Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Josef Heinrich StegerVon

Ein Praktikum in Moskau ist aus vielerlei Gründen lehrreich und erstrebenswert. Einen großen Vorteil hat, wer im Rahmen seiner universitären Ausbildung Pflichtpraktika erledigt und dabei auch die Möglichkeit hat nach Russland zu kommen, da so organisatorisch viel von der Hochschule übernommen wird. Doch auch ohne Organisationen, die einem die Planung erleichtern oder abnehmen ist es nicht so schwierig, wie es anfangs scheint, in Moskau zu arbeiten. Folgende Punkte sollten dabei berücksichtigt werden:

1. Das Praktikum

Als erster Schritt auf dem Weg nach Moskau, gilt es sich um eine Praktikumszusage von einem Unternehmen zu bemühen. Damit man auch wirklich ein passendes Praktikum findet, sollte man sich als erstes die Branche überlegen, in der man arbeiten möchte. Entsprechende Firmen zu finden ist in Zeiten der Internetrecherche kein Problem. In der Regel werden sich besonders internationale Firmen anbieten, die in Moskau ansässig sind, nicht nur weil diese meist zweisprachig sind, sondern auch weil man lernt, wie die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen funktionieren. Darüber hinaus bieten diese Unternehmen meistens eine bessere Beschäftigung, mehr Möglichkeit zu lernen und stellen auch nicht zuletzt oft eine bessere Referenz für den eigenen Lebenslauf dar. Diverse Bewerbungen sollten in ausreichender Vorlaufzeit zu dem Projekt gesendet werden, um zeitlich nicht in Stress zu geraten.

 2. Die Unterkunft

Hat man die Zusage von seinem Arbeitgeber bekommen, muss man sich um eine Unterkunft kümmern. Aufgrund der hohen Mietpreise, wird eine Wohnung alleine zu mieten für die meisten Praktikanten nicht in Frage kommen. Am besten fängt man einmal damit an, systematisch seinen Freundeskreis zu befragen. Meistens gibt es jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt usw. der in Moskau arbeitet und/oder lebt und seinerseits jemanden kennt, der gerade einen Mitbewohner sucht. Verläuft die Suche erfolglos, existieren auf diversen Social Meda Plattformen Gruppen, deren Ziel kurzfristige Miete/Untermiete an Studenten in Moskau ist.

Eine andere Möglichkeit ist auch ein Studentenheim. In diesen darf man allerdings nur wohnen, wenn man auch an der Universität eingeschrieben ist. Wenn man sich also für die Dauer des Aufenthaltes auch an der Universität inskribiert, könnte man im Studentenheim unterkommen. Allerdings sollte man darauf achten, dass für den eingeschriebenen Kurs keine Anwesenheitspflicht besteht, oder man ihn tatsächlich besuchen kann.

Optional kann man auch pro forma einen Russischkurs über eine Organisation oder direkt bei einer russischen Spracheinrichtung wie dem Pushkin-Institut buchen, bei dem auch eine Unterkunft gestellt wird. Das bringt einerseits den Vorteil einer studenten- und ausländerfreundlichen Wohnmöglichkeit, auf der anderen Seite auch Kosten für eine Leistung die man nur teilweise in Anspruch nimmt.

3. Der Flug

Eine logische Konsequenz und keine besondere Schwierigkeit ist das Buchen eines entsprechenden Fluges. Je früher man bucht, desto billiger sind für gewöhnlich die Flüge. Das ist meistens der Grund dafür, den Flug zu buchen, bevor man ein Visum hat. Daher sollte man unbedingt die genauen Eckdaten der Einladung, welche der Arbeitgeber an einen sendet mit diesem absprechen. Ein billiger Flug ist nutzlos, wenn man ihn aufgrund vom Visum verschiedener Reisedaten umbuchen muss. Auch eine Reiserücktrittsversicherung kann vorteilhaft sein, da der gebuchte Flug ohne erhaltenes Visum immer ein gewisses Risiko darstellt.

4. Das Visum:

Schon bevor man die benötigte Einladung vom Arbeitgeber bekommt, ist es ratsam, seinen Reisepass zu überprüfen. Mindestens zwei freie Seiten müssen sich in diesem befinden und er darf nicht innerhalb von sechs Monaten nach Ausreise ablaufen. Ist mit dem Pass alles in Ordnung, schickt man einen Pass-Scan an den Arbeitgeber. Dieser wird benötigt um die Einladung ausstellen zu können. Für ein Praktikum bis zu 90 Tagen reicht ein Businessvisum. Arbeitsvisum und Arbeitserlaubnis werden dafür nicht benötigt. Allerdings erkennt das Russische Recht mangels einer Abmachung mit den deutschsprachigen EU Ländern keinen Praktikantenstatus für deutsche oder österreichische Studenten an. Man bekommt daher keinen Arbeitsvertrag, keine aliquoten Urlaubstage und kein offizielles Gehalt, je nach Arbeitgeber aber möglicherweise eine Aufwandsentschädigung, über die man sich einigt. De facto wird man vom russischen Recht behandelt, als würde man bei einem Unternehmen im Heimatland unter Vertrag stehen und einen langen Geschäftstermin im Ausland wahrnehmen, wobei die Auslagen durch eine monatliche Pauschale vom Geschäftspartner übernommen werden.

5. Der Visumsantrag:

Um den Visumsantrag einzubringen sind grundsätzlich folgende Dokumente mitzubringen:

  • Die vom Migrationsdienst ausgestellte Einladung (von dem Unternehmen gesendet, bei welchem man arbeitet)
  • Der eigene Reisepass (min. 2 freie Seiten und 6 Monate nach Ausreise gültig)
  • Elektronisch ausgefüllter Visumsantrag von der Homepage visa.kdmid.ru
  • Nachweis über Reisekrankenversicherung, die min. 30.000€ Deckungssumme aufweist und für die gesamte Aufenthaltsdauer abgeschlossen wurde.
  • Ein Passbild nach internationales Standards

Die Konsularabteilung der Botschaft kann nach eigenem Ermessen auch zusätzliche Unterlagen verlangen. Um nicht in Stress zu geraten sollte der Visumsantrag mindestens zwei bis drei Wochen vor dem geplanten Abflugdatum eingereicht werden. Hat man seinen Pass mit Visum wieder, steht der Reise nach Russland nichts mehr im Wege.

6. Noch einiges Wissenswertes zum Aufenthalt:

Moskau hat drei internationale Flughäfen. Man sollte wissen, an welchem man ankommt und auf welchem Weg man vom Flughafen zur Unterkunft gelangt.

Bei der Einreise nach Russland bekommt man eine Migrationskarte, welche man zur Ausreise wieder braucht. Diese ist so wie der Pass, oder eine Passkopie auch generell immer mitzuführen, wenn man in Moskau unterwegs ist. Als Ausländer muss man zusätzlich registriert werden, wenn man länger als zehn Tage bleibt – entweder vom Vermieter oder vom Unternehmen. Die Registrierungskarte sollte ebenfalls mitgeführt werden.

Die Metro ist ein preiswertes und schnelles Beförderungsmittel, allerdings ist nicht ganz Moskau erschlossen. Die Entfernungen sind mitunter viel größer als es auf Google Maps aussehen mag. Also lieber genau nachsehen, wie groß die Distanz von Metrostation zum Zielort ist ist und ob man gegebenenfalls noch einen Bus ab der Haltestelle nehmen sollte, bevor man stundenlang spazieren geht.

Der Lebensmitteleinkauf gestaltet sich sehr einfach, da die meisten Geschäfte durchgehend 24h (auch am Wochenende) geöffnet haben.

Die deutsche Botschaft in Moskau bietet einiges an Services für in Russland lebende Deutsche (und auch andere EU Bürger) an. Diese umfassen unter anderem auch einen deutschsprachigen Regionalarzt, dessen Ordinationszeiten auf der Homepage der Deutschen Botschaft einzusehen sind. Jede medizinische Behandlung muss bar im Voraus bezahlt werden. Es gilt unbedingt auf der Versicherungspolizze nachzulesen, welche Daten für eine vollständige Rückerstattung der Behandlungskosten auf der Rechnung vorhanden sein müssen. Die Rechnung wird dann nach Rückkehr bei der Versicherung eingereicht und die Ausgaben rückerstattet.

Ein Wörterbuch ist immer hilfreich, besonders, wenn auch alltägliche Phrasen darin enthalten sind. Ansonsten können Besorgungen leicht zum Abenteuer werden.

Da der Wechselkurs an den Flughäfen nicht besonders gut ist, tut man gut daran, sich noch in der Heimat in einer Bank mit einer gewissen Summe an Rubel zu versorgen. Zahlen mit Euro ist generell nicht möglich und wenn dann nur zu abenteuerlichen Kursen.

Nebenbei empfiehlt es sich auch über die russische Kultur und Mentalität zu informieren. Respekt und Gespür für eine andere Kultur sind gerade für einen Ausländer, der plant, sich länger in einem fremden Land aufzuhalten sehr wichtig. Entsprechende Artikel finden Sie hier.

Josef Heinrich Steger
Über den Autor

Josef Steger, 23, ist Student der Rechtswissenschaften an der Universität Wien.

Im Sommer 2014 verbrachte er drei Monate im Rahmen eines Praktikums als „Marketing and Sales Assistant“ bei RUFIL CONSULTING in Moskau.

Nebenbei engagiert er sich ehrenamtlich in Vereinen, wie dem Malteser Hospitaldienst Austria, bei dem er zurzeit das Referat für Breitenausbildung und Erste Hilfe leitet.