Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Simon SchüttVon

Russische Milchproduzenten wehren sich gegen Vorwürfe, die Milch mit Seife, Kreide oder Gips zu panschen

Die russischen Milchproduzenten stehen unter Druck, nachdem die Verbraucherschutzbehörde Rosselchosnadsor am 20. Juni die Industrie beschuldigt hatte, der Milch billige „Zutaten“ hinzuzufügen, um Kosten zu sparen. Zu den Vorwürfen gehörten etwa, dass die Milch mit Seife, Kreide, Soda, Kalk oder sogar Gips gepanscht werde. Unappetitlich.

Genauso unappetitlich finden nun die Milchhersteller die Anschuldigungen. Sie bezeichneten sie gestern als „unprofessionell und haltungslos“ und forderten eine Untersuchung. Diese Anfrage sendete Andrej Danilenko, der Chef des Verbands der russischen Milchproduzenten an den stellvertretenden Premierminister Arkady Dworkowitsch und und den Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow.

Der Verband repräsentiert nach eigenen Angaben rund 70 Prozent der Industrie. Man sei „außer sich über solche öffentliche Aussagen“. Sie seien nicht nur „nicht durch Untersuchungen bestätigt, sondern widersprechen auch dem gesunden Menschenverstand“, sagte Danilenko in einer Mitteilung des Verbands.

Die Anschuldigungen schädigten den Ruf russischer Milchprodukte und führten zu einem geringeren Konsum der hochqualitativen russischen Produkte, ergänzte er.

Website mit „ehrlichen Produzenten“ veröffentlicht

In einer Erklärung hatte Rosselchosnadsor behauptet, dass sowohl große als auch kleine Milchproduzenten diese Praxis verfolgten. Jedoch weigerte sich die Behörde unter Berufung auf rechtliche Bedenken, die Produzenten zu nennen.

Stattdessen listete sie auf einer Website 51 „ehrliche Produzenten“ (mit keinen oder nur wenigen Verstößen) auf. Auch der französische Konzern Danone gehört dazu.

Derartige Probleme mit russischen Behörden sind nicht neu

Ein solches Vorgehen russischer Verbraucher- oder Gesundheitsschutzbehörden wie Rosselchosnadsor oder Rospotrebnadsor ist nicht neu. Es ist nicht das erste Mal, dass sie russischen oder ausländischen Unternehmen große Schwierigkeiten bereiten, ohne ihnen die Möglichkeit einzuräumen, auf konkrete Vorwürfe zu reagieren oder diese zu widerlegen. Davon betroffen war im vergangenen Sommer etwa der deutsche Waschmittelhersteller Henkel und zuvor MediaMarkt.

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.