Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Interview mit Jutta Falkner, Chefredakteurin des OWC-Verlags, über die Wirtschaftskrise in Russland und Zukunftspläne des Verlags.

Dr. Jutta Falkner ist seit vielen Jahren Chefredakteurin und geschäftsführende Gesellschafterin des OWC-Verlags für Außenwirtschaft. Den OWC-Verlag gibt es bereits seit über 50 Jahren. Er ist das führende Außenwirtschaftsmedium in den Bereichen Osteuropa und Asien mit Sitz in Münster.

Nun ist Ulf Schneider (Schneider Group) dort als neuer zweiter Gesellschafter statt Klaus Leger eingestiegen. Im Interview mit Ostexperte.de spricht Dr. Falkner über den neuen Gesellschafter, das umstrittene Mediengesetz in Russland, die Arbeit des Verlags in der Wirtschaftskrise in Russland und die Zukunftspläne des Verlags.

Dr. Jutta Falkner

Die Chefredakteurin des OWC-Verlags für Außenwirtschaft, Dr. Jutta Falkner.

Frau Dr. Falkner, der Axel-Springer Verlag verlässt Russland wegen des neuen Mediengesetzes, das besagt, dass ausländische Investoren künftig nur noch maximal 20 statt bislang 50 Prozent an einem Medienunternehmen in Russland halten dürfen. Hat das Gesetz auch auf den OWC-Verlag Auswirkungen?

Unsere Produkte werden in erster Linie in Deutschland vertrieben. Wir haben allerdings unseren wöchentlichen Newsletter „Russland Aktuell“, der auch in Russland erscheint. Hier müssen wir jetzt sehen, welche Auswirkungen das hat. Wir sind in der Beratung. Man hat jetzt noch etwas Zeit, aber das Gros der Auflage wird in Deutschland produziert und vertrieben. Insofern sind wir davon kaum betroffen.

Ein bisschen aber schon?

Ja, wir machen uns kundig, wie das aussieht. Wir sind im Gespräch und vorbereitet. Aber ich gehe davon aus, dass es keine Auswirkungen haben wird.

Wie sehen Sie das Mediengesetz allgemein?

Ich finde es sehr besorgniserregend. Ich glaube, dass Russland es auch aushält, wenn dort ausländische Verleger tätig sind. Ich kann nicht verstehen, welchen Vorteil das Land davon haben sollte, wenn sich ausländische Verleger zurückziehen. Insofern ist das sicherlich kein gutes Gesetz.

Hat die momentane Wirtschaftskrise in Russland Auswirkungen auf die Arbeit Ihres Verlags?

Russland ist ein sehr wichtiger Markt für uns, aber nicht der einzige.

Ja, natürlich hat das Auswirkungen auf unseren Verlag. Wobei man sagen muss, dass wir nicht nur in Russland tätig sind. Wir haben den Schwerpunkt Asien und Osteuropa. Russland ist ein sehr wichtiger Markt für uns, aber nicht der einzige. Insofern werden wir Russland weiterhin intensiv bearbeiten und selbstverständlich Kontakt zu unseren Partnern halten, aber in den anderen Märkten momentan aktiver sein.

Wenn man sich Polen, Tschechien oder Rumänien ansieht, dann sind das alles Märkte in denen es momentan sehr gut läuft – also die Lokomotiven in Europa. Dementsprechend möchten wir das auch unseren Lesern vermitteln und hier mehr Kraft hineinstecken, als wir das in der Vergangenheit getan haben und als Russland noch der Boom-Markt war.

Geht die Orientierung eher Richtung Osteuropa oder Richtung Asien?

Beides. Wir haben diese beiden Hauptregionen im Fokus. Man kann nicht sagen, dass wir uns umorientieren. Wir werden beides weiterentwickeln. Asien ist ein wichtiger Markt für uns. Wir haben ja eine eigene China-Zeitschrift: China-Contakt, die wie Ost-West-Contact monatlich erscheint. Der Chefredakteur sitzt in Peking. Das verfolgen wir genauso intensiv wie die anderen Märkte.

Wie planen Sie momentan für Russland?

Wir ziehen unser Programm für Russland durch, das wir haben. Da gibt es keine Abstriche. Aber natürlich ist das alles schwieriger geworden. Ich bin aber sehr beeindruckt, dass unsere Partner hier noch bei der Stange bleiben. Wir haben als nächstes das deutsch-russische Wirtschaftsjahrbuch auf dem Plan stehen und ich gehe davon aus, dass es wieder auf großes Interesse stoßen wird – bei den Lesern als auch bei den Kunden.

Nun sind Sie ja auch auf Anzeigekunden angewiesen in Russland. Sind da die Anzeigen zurückgegangen?

Wir finanzieren uns über Abonnements und über Anzeigen. Wir haben da einen Mix und sind glücklich, dass wir diese Abonnenten haben.

Die Unternehmen zögern nun, Anzeigen zu schalten.

Aber natürlich zögern Unternehmen nun, Anzeigen zu schalten. Es ist nicht so, dass man momentan sehr viel Geld für Marketing ausgibt. Es wurden auch Projekte verschoben. Wir veröffentlichen ansonsten einmal im Jahr mit dem AEB [Anm.d.R. Association of European Businesses] eine Publikation. Die haben wir in diesem Jahr auf Sparflamme gemacht: Wir haben ein 32-seitiges „Special“ mit einem anderen Charakter daraus gemacht, statt einer eigenen 80-seitigen Publikation. Aber wir haben es nicht ganz weggelassen.

Wir führen unser Programm in Russland weiter und hoffen auf bessere Zeiten – wie jedes andere Unternehmen hier auch.

Wann rechnen Sie mit besseren Zeiten in Russland?

Das ist schwierig. Das wird diesmal doch länger dauern. Wenn der Ölpreis steigt – aber wer weiß das schon…

Heißt das dann, dass man momentan überwiegend Krisenjournalismus betreibt?

OWC-Publikationen

Das monatliche Magazin „Ost-West Contact“ und das wöchentlich erscheinende Heft „Russland aktuell“ werden vom OWC-Verlag herausgegeben.

Nein, gar nicht. Das ist nicht das, worüber wir die ganze Zeit schreiben. Wir schreiben, was wirklich passiert. Wir informieren über aktuelle Entwicklungen. Wenn zum Beispiel Unternehmen ihre Produktion in Russland erweitern, dann ist das für uns ein Thema. Wenn Gesetze verabschiedet werden, die sich gegen die Interessen der ausländischen Unternehmen richten, dann ist das auch Thema. Genauso wie Meldungen über neue Bahneröffnungen. Was passiert, darüber berichten wir.

Sicherlich gibt es im Moment eher negative Nachrichten – über den Rückgang der Exporte, über den Rückgang der Umsätze der Unternehmen in Russland – aber es gibt auf der anderen Seite auch positive Nachrichten wie deutsche Firmen, die weiterhin in Russland die Produktion eröffnen. Klar, die Kapazitäten sind dann meist viel zu groß, aber es passiert trotzdem etwas. Das ist unser Spektrum. Das ist nicht viel anders als vor der Krise.

Welche Zukunftspläne hat der OWC-Verlag? Momentan bietet der Verlag ja überwiegend Print-Produkte an. Wie läuft die Entwicklung von Print hin zu Online?

Wir verstehen uns als Print-Verlag.

Wir verstehen uns auch als Print-Verlag. Wir sind natürlich online präsent und bieten unsere Produkte dort an. Wir haben ein Wirtschaftsportal, auf dem wir aktuelle Meldungen publizieren, aber unser Fokus liegt tatsächlich auf der Print-Produktion. Vor allem auch deshalb, weil wir mit Partnern in Deutschland und anderen Ländern auf Veranstaltungen zusammenarbeiten. Wenn Veranstaltungen zur Wirtschaftsentwicklung in einem Land stattfinden, dann sind die Veranstalter meist sehr dankbar, wenn wir dort unsere Publikationen zur Verfügung stellen und mit ihnen Kooperationen eingehen. Eine Zeitschrift in der Hand zu halten, ist etwas Anderes, als sie nur online zu lesen. Man kann allerdings alle unsere Publikationen auch online lesen.

Es gibt bislang die OWC-App für Apple- und Android-Geräte. Haben Sie weitere Pläne, den oder den mobilen oder Online-Bereich auszuweiten?

Ich glaube, das will jeder und immer. Das steht auch bei uns auf dem Plan, aber es ist jetzt nichts Konkretes, wo wir sagen würden: wir legen jetzt mehr wert auf Online- als auf Printprodukte. Das hält sich die Waage. Wir müssen beides gut entwickeln, verstehen uns aber wie gesagt als Print-Verlag, der online gut präsent ist.

Und das soll auch so bleiben?

Ja.

Gibt es denn eine Veränderung der Nachfrage, sodass die Menschen auch vermehrt nach Online-Produkten fragen?

Ja, natürlich kommen immer mehr Leute, die nur noch ein Online-Abo abschließen wollen. Da ist schon eine Entwicklung zu sehen. Das bieten wir aber an. Das ist für uns kein Problem. Aber die Mehrzahl unserer Abonnenten möchte das als Papier auf dem Schreibtisch liegen haben.

Auf DRWN.de wurde gemeldet, dass Anteile des OWC-Verlags durch Ulf Schneider, den Managing Partner der Schneider Group (früher Russia Consulting), übernommen wurden. Ist das richtig?

Ulf Schneider

Der neue Gesellschafter des OWC-Verlags, Ulf Schneider.

Ja, das ist richtig. Das können Sie auch in der aktuellen Ausgabe von „Russland Aktuell“ lesen.

Was war denn der Hintergrund dieser Übernahme?

Das war eine längerfristige Geschichte: Mein Partner Klaus Leger und ich waren zwei Gesellschafter [des OWC-Verlags] und hatten uns eigentlich schon frühzeitig vorgenommen, nicht bis zum Rentenalter in dieser Position zu bleiben, also irgendwann im Leben noch einmal etwas Anderes zu machen. Mein Partner hat das intensiver vorangetrieben als ich. Insofern standen wir nun vor der Frage, dass er gerne aussteigen wollte.

Wirtschaftlich hatten wir schon einmal bessere Zeiten – so wie wahrscheinlich viele Unternehmen im Russlandgeschäft aktuell.

Wir haben seit 25 Jahren dieses Geschäft gemeinsam betrieben. Er hat den kaufmännischen Bereich betreut, ich die Redaktion. Das alles nun allein zu machen, war für mich keine Option. Dazu kam ein Umfeld, von dem man sagen könnte: wirtschaftlich hatten wir schon einmal bessere Zeiten – so wie wahrscheinlich viele Unternehmen im Russlandgeschäft aktuell.

Deswegen haben wir uns intensiv nach einem Investor umgesehen. Und da wir mit Herrn Schneider seit vielen Jahren gut zusammenarbeiten – er war einer der größten Kunden – haben wir überlegt, ob das Sinn ergibt. Er war für Frage offen, ihm hat die Idee gefallen und so sind wir zusammengekommen.

Und jetzt hat Herr Schneider die Position von Herrn Leger übernommen?

Eins zu eins würde ich das so nicht sehen. Ganz bestimmt ist er momentan ja nicht nur mit dem OWC-Verlag beschäftigt.

Wie viele Anteile hat Herr Schneider denn nun?

Er hat die große Mehrheit und ich habe auch noch einen Anteil behalten.

Was heißt „die große Mehrheit“? 90 Prozent?

Ja, Herr Schneider hat 90 Prozent am OWC-Verlag.

Sie haben das eben am Rande erwähnt: Wie ist denn die wirtschaftliche Lage des OWC-Verlags? Sie war vor dieser Übernahme durch Herrn Schneider nicht gut? Hat das dabei eine Rolle gespielt?

Ja. Weil Herr Leger und ich zwei persönliche Gesellschafter waren, hat einfach die Möglichkeit gefehlt, zu investieren. So ein Verlag braucht Investitionen, um sich weiterzuentwickeln. Und wir haben zwar unsere Zeitschriften weiter gut herausgegeben und hatten da eine Menge Ideen, aber so ein Schub war erst einmal nicht drinnen. Insofern war dieser Wechsel also sicherlich sinnvoll.

Jetzt gibt es diesen Schub? Ich habe gehört, der Vertrieb soll ausgeweitet werden, stimmt das?

Ja, das ist geplant. Bei bestimmten Produkten könnten wir uns vorstellen einfach noch sichtbarer zu werden. Ob das jetzt in Polen, Rumänien oder Russland ist. Eigentlich in allen Ländern, in denen wir auch eng mit der deutschen Community zusammenarbeiten, aber bislang eher sporadisch unsere Produkte vertrieben haben. Es geht darum, in den Ländern selbst sichtbarer zu sein.

Sollen dann zukünftig mehr Hefte auf den Veranstaltungen ausliegen oder wohin soll das Geld fließen?

Ja, wir werden mehr auf Veranstaltungen vertreten sein, aber es soll auch mehr mit den Partnern zusammengearbeitet werden. In Rumänien zum Beispiel gibt es in jeder Region Wirtschaftsclubs, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten – die würden unser Heft mit Kusshand abnehmen. Hier wollen wir sehen, dass wir einen guten Vertrieb aufbauen.

Bei einer Übernahme eines Medienunternehmens muss man sich meist auch die Frage nach der Unabhängigkeit gefallen lassen. Wie unabhängig bleibt der OWC-Verlag durch die Übernahme von Herrn Schneider mit seiner Schneider Group?

Ich wüsste jetzt nicht, was unsere Unabhängigkeit einschränken sollte.

Ich wüsste jetzt nicht, was unsere Unabhängigkeit einschränken sollte. Ich glaube jeder Verlag hat einmal die kaufmännische und die redaktionelle Seite. Und eine solche Übernahme berührt die Redaktion nicht. Das Team bleibt wie eh und je bestehen. Ich bin weiterhin für die Redaktion verantwortlich. Also stellt sich diese Frage nicht.

Wie ist das denn im kaufmännischen Bereich auf dem Gebiet der Anzeigenkunden? Dort ist Herr Schneider mit seiner Schneider Group, wie sie eben sagten, „einer der größten Kunden“ und eine Konkurrenz zu den übrigen Anzeigenkunden im Consulting-Sektor. Nun ist er aber Gesellschafter mit einer großen Mehrheit. Da gibt es also durchaus Interessenskonflikte.

Wir haben mit unseren Partnern gesprochen und gehen offen mit dieser Information um. Wir haben sehr langfristige und enge Beziehungen zu unseren Anzeigenkunden. Sie kennen und schätzen uns. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die jetzt nur wegen dieser Übernahme, sagen, dass wir nicht mehr interessant sind. Wir sind das führende Außenwirtschaftsmedium in den Bereichen Osteuropa und Asien und wer hier wahrgenommen werden möchte, nutzt unsere Publikationen. Im Einzelnen muss das jeder für sich entscheiden, ob er das möchte oder nicht, aber ich denke, dass wir hier mit unseren langjährigen Partnern weiterarbeiten werden.

Gab es da denn Fälle, in denen das zu Konflikten geführt hat?

Ja, Herr Rowe [Anm. d. Red. Geschäftsführer von RUFIL CONSULTING, einem Konkurrenten der SCHNEIDER GROUP] hat gesagt: „Mit Herrn Schneider möchte ich nicht zusammenarbeiten.“ Das nehmen wir zur Kenntnis. Ansonsten gab es da keine Konflikte.

Was heißt es denn, wenn Herr Schneider sein Engagement als „strategische Investition“ bezeichnet?

Das müssten Sie Herrn Schneider fragen. Er ist der Investor und hat seine Unternehmensgruppe. Ich kann dazu nur soviel sagen, dass er es als eine Herausforderung ansieht, die ihm Spaß machen wird. Sein eines Geschäftsfeld ist eben Buchhaltung, Consulting und dergleichen. Ich glaube, er hat nun einfach Spaß daran, ins Verlagswesen einzusteigen und hier etwas Positives zu bewirken.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Simon Schütt

Fotoquelle

Quelle:

Titelbild und Bilder der Publikationen: Simon Schütt

Bilder von Dr. Jutta Falkner und Ulf Schneider: OWC-Verlag für Außenwirtschaft

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.