er bei der Vorstellung der Szenarien. Das Wachstum werde zwar auch im „Ziel-Szenario“ 2018 etwas abflauen (von 2 auf 1,7 Prozent). 2019 könne es sich dank entsprechender Reformen aber auf 2,5 Prozent beschleunigen und 2020 sogar auf 3,1 Prozent steigen. Damit wäre es dann wie von Präsident Putin gefordert etwa so stark wie das Wachstum der Weltwirtschaft.

Wachstumstreiber sollen im Ziel-Szenario die Investitionen sein: Während ihr jährlicher Anstieg im Basisszenario bei rund 2 Prozent stagniert, soll er sich im Ziel-Szenario 2018 auf fast 4 Prozent verdoppeln, 2019 fast 7 Prozent und 2020 sogar knapp 10 Prozent erreichen.

Andere Beobachter erwarten 2017 deutlich schwächeres Wachstum

Die neue Wachstumsprognose von 2 Prozent im Jahr 2017 liegt am oberen Rand des Prognosespektrums. Bei der jüngsten Economist-Umfrage erwarteten die Analysten im Durchschnitt für 2017 nur 1,4 Prozent Wachstum.

Für 2018 entspricht die Prognose im Basisszenario des Wirtschaftsministeriums aber weitgehend dem Durchschnitt der Erwartungen.

Wachstumsprognosen 2016 bis 2018 im Vergleich

Schätzung des Bruttoinlandsprodukts, real gegenüber dem Vorjahr, angegeben in Prozent (Stand: 08. April 2017)
InstitutDatum201620172018
Commerzbank, Frankfurt2017/04/07-0,21,32,0
Economist-Umfrage2017/04/071,41,7
Wirtschaftsministerium,
Basis-Szenario
2016/04/06-0,2 (41,7 $/b)2,0 (45,6 $/b)1,5 (40.8 $/b)
Fitch Ratings2017/03/31-0,21,42,2
Deka Bank, Frankfurt2017/03/31-0,21,21,4
Berenberg Bank, Hamburg2017/03/31-0,31,72,1
Danske Bank2017/03/31-0,21,21,4
BOFIT, Bank of Finland2017/03/30-0,21,51,5
ACRA Rating Agency2017/03/28- 0,20,50,6
Raiffeisen Bank International, Wien2017/03/27-0,21,01,5
Konsensus (laut RBI Wien)2017/03/27-0,21,01,5
Russische Zentralbank,
Basis-Szenario
2016/03/24-0,2 (42 $/b)1,0 bis 1,5 (50 $/b)1,0 bis 1,5 (40 $/b)

Quellen zur aktuellen Konjunkturentwicklung

Vestifinance: Neue Prognose des Wirtschaftsministeriums; 06.04.2017; TASS-Bericht, 06.04.2017

Anton Feinberg: Economic Development Ministry predicted economic slowdown without reforms; rbc.ru, 06.04.2017

Ullrich Umann (GTAI): Produktmärkte in der RF: Staatlich unterstützte Branchen wachsen; 05.04.17

Moscow Times: It’s Official: Russia’s Recession Is Over (Thanks to Some Creative Statistics); 04.04.

Leonid Bershidsky: Putin Is Up, But Russians Are Feeling Down; Bloomberg, 03.04.2017

Olga Kuvshinonva: Rosstat has fixed the end oft the recession; Vedomosti, 02.04.2017

AFP: Russia sees first growth in two years as economy stabilises; 31.03.2017

Rosstat: Bruttoinlandsprodukt nach Verwendungsbereichen 2012-2016; Excel-Tabelle, 31.03.2017

Stephan (Deka): Russland: Niedrige Inflation & stabiler Rubel überzeugen CBR zu senken; 31.03.

Fitch Ratings: Russia: Fitch Affirms Russia at ‚BBB-‚; Outlook Stable; 31.03.2017

Danske Bank: Emerging Markets Briefer: Russia – cautious optimism; 31.03.2017

Olga Tanas: Russian Economy Crawled to Growth With Recession in Rearview; Bloomberg, 31.03.17

BOFIT: BOFIT forecast sees Russian economy returning to growth; BOFIT Weekly, 31.03.2017

BOFIT: BOFIT Forecast for Russia 2017–2019; 30.03.2017

ACRA-Ratings: Russian Economy: Recession Knocked Out. What Next? 28.03.2017

Vestifinance: ACRA: Russia’s GDP will not grow more than 1-1.5% per year; 28.03.2017

Raiffeisenbank International: Strategie Österreich & CEE 2.Quartal 2017; 27.03.2017

Russische Zentralbank: The Bank of Russia decided to reduce the key rate from 10.00 to 9.75% p.a.; Monetary Policy Report No. 1 (17) March 2017 (summary); Volltext (russisch); 24.03.2017

Eugen von Arb: Russische Wirtschaft 2017: Stabilität, Verstaatlichung, Monopolisierung;
Gespräch mit Daniel Rehmann (russiacontact.ch); SPB Herold, 19.03.2017

Andrianova: Russia on Cusp of Exiting Junk as S&P Outlook Goes Positive; Bloomberg, 17.03.17

Standard & Poor’s: Outlook On Russia Revised To Positive On Improving Growth Prospects

Titelbild

Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin. Quelle: Kremlin.ru

Klaus Dormann
Über den Autor

war von 1980 bis 2015 Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Ruhrgas AG und der E.ON SE.