Patrick VolknantVon

Russland: So konkurriert Rosneft mit Gazprom

Obwohl die beiden Energiekonzerne Rosneft und Gazprom vom russischen Staat kontrolliert werden, treten sie zunehmend in gegenseitige Konkurrenz. Wie die Deutsche Welle berichtet, ist das russische Gasgeschäft im Begriff, sich nachhaltig zu verändern.

Der mehrheitlich vom russischen Staat kontrollierte Energiegigant Rosneft, dessen Aufsichtsratschef Gerhard Schröder ist, gilt mit mehr als 106.000 Mitarbeitern als größter Mineralölkonzern Russlands. Unternehmenschef Igor Setschin, der mit Präsident Wladmir Putin befreundet ist, macht einem anderen Ziehkind der russischen Regierung zunehmend Konkurrenz – nämlich Gazprom. Der von CEO Alexej Miller geleitete Energiekonzern ist hauptsächlich für den Export russischen Erdgases sowie das Pipelinegeschäft nach Westeuropa zuständig. Dem Unternehmen fällt auch die umstrittene Konstruktion der geplanten Ostseeverbindung Nord Stream 2 zu, mit der eine weitere Versorgungslinie nach Deutschland geschaffen werden soll.

LNG-Technologie öffnet Rosneft die Tür

Bei Verhandlungen mit Ghana und den Kurden im Irak wurde Gazprom zuletzt jedoch der Rang abgelaufen. Rosneft unterzeichnete milliardenschwere Verträge, die laut russischen Medien zuvor eigentlich Gazprom angeboten wurden. Auch in Nordafrika, Brasilien sowie dem krisengeplagten Venezuela ist Rosneft inzwischen präsent. Wie Rustam Tankajew vom russischen Verband der Öl- und Gasproduzenten gegenüber der Deutschen Welle behauptet, fallen diese Erfolge nicht vom Himmel. „Im vergangenen Jahr zeichnete die Regierung in Hanoi die Firma sogar aus, denn bei der Gasgewinnung ist es nie zu einer Havarie gekommen“, erklärt der Experte mit Blick auf Rosneft. Der Konzern habe sich in der letzten Zeit professionalisiert. Zudem locke Rosneft erfahrene Gazprom-Mitarbeiter zu sich – teilweise mit besserem Gehalt.

Erschwerend kommt für Gazprom hinzu, dass das globale Gasgeschäft im Wandel begriffen und nicht länger ausschließlich auf den Bau von Pipelines angewiesen ist. Dank Flüssiggas-Anlagen, sogenannten LNG-Terminals, kann der Rohstoff auch mit Tankern an die Zielorte transportiert werden. Russland setzt zunehmend auf diese neue Technologie. Dabei profitiert auch Rosneft von den Umstrukturierungen. Durch das Engagement des Konzerns im ägyptischen Offshore-Feld „Zohr“ macht er Gazprom jetzt sogar auf den europäischen Märkten Konkurrenz. Zwar sind die dortigen Vorkommen hauptsächlich für Ägypten bestimmt, doch es bestehen auch Transportmöglichkeiten nach Europa. Laut NZZ gilt „Zohr“ als größtes Gasvorkommen im Mittelmeer. Dadurch will Kairo zunächst Selbstversorger, danach Exporteur werden.

Rosneft ist gekommen, um zu bleiben

Da der russische Staat sich dazu entschlossen hat, auch anderen Unternehmen außer Gazprom den Zugang zum Flüssiggas-Geschäft zu gewähren, kann Rosneft seinen Gassektor beständig ausbauen. Konzernchef Igor Setschin scheint hierzu fest entschlossen. Denn auch wenn der Konzern noch immer den Großteil seines Geldes mit Öl verdient, sind seine wachsenden Ambitionen auf dem internationalen Gasmarkt deutlich zu erkennen.

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Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.