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Russischer Geschäftsmann Oleg Deripaska wird EU-Bürger

Der Industriemagnat Oleg Deripaska hat eine zypriotische Staatsbürgerschaft erworben, um ohne Visum in die Europäische Union reisen zu können. Dies geht aus einer Recherche der NGO „Organized Crime and Corruption Reporting Project“ (OCCRP) hervor. 

Nach Angaben der Wirtschaftszeitung Wedomosti soll der einflussreiche Geschäftsmann Oleg Deripaska im Juli 2016 einen Antrag auf eine zypriotische Staatsbürgerschaft gestellt haben, der zunächst abgelehnt wurde. Schließlich sei ein zweiter Antrag im März 2017 akzeptiert worden. Wie ein Stellvertreter des russischen Milliardärs zu Wedomosti gesagt haben soll, habe Deripaska vielseitige Geschäftsinteressen, die eine maximale Reisefreiheit erfordern würden. Allerdings bleibe er weiterhin Staatsbürger Russlands. Seine Steuerpflicht gegenüber Russland werde durch den zypriotischen Pass nicht beeinträchtigt, versicherte Deripaskas Stellvertreter.

Laut des OCCRP erhielt ein weiterer Milliardär die Möglichkeit, eine Staatsangehörigkeit in Zypern zu erwerben: Der russische Großinvestor Wiktor Wekselberg. Doch der Geschäftsmann hat dieses Angebot abgelehnt und besitzt ausschließlich einen russischen Pass, erklärte dessen Pressesprecher. Wie aus einem Bericht der britischen Zeitung The Guardian hervorgeht, hätten mehrere Hundert Personen ein Tauschgeschäft in Anspruch genommen. Offenbar vergibt die Regierung Zyperns seit einigen Jahren Staatsbürgerschaften – und verlangt im Gegenzug Finanzspritzen. Dazu sei es notwendig, entweder 2 Millionen Euro in zypriotische Immobilien oder 2,5 Millionen Euro in Unternehmen oder Staatsanleihen zu investieren.

Zypern will Investoren anlocken

Seit Anfang 2008 wurden 1.685 Staatsbürgerschaften an Großinvestoren vergeben, erklärte das zypriotische Parlament. Die meisten Anträge seien aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, China, Iran und Saudi-Arabien gekommen. Zusätzlich habe Zypern 1.651 Pässe an Familienmitglieder vergeben. Durch die Maßnahme sei ein Gesamtbetrag von 4,5 Milliarden Euro ins Land geflossen – etwa 22,3 Prozent des zypriotischen BIP. Bereits im Mai 2017 berichtete das Nachrichtenportal Bloomberg über das Tauschgeschäft. Damals war die Rede von 2.000 Pässen, die im Rahmen eines Programms verteilt wurden. Mehr als die Hälfte der Pässe seien an Russen vergeben worden.

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Titelbild: ID1974 / Shutterstock.com

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