Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Klaus DormannVon

Was die russische Zentralbank und deutsche Institute für Russlands Wirtschaft erwarten

Bereits am Freitag berichtete Ostexperte.de über die Entscheidung der russischen Zentralbank, den Leitzins bei 11 Prozent zu belassen. Die Bank äußerte sich in ihrem neuen „Monetary Policy Report“ auch zu den Perspektiven der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Russland bis 2018. Wir haben diese Prognose und die kürzlich ebenfalls veröffentlichen Einschätzungen deutscher Institute für Sie zusammengefasst. 

Von Klaus Dormann


Die Ölpreisentwicklung beurteilt die russische Zentralbank trotz der jüngsten kräftigen Erholung sehr vorsichtig. Ging sie im letzten Bericht zur Geldpolitik im Dezember im Basisszenario für 2016 noch von einem Ölpreis von 50 Dollar pro Barrel aus, hält sie jetzt nur noch 30 Dollar pro Barrel für wahrscheinlich. Bis 2018 rechnet sie auch nur mit einer langsamen Verteuerung von Öl (2017: 35 Dollar; 2018: 40 Dollar).

Bericht der Zentralbank der RF von März 2016

Bericht der Zentralbank der RF von März 2016. Klicken Sie hier, um zum Bericht als Pdf-Datei zu gelangen.

Bei diesen Ölpreisen erwartet sie eine schwächere Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktion als im Dezember-Bericht. Im laufenden Jahr werde die Rezession anhalten (-1,3 bis -1,5 Prozent). 2017 sei annähernd Stagnation zu erwarten (- 0,5 bis + 0,5 Prozent). Erst 2018 könne mit einem relativ schwachen Wachstum gerechnet werden (1,5 bis 2,0 Prozent), schätzt die Zentralbank.

Wie deutsche Experten die konjunkturelle Entwicklung in Russland sehen

Doch wie sehen im Vergleich dazu deutsche Experten die konjunkturelle Entwicklung in Russland? Nur zwei Tage vor der Zentralbank veröffentlichten gleich drei Institute neue Prognosen: Das Berliner Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Essener Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Am 10. März hatte bereits das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) neue Prognosen vorgelegt (unten finden Sie eine Übersicht der aktuellen Schätzungen der verschiedenen Stellen).

Die Institute äußerten sich auch zu den Perspektiven der russischen Wirtschaft. Wie alle anderen Beobachter rechnen sie 2016 zwar angesichts der gesunkenen Ölpreise mit einem Anhalten der Rezession in Russland. Wie stark der weitere Rückgang sein wird, beurteilen sie aber sehr unterschiedlich. Während das DIW erwartet, dass sich die Rezession von 3,7 Prozent auf nur noch 0,6 Prozent abschwächt, prognostiziert das Kieler IfW ein weiteres deutliches Schrumpfen um zwei Prozent.

Die Konjunkturforscher in Halle halten sich in der Mitte und rechnen wie die russische Zentralbank 2016 mit einer Abnahme um 1,4 Prozent. Das erwarteten auch Bank-Analysten bei einer Reuters-Umfrage Anfang März.

Wachstumsperspektiven für die deutsche Wirtschaft im Vergleich

Hinsichtlich der Wachstumsperspektiven für die deutsche Wirtschaft sind sich die Institute in Berlin, Halle und Essen hingegen ziemlich einig: Der reale Anstieg des Bruttoinlandsprodukts, der im letzten Jahr 1,7 Prozent erreichte, wird 2016 etwas niedriger ausfallen (DIW: + 1,6 Prozent; IWH: + 1,5 Prozent; RWI: + 1,4 Prozent). 2017 rechnen die drei Institute im Durchschnitt erneut mit einem Wachstum um 1,5 Prozent (DIW: + 1,5 Prozent; IWH: + 1,4 Prozent; RWI: + 1,6 Prozent). Deutlich optimistischer zeigt sich das Kieler Institut. Es erwartet in diesem Jahr eine Beschleunigung des Wachstums in Deutschland. Es soll auf 2,0 Prozent anziehen. 2017 halten die Kieler sogar 2,2 Prozent für möglich.

Welche Prognosen außerdem bald veröffentlicht werden:

  • Prognose des russischen Wirtschaftsministeriums
  • Russia Economic Report der Weltbank
  • „Gemeinschaftsdiagnose“ der Konjunkturforscher

Prognosen und Szenarien werden in den nächsten Wochen weiterhin Konjunktur haben. Bald dürfte das russische Wirtschaftsministerium nach Abstimmung mit anderen Ministerien seine Prognosen veröffentlichen. Um die Monatswende ist der „Russia Economic Report“ der Weltbank zu erwarten. Am 14. April wird die „Gemeinschaftsdiagnose“ der Konjunkturforscher vorgelegt.


In dieser Tabelle haben wir noch einmal die Vorhersagen der verschiedenen Stellen und Institute für Sie zusammengefasst:

Prognosen russische Wirtschaft

Das sind die Prognosen der verschiedenen Institute für die russische Wirtschaft. Stand: 18. März 2016.

Klaus Dormann
Über den Autor

war von 1980 bis 2015 Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Ruhrgas AG und der E.ON SE.