Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

Anzeige
Rufil Russia Consulting

Christopher BraemerVon

Russische Zentralbank straft vier Banken auf einmal

Die russische Zentralbank entzog gleich vier Banken auf einmal die Lizenz. Dies meldete das höchste Kreditinstitut des Landes am Freitag per Pressemitteilung auf seiner Website.

Auf der schwarzen Liste stehen mit Tatfondbank, Ankor Bank und Intechbank gleich drei Banken aus Kasan, der Hauptstadt der Republik Tatarstan. Zudem wurde der Moskauer Bank „Meschregionalni Potschtowi Bank“ der Geldhahn zugedreht.

Verstöße gegen Bankenrecht und Zentralbank-Empfehlungen

Gründe für die Maßnahme waren laut Zentralbank mehrfache Verstöße gegen das Bankenrecht sowie Empfehlungen der Zentralbank. Dem höchsten Kreditinstitut des Landes zufolge habe die Geschäftsführung der Tatfondbank Risiken unterschätzt.

Nach Informationen der Zentralbank habe die Gesellschaft daraufhin ihr vollständiges Kapital verloren. Das Kasaner Kreditinstitut gehörte bis dahin zu den landesweiten Top 50.

Tatfondbank: Zentralbank forderte 23,5 Milliarden Rubel Reserven

Die Regierung der Republik Tatarstan rechnete bis zuletzt mit einer Erholung der Tatfondbank. Nach einer im Vorfeld angekündigten staatlichen Inspektion des Kreditinstituts vom 25. April bis zum 21. Juli 2016 wurde die Bank dazu aufgefordert, Reserven in Höhe von 23,5 Milliarden Rubel (umgerechnet rund 392 Millionen Euro) zu bilden.

Dies berichtet das Wirtschaftsblatt Wedomosti. Anschließend wurde der Bank für ein halbes Jahr verboten, neue Konten zu eröffnen – und somit neues Kapital von Privatpersonen sowie Unternehmen zu generieren.

Rettungsaktion knapp gescheitert

Mithilfe der Regierung Tatarstans konnte die Tatfondbank bis Ende 2016 knapp 20 Milliarden Rubel (umgerechnet rund 333 Millionen Euro) Reserven generieren. Entgegen den Erwartungen der Regionalverwaltung Tatarstans, gleichzeitig 40-prozentiger Anteilseigner, musste die Geschäftsführung der Tatfondbank letztlich die Lizenzentzug-Entscheidung der Zentralbank annehmen.

„Die Informationen über die Forderungen der Zentralbank über die Reserven in Höhe von 23,5 Millionen Rubel waren nicht öffentlich“, erklärte Moody’s-Analytikerin Maria Maljukowa gegenüber Wedomosti.

Intechbank wird Forderungen der Zentralbank nicht gerecht

Die Intechbank hatte seit dem 19. Dezember 2016 erhebliche Zahlungsprobleme, heißt es in einer weiteren Pressemitteilung der Zentralbank. Daraufhin gewährte die Zentralbank einen Aufschub der Zahlungsfrist, um die Forderungen der Darlehensgeber zu erfüllen. Letztendlich konnten die Forderungen der Zentralbank nicht erfüllt werden.

Titelbild

Quelle: Ludvig14, Moscow RussiaCentralBank M00, Size changed to 1040x585px., CC BY-SA 4.0 

Christopher Braemer
Über den Autor

ist Wirtschaftsredakteur der Moskauer Deutschen Zeitung.

Zuvor arbeitete er u.a. als freier Journalist für Nordkurier und Mitteldeutsche Zeitung. Er studierte Politik und Wirtschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie Osteuropastudien in Bologna und Sankt Petersburg.