Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Klaus DormannVon

Russische Zentralbank erhöht Leitzins „vorsorglich“ auf 7,75 Prozent

In der vergangenen Woche erhöhte die russische Zentralbank den Leitzins. Laut der russischen Zentralbankchefin Nabiullina ist der befürchtete Anstieg der Inflationsrate ein wichtiger Grund für die Erhöhung. Die Inflationsrate soll auf bis zu 6 Prozent klettern.

Am 14. Dezember hob Russlands Zentralbank den Leitzins für viele Beobachter überraschend weiter auf 7,75 Prozent an. Im September hatte sie ihn bereits auf 7,5 Prozent erhöht.

Die Zentralbank erklärte dazu unter anderem:

  • Die Entscheidung zielt auf eine vorsorgliche Eingrenzung der Inflationsrisiken.
  • Es besteht weiterhin Unsicherheit, wie sich die außenwirtschaftlichen Bedingungen entwickeln werden.
  • Unsicher ist auch wie Preise und Inflationserwartungen auf die bevorstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer reagieren werden.

Der Verbraucherpreisanstieg beschleunigt sich Ende 2018 auf rund 4 Prozent

Der Anstieg der Verbraucherpreise zog bereits im Vorfeld der für den Jahresbeginn beschlossenen Erhöhung der Mehrwertsteuer im November gegenüber dem Vorjahresmonat von 3,5 Prozent auf 3,8 Prozent an.

Ursache für die höhere Inflationsrate war nach Einschätzung der Zentralbank vor allem der raschere Anstieg der Lebensmittelpreise, der von 2,7 auf 3,5 Prozent anzog.

 

Chart: Likka Korhonen (Bank of Finland, BOFIT): Russia November inflation 3.8 %;
Twitter, 07.12.2018; Rosstat: Verbraucherpreise im November 2018; 06.12.2018

In den ersten elf Monaten 2018 waren die Verbraucherpreise 2,7 Prozent höher als im Zeitraum Januar bis November 2017. Die Zentralbank erwartet, dass der Preisanstieg im Jahresdurchschnitt 2018 voraussichtlich 2,9 bis 3,1 Prozent beträgt.

Von Anfang Dezember bis zum 10. Dezember erreichte die Inflationsrate im Vorjahresvergleich nach Schätzungen der Zentralbank 3,9 Prozent. Die Zentralbank erwartet, dass der Preisanstieg am Jahresende 2018 im Vorjahresvergleich bei 3,9 bis 4,2 Prozent liegen wird.

Präsidentin Nabiullina sagte in der Pressekonferenz zur Leitzinsentscheidung, die Inflationsrate könnte nach der Anhebung des allgemeinen Satzes der Mehrwertsteuer von 18 auf 20 Prozent zum Jahresbeginn im März oder April 2019 bis auf 6 Prozent steigen.

Erfolgreiche Inflationsbekämpfung nach Freigabe des Wechselkurses

Zuletzt hatte die Notenbank den Leitzins (grüne Linie in der folgenden Abbildung) Mitte September erhöht. Dies war die erste Zinserhöhung seit Ende 2014 gewesen.

Damals hatte die Zentralbank Interventionskäufe am Devisenmarkt zur Stützung des Rubelkurses, der nach der Verhängung von Sanktionen gegen Russland unter Druck geraten war, aufgegeben. Die folgende drastische Abwertung des Rubels ließ die Einfuhrpreise nach oben schnellen und die Inflationsrate (violette Linie in der folgenden Abbildung) im Jahresdurchschnitt 2015 auf 15,5 Prozent steigen.

Innerhalb von zwei Jahren gelang es der Zentralbank, die Inflationsrate unter ihr Inflationsziel von 4 Prozent zu drücken. 2017 stiegen die Verbraucherpreise im Jahresdurchschnitt nur noch um 3,6 Prozent. Im Dezember 2017 waren die Preise sogar nur 2,5 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Experten: Leitzinserhöhung soll Rubel stabilisieren

Die russische Notenbank teilte am Freitag auch mit, dass sie ab dem 15. Januar im Auftrag des Finanzministeriums entsprechend der „Budget-Regel“ wieder regelmäßig Fremdwährungen kaufen wird. Deviseneinnahmen, die sich daraus ergeben, dass die Ölpreise höher als 40 Dollar/Barrel (in Preisen von 2017) sind, sollen so nicht nachfragewirksam werden und nicht die Preise treiben.

Allerdings wird sich aus den Devisenkäufen ein Abwertungsdruck auf den Rubel ergeben. Sie waren seit August vorübergehend eingestellt worden, um den Rubel, der ohnehin insbesondere unter dem Einfluss der Sanktionen abwertete, zu stabilisieren.

Finanzmarktexperten meinen, dass die Zentralbank mit der Leitzinserhöhung einem etwaigen Druck auf den Rubelkurs durch die erneute Aufnahme von Devisenkäufen entgegenwirken will. Tatiana Evdokimova, Chef-Volkwirtin für Russland der Nordea Bank sagte: „Die Leitzinserhöhung soll mögliche negative Effekte einer erneuten Aufnahme von Devisenkäufen begrenzen.“ Weitere Leitzinserhöhungen werden nach Meinung der Analystin stark davon abhängen, wie sich die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf die Inflationserwartungen auswirken wird. Das berichtet die „Moscow Times“.

Einige Beobachter sehen in der Zinserhöhung auch eine Reaktion auf die Leitzinsanhebungen in den USA. Dort wird von vielen noch in dieser Woche die nächste Zinserhöhung erwartet.

Quellen und Lesetipps:
Russische Zentralbank zu Konjunktur und Geldpolitik;


Presseberichte zur Geldpolitik:

Leitzinserhöhung auf 7,75 Prozent am 14.12.2018

Sonstige Berichte zu Geldpolitik und Konjunktur

Fotoquelle

Titelbild: ID1974 / shutterstock.com

Klaus Dormann
Über den Autor

war von 1980 bis 2015 Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Ruhrgas AG und der E.ON SE.