Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Die finanzielle Lage der Fluggesellschaften in Russland verschlechtert sich weiter. Laut der Assoziation der russischen Luftfahrtunternehmen (AEWT) machten sie im ersten Quartal 2016 einen operativen Verlust von 24 Milliarden Rubel (rund 340 Millionen Euro). Im Vorjahr lag der Verlust noch bei 16 Milliarden Rubel, berichtet der Kommersant.

Für die Einbußen sind vor allem die Inlandsflüge verantwortlich. 25,6 Milliarden Rubel Verlust wurde hier im 1. Vierteljahr gemacht. Mit Auslandsflügen konnte hingegen ein Gewinn von 1,5 Milliarden Rubel erzielt werden.

Für das gesamte Jahr 2015 belief sich der operative Verlust der 112 Fluglinien aus dem Passagierverkehr auf 8,5 Milliarden Rubel.

Wiederaufnahme der Türkei-Flüge kann negativen Trend nicht aufhalten

Auch sonst sind die Zeichen nicht die besten: Im Juni fiel der Passagierverkehr um 14,4 Prozent auf 1,3 Millionen Passagiere. Parallel dazu stiegen die Ausgaben im 1. Quartal um 15 Prozent (besonders die Kosten für Leasing, Reparaturen und Wartung). Tariferhöhungen an Moskauer Flughäfen sorgen für zusätzlichen Druck.

All das könne auch die Wiederaufnahme der Flüge in die Türkei nicht ausgleichen, schätzt Wladimir Tasun vom AEWT. Bei der aktuellen Wirtschaftslage würde selbst ein minimales Anheben der Ticketpreise nur zu einer Verschlechterung der Situation führen.

Vorschlag: Mehrwertsteuer für Inlandsflüge streichen

Im Juni hatte der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow zur Entlastung der russischen Airlines vorgeschlagen, die Mehrwertsteuer für Inlandspassagierflüge zu streichen (sie ist bereits von Juli 2015 bis Ende 2017 auf 10 Prozent reduziert). Das Wirtschaftsministerium äußerte sich dazu allerdings in der vergangenen Woche kritisch: Eine Null-Mehrwertsteuer garantiere keine niedrigeren Ticketpreise und steigende Nachfrage.

Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es weiter, die Unternehmen sollten vielmehr eigene Maßnahmen zur finanzielle Erholung ergreifen: etwa das Streckennetz optimieren.

Der Luftfahrtunternehmer-Verband AEWT sieht die Regierung unter Zugzwang, etwas zu tun – etwa in Form von Steuererleichterungen. Gebe es keine Regierungsmaßnahmen, so müssten sich die Fluggesellschaften sich besser koordinieren, überschüssige Frachtkapazität reduzieren und die Ticketpreise erhöhen, schlagen Experten vor.

Titelbild

Quelle: Pixabay.com

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.