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Hat sich der Online-Bezahldienst die Poleposition gesichert?

Der Online-Bezahldienst aus den USA darf seine Leistungen nun als erstes ausländisches Unternehmen auch in China anbieten. Was das für PayPal und seine Konkurrenz bedeutet, erklärt dieser Artikel.

Der Finanzsektor in Peking war für Anbieter aus dem Ausland lange Zeit tabu. Damit PayPal den Fuß in den chinesischen Markt setzen konnte, war eine Beteiligung von 70 Prozent an dem in China ansässigen Unternehmen Go Pay Information Technology nötig. Im Vorfeld erteilte die Zentralbank von China für den mehrheitlichen Einstieg von PayPal ihre offizielle Erlaubnis. Bereits seit Jahren hatten große Anbieter von Kreditkarten, wie Mastercard oder Visa, neben PayPal versucht, im Finanzmarkt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt Fuß zu fassen.

Nicht nur bei der Konkurrenz hat die Nachricht, dass PayPal nun auch in China aktiv ist, für Aufruhr gesorgt. Auch die weltweite Finanzbranche wurde hellhörig. Denn der Betreiber, der an der Börse notiert ist und in 200 Märkten über 292 Millionen aktive Kunden verfügt, hat dadurch den direkten Einstieg in einen lukrativen Markt der Zukunft vollbracht. In China stehen bezüglich Online-Zahlungen besonders mittlere bis kleine Beträge im Bereich des Einzelhandels im Fokus. Insgesamt ist das Volumen in diesem Bereich allerdings gegenüber dem vorherigen Jahr um ganze 45 Prozent angewachsen, so die Analysen der Experten. Nach aktuellen Schätzungen umfasst der Markt circa 29 Billionen Dollar. Bis zum Eintritt von PayPal in China haben hier vorrangig zwei Anbieter den Markt dominiert. Diese sind der Bezahldienst Ali Pay, der zu dem großen Online Unternehmen Ali Baba gehört, und der Anbieter Tencent. Auch der Bezahldienst WeChat Pay wird neben WeChat, einem sozialen Online-Dienst, von diesem IT-Konzern aus China betrieben.

Konkurrenz zu Ali Pay und Co.

Bei der Dienstleistung des Anbieters Go Pay handelt es sich um die Ausführung von Zahlungen, die über eine die Internetseite ohne den Einsatz einer Kreditkarte für in China ansässige Händler möglich ist. Der zukünftige Partner von PayPal liegt eigentlich weit hinter seinen Konkurrenten WeChat Pay und Ali Pay. Die beiden verfügten nämlich zum Ende des Jahres 2018 über einen Marktanteil von 54 und von 39 Prozent. Damit machten die beiden Konkurrenten den mehrheitlichen Anteil in Chinas digitaler Zahlungsbranche aus.

Der neue Mitspieler aus den USA möchte bereits in den nächsten Monaten in China seine Geschäfte aufnehmen, um die Konkurrenten einzuholen. Bis zum Ende des Jahres dauert es noch, bis die Transaktion in formaler Hinsicht besiegelt ist. Bei PayPal herrscht laut eigener Aussagen große Vorfreude, mit den Technologieplattformen und Finanzinstituten in China zusammenzuarbeiten. Den Verbrauchern und Unternehmen der Volksrepublik werden damit umfassende weltweite Möglichkeiten der Zahlung angeboten. Die Nachricht wurde besonders von den Investoren sehr gut aufgenommen. Nach der Bekanntgabe des Einstiegs in den chinesischen Markt stiegen die PayPal-Aktien für eine Weile um zwei Prozent.

Jahrestag der Volksrepublik mit weltoffener Haltung

Peking hatte zu Beginn des Jahres 2018 verkündet, dass der chinesische Markt zukünftig für Bezahldienste aus dem Ausland geöffnet würde, damit im Privatkundenbereich der Wettbewerb verstärkt wird. Diese Worte wurden von dem 70. Jubiläum der Volksrepublik China begleitet. Nun sind auf diese Worte erste Taten gefolgt. Das PayPal-Management hat darauf hingewiesen, dass neben den beiden großen Namen in der Branche, WeChat Pay und Ali Pay, auch eine große Reihe weiterer etablierter Zahlungsdienste in China am Markt vertreten sind. Beispielsweise nutzen die Chinesen zum Bestellen eines Taxis gerne die App Didi Cuxing, über den Bezahldienst Ctrip werden hier Reisen gebucht.

Es ist zukünftig zu erwarten, dass der Einstieg in den chinesischen Markt für PayPal ein wichtiger Schritt ist, um sich seine führende Position bei den Online-Bezahldiensten zu sichern. Abzuwarten bleibt hier sicherlich, inwieweit der amerikanische Anbieter auf dem chinesischen Markt bei den Kunden akzeptiert wird und wie sich die Entwicklung in Bezug auf die beiden großen Konkurrenten gestaltet.

Über PayPal

Wortwörtlich übersetzt bedeutet PayPal so viel wie „Bezahlfreund“, abgeleitet von dem bekannten Ausdruck „Brieffreund“. Es handelt sich dabei um einen Online-Bezahldienst, der an der Börse notiert ist. Genutzt werden kann PayPal zum Verkauf und Einkauf im Internethandel, bevorzugt um kleine und mittlere Beträge einfach und unkompliziert zu begleichen.

Nach Angaben des Unternehmens ist PayPal in 200 verschiedenen Ländern aktiv und hat knapp 292 Millionen aktive Kunden vorzuweisen. Die Zahlungen, die über PayPal vorgenommen werden, finden in über 100 verschieden Währungen statt. Das amerikanische Unternehmen hat seinen Hauptsitz in San José in den USA. Die europäische Niederlassung der Tochtergesellschaft befindet sich in Luxemburg.

Bevor sich das Unternehmen im Juli des Jahres 2015 als Tochtergesellschaft abspaltete, gehörte es seit dem Jahr 2002 zu dem Internetriesen Ebay aus den USA. Seit diesem Zeitpunkt werden die Aktien der Firma über die NASDAQ gehandelt. PayPal gehört zu den S&P 500 und hat seinen vorherigen Mutterkonzern eBay bei S&P 100 ersetzt.

So funktioniert PayPal

Bei einem Konto von PayPal handelt es sich um ein nur virtuell bestehendes Konto. Definiert wird die Kontoidentität durch die angegebene E-Mail-Adresse des jeweiligen Kunden. Eine Kontonummer existiert nicht. Durch das PayPal Konto ist es möglich, an dritte Personen Zahlungen auszuführen. Ebenso können Zahlungen, die Dritte aufgegeben haben, über das Konto empfangen werden. Die Dienstleistung von PayPal besteht lediglich in dem Transfer des Geldes. Das Unternehmen nimmt die Position eines Treuhänders ein. Nur die Abwicklung der Zahlung wird durch die Dienstleistung übernommen, die Erbringung der Leistung durch den jeweiligen Verkäufer ist nicht eingeschlossen.

Der große Vorteil von PayPal liegt, genau wie bei anderen verfügbaren Systemen für das Micropayment, darin, dass die Zahlungen, die getätigt werden, direkt auf dem Konto des Empfängers ankommen. Die übliche Dauer von Überweisungen bei normalen Banken entfällt. Käufe, die in einem Online Shop getätigt werden, können so sehr kurzfristig gezahlt werden. Die Lieferzeit wird dadurch verkürzt – vorausgesetzt natürlich, dass die Ware von dem Verkäufer direkt nach dem Eingang der Zahlung versendet wird.

Wird das System von PayPal genutzt, um in einem Online-Shop zu bezahlen, werden die Daten der Transaktion durch PayPal erhoben. Diese Daten übersteigen den Umfang an Daten, die bei einer herkömmlichen Überweisung erhoben werden. Wenn die Daten von dem Online-Shop an PayPal übermittelt werden, umfassen diese die Adresse des Lieferempfängers sowie die genauen Artikel aus dem Warenkorb. PayPal wird im Westen mittlerweile fast überall im Internet benutzt, um große Einmalzahlungen oder Abonnements zu tätigen. Sogar im Glücksspielsektor ist der Zahlungsdienst bereits angekommen, wie man beispielsweise auf Casinosecret sieht.

Es ist nötig, dass die Mitglieder von PayPal bei der Registrierung ihre persönlichen Daten angeben. Es ist nicht unbedingt notwendig, eine Kreditkarte oder ein Bankkonto zu besitzen. Wenn allerdings ein Bankkonto angegeben wird, dann findet eine Überweisung von PayPal als Test statt, ob dieses Konto auch wirklich vorhanden ist. Ist diese Verifizierung positiv verlaufen, kann an jede mögliche E-Mail-Adresse Geld gesendet werden. Wenn der jeweilige Nutzer der angegeben E-Mail-Adresse kein Konto bei PayPal besitzt, erhält er eine Benachrichtigung per E-Mail, dass er eine Zahlung erhalten hat. Dann muss sich der Empfänger ebenfalls bei PayPal registrieren, um über die eingegangene Zahlung zu verfügen. Außerdem ist es auch möglich, die Dienstleistung von PayPal über ein Smartphone zu nutzen.

Bei jeder Überweisung werden die Daten der jeweiligen Teilnehmer durch TLS geschützt. Für die Empfänger der Zahlungen bleiben somit die finanziellen Daten, wie die Kontonummer oder die Kreditkarteninformationen des anderen Mitgliedes, verborgen. Dadurch soll vermieden werden, dass die Daten durch den Empfänger eventuell missbraucht werden.

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Titelbild: Blake Wisz / Unsplash

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