Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Russische Zentralbank: Inflationsrisiko weiter zu hoch. Leitzins bleibt bei 11 Prozent

Obwohl die russische Zentralbank heute von positiven Fortschritten bei der Inflationsentwicklung und dem Beginn der Erholung der russischen Wirtschaft sprach, behielt sie den Leitzins von 11 Prozent bei. Die Inflationsrisiken seien weiterhin zu hoch. Seit August 2015 ist der Leitzins nun bereits auf diesem Niveau. Vor der Entscheidung hatte sich unter anderem das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung für eine Senkung ausgesprochen. Diese sei mit der zuletzt deutlich zurückgegangen Inflation möglich.

In der heutigen Erklärung der Zentralbank hieß es:

„Am 29. April 2016 hat sich der Aufsichtsrat der Zentralbank der Russischen Föderation entschieden, den Leitzins bei 11,00 Prozent pro Jahr beizubehalten. Der Aufsichtsrat sieht die positiven Fortschritte einer verlangsamten Inflation einer niedrigeren Inflationserwartung sowie einen Wandel in der Wirtschaft, die eine Rückkehr zu Wachstum erwarten lässt. Gleichzeitig bleiben die Inflationsrisiken hoch. Diese Risiken stammen vor allem von den nur langsam sinkenden Inflationserwartungen, Unsicherheit in Hinblick auf den Staatshaushalt und eine Mehrdeutigkeit bei der Bewegung der Nominallöhne.

Sollten die Inflationsrisiken in Zukunft so stark fallen, dass die Zentralbank mit größerer Sicherheit ihre Inflationsziele erreicht, wird die russische Zentralbank ihren Leitzinssatz bei einer der zukünftigen Aufsichtsratssitzungen schrittweise senken. Die Zentralbank der Russischen Föderation prognostiziert entsprechend der Entscheidung, dass die jährliche Inflationsrate im April 2017 bei rund fünf Prozent stehen wird und das Vier-Prozent-Ziel Ende 2017 erreicht.“

Zeitlich begrenzte Faktoren senkten die Inflation am meisten

Die Zentralbank stellte im Detail fest, dass die Inflation zwar merklich gesunken sei, das langsamere Wachstum der Konsumentenpreise aber durch eine schwache Nachfrage, durch stetig sinkende Inflationserwartungen und auch durch die strenge Geldpolitik der Zentralbank ausgelöst werde. Gerade die Faktoren, die wahrscheinlich nur eine temporäre Wirkung hätten, trügen erheblich zur Inflationsreduktion bei. Darunter sei zum Beispiel die Anpassung, der Löhne, Renten und Tarife durch die russische Regierung sowie global sinkende Lebensmittelpreise.

Am 25. April habe die Inflation wie auch bereits im März bei 7,3 Prozent gelegen. Mitte April werde sie aufgrund des niedrigen Basiseffekts voraussichtlich wieder kurzzeitig ansteigen, darüber hinaus aber sinken.

Weniger anfällige Wirtschaft, Importsubstitution wirkt sich positiv aus

Die russische Wirtschaft sei resistenter gegenüber den schwankende Ölpreisen geworden, stellte die Währungshüterin weiter fest. Die Entwicklung der Importsubstitution und die Ausweitung von Nicht-Rohstoff-Exporten trügen positiv zur Dynamik der Industrieproduktion bei. Kapazitäten würden besser genutzt. Quartalsmäßig betrachtet schätzt die Zentralbank, dass positives BIP-Wachstum zwischen der zweiten Jahreshälfte 2016 und Anfang 2017 erreicht wird.

„Zinsen sinken auch ohne Leitzins-Änderung“

Auch auf die Beschwerden seitens der Wirtschaft, die Zinsen seien zu hoch, reagierte die Bank. Die Zinsen sänken auch ohne eine Änderung des Leitzinses, erläutere sie. Das sei wesentlich auf die geplanten Ausgaben aus dem Reservefonds zur Finanzierung des Haushaltsdefizits zurückzuführen.

Inflationsrisiken seien überdies, dass es keine mittelfristige Strategie einer Haushaltskonsolidierung gebe und dass weiterhin eine Überversorgung auf dem Öl-Markt herrsche, die Druck auf den Rubel-Wechselkurs ausübe.

Die nächste Entscheidung der Zentralbank steht für den 10. Juni 2016 an und wird um 13:30 Uhr Moskauer Zeit veröffentlicht. 

Titelbild

Quellen: By Kuba [CC BY 3.0 ], via Wikimedia Commons

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.