Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Russland überlegt kurz über eine Fortsetzung der Privatisierung.

Russlands Föderale Agentur zur Verwaltung von Staatseigentum, Rosimuschtschestwo, hat eine schnellere Privatisierung von russischen Staatsunternehmen ins Gespräch gebracht, die aber gleich wieder vom Tisch ist. Die Liste der Firmen, die privatisiert werden sollen, ist lang, wird es aber wohl noch etwas bleiben.

Rosneft, Aeroflot und RusHydro sollten schneller und unabhängig von der ökonomischen Lage privatisiert werden, sagte Olga Dergunova, die Chefin von Rosimuschtschestwo am Donnerstag. Bei einem Treffen mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten, Igor Schuwalov, habe es die Empfehlung gegeben, den Verkauf mehrerer großer Staatsunternehmen vorzubereiten, berichtete sie.

„Früher nahmen wir an, dass wir Staatseigentum nicht zu jedem Preis verkaufen sollen. Die Situation an den Märkten verbessert sich aber nicht. Und wenn der Präsident eine solche Entscheidung unterstützt, können wir eine Liste mit den Unternehmen erstellen, die bereit sind, privatisiert zu werden. Das sind staatliche Unternehmen wie Rosneft, RusHydro, Alrosa und Aeroflot. Eigentlich alle, die an der Börse gelistet sind“, sagte Dergunova.

Für 2016 sei bislang nur die Privatisierung eines großen Staatsunternehmens geplant: der Reederei Sovkomflot. Sie soll bis zu 189 Millionen Dollar einbringen. In der Vergangenheit sind die angestrebten Preise allerdings meist nicht erreicht worden.

Kreml-Sprecher Dmitrij Peskov erteilte den Plänen eine schnelle Absage: Der Verkauf unterbewerteter Staatsunternehmen sei „ineffektiv und unangemessen“. Es gebe keine Änderungen in der Position des Kreml zur Privatisierung. „Privatisierung kann kein Selbstzweck sein“, sagte er.

Es ist unklar, woher Dergunova die Empfehlung bekam. Schuwalovs Büro dementierte nämlich am Donnerstagabend, man habe nie von einer Anweisung oder Empfehlung gehört, die eine Beschleunigung der Privatisierung ohne Rücksicht auf die Marktsituation vorsehe.

Vorerst wird die Liste der russischen Staatsunternehmen, die noch privatisiert werden sollen, also nicht viel kürzer werden. Hier sehen Sie, welche Unternehmen das sind.

UPDATE: Der russische Wirtschaftsminister Uljukajew sagte am Dienstag, den 10.11., dass die Möglichkeit bestehe, dass eine Privatisierung von Rosneft 2016 „durchaus stattfinden könnte“.

Die Privatisierungsliste Russlands:

Diese Staatsunternehmen sollen vollständig verkauft werden:

  • Flughafen Scheremetjewo,
  • Flughafen Wnukowo,
  • Rostelekom,
  • Rusnano,
  • Alkoholproduzent Rosspirtprom,
  • Getreideunternehmen OSK.

Bis zu 25 Prozent plus eine Aktie sollen staatlich bleiben von:

  • Fluglinie Aeroflot,
  • Diamantenproduzenten Alrosa,
  • Reederei Sovkomflot.

Bis zu 50 Prozent plus eine Aktie sollen staatlich bleiben bei:

  • VTB-Bank,
  • Rosneft,
  • Wasserkraftbetreiber RusHydro.

Bis zu 75 Prozent plus eins sollen in Staatsbesitz bleiben von:

  • Russische Bahn (RSchD),
  • Maschinenbauer Uralwagonsawod,
  • Pipelinebetreiber Transneft.

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Quellen:

Artikel von TASS

Eigener Artikel in der Moskauer Deutschen Zeitung Ausgabe 401.

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.