Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Russland wohl zweites Jahr in Folge größter Weizenexporteur

Russland erwartet dieses Jahr eine Rekord-Getreideernte. Wie schon im Vorjahr wird Russland wohl der größte Weizenexporteur der Welt sein. Das Land könnte sogar mehr Weizen ausführen als die gesamte EU zusammen, schätzt das US-Landwirtschaftsministerium.  

2016 könnte Russland zwischen 114 und 118 Millionen Tonnen Getreide ernten, schätzt der russische Getreideverband laut Vedomosti – ein Rekord im post-sowjetischen Russland. Davon seien allein 69,5 Millionen Tonnen Weizen, sagte der Chef des Verbands, Arkadij Slotschewskij, gegenüber TASS. Das Landwirtschaftsministerium rechne sogar mit einer noch höheren Zahl: 72 Millionen Tonnen.

Die Getreidequalität werde aber geringer als im vergangenen Jahr ausfallen schätzte er. Wegen der höheren Ernte werde der Anteil des hochwertigen Getreides jedoch gleich bleiben, betonte Slotschewskij.

Das analytische Zentrum „Sowekon“ geht ebenfalls von einer sehr guten Ernte aus und hob seine Prognose im August von 108,8 Millionen auf 115,3 Millionen Tonnen Getreide an. Die Weizenernte steige sogar von 66,1 auf 71,3 Millionen Tonnen, sagte der Direktor des Zentrums, Andrej Sisow, der Zeitung.

Russland könnte nach Rekordernte mehr Weizen als die EU exportieren

Damit wird Russland mit großer Wahrscheinlichkeit wie im Vorjahr der größte Weizenexporteur der Welt. In diesem Jahr könne das Land sogar mehr Weizen exportieren als die gesamte EU zusammen, prognostiziert das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium. Der russische Weizenexport könnte um 4,5 Millionen Tonnen auf 30 Millionen steigen, heißt es weiter.

In der EU werde der Weizenexport von früher 34 Millionen auf nun 27 Millionen Tonnen sinken, schätzt das US-Ministerium. Eine schlechte Ernte besonders in Frankreich sei dafür verantwortlich. In Russland hingegen sei das Wetter und entsprechend auch die Ernte besonders gut gewesen.

Im Landwirtschaftsjahr 2015/2016 hatte Russland 25,5 Millionen Tonnen Weizen ausgeführt, dahinter lag Kanada mit 22 Millionen und die USA mit 21,09 Millionen Tonnen.

  1. Russland: 25,5 Millionen Tonnen
  2. Kanada: 22 Millionen Tonnen
  3. USA: 21,09 Millionen Tonnen

Die föderale Statistikbehörde Rosstat gab weiter bekannt, dass zum Stand 1. August in Russland 33,7 Millionen Tonnen Getreide geerntet wurden (+17,1 Prozent), davon 27,4 Millionen Tonnen Weizen (+15,5 Prozent).

Die Erntefläche in Russland habe 8,8 Millionen Hektar betragen (3,4 Prozent mehr als im Vorjahr).

Getreideproduzenten könnten bei weiter sinkenden Preise Verluste einfahren

Laut Getreideverbandschef Slotschewskij könnten die Produzenten jedoch Verluste verzeichnen, wenn die Preise weiter abnehmen: „Die Preise sinken bereits deutlich. Wenn diese Situation bestehen bleibt, werden wir Verluste machen.“

Die Rekordernten und die Exportzölle seien dafür wesentlich verantwortlich.

Umstrittene Zölle auf Weizenexporte

Die russischen Landwirte hätten über 50 Milliarden Rubel wegen der Einführung des am 1. Juli 2015 eingeführten Zolls auf Weizenexporte verloren.

Der Verband sandte deswegen bereits einen Brief an den Premierminister mit der Bitte, die Zölle aufzuheben. Landwirtschaftsminister Tkatschow sagte deswegen bereits, dass man „früher oder später“ die Aufhebung plane. Er wolle aber nicht vor Herbst darüber diskutieren.

Die Regierung hatte den Ausfuhrzoll eingeführt, weil vermehrt Exporteure mit Verkäufen ins Ausland versuchten, vom Rubelverfall zu profitieren. Momentan liegt der Zoll bei 50 Prozent des Zollwerts minus 5.500 Rubel aber nicht weniger als 10 Rubel pro Tonne.

Titelbild

Quelle: Pixabay.com

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.