Österreichische Politikerin Kneissl für Rosneft-Aufsichtsrat nominiert

Ehemalige österreichische Außenministerin könnte erste Frau im Aufsichtsrat werden

Der Aufsichtsrat vom Erdölriesen Rosneft könnte bald ein weiteres prominentes Mitglied aus der europäischen Politik bekommen: die österreichische Politikerin Karin Kneissl. Neben Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder nominierte die russische Regierung auch die ehemalige Außenministerin Österreichs. Kneissl wäre die erste Frau in dem Gremium.

Wie ein am Mittwoch veröffentlichtes Regierungsdekret mitteilte, werde Karin Kneissl als „unabhängige Direktorin“ in den Rosneft-Vorstand berufen. Als nächstes müssen nun die Aktionäre des Erdöl-Giganten über die Aufnahme des neuen Mitglieds entscheiden. Sollten sie dem Vorschlag der Regierung zustimmen, wäre die Österreicherin das vierte ausländische Mitglied in dem hochkarätig besetzen Gremium.

Die internationale Presse kommentierte die Nominierung Kneissls sehr kontrovers. Während einige die mögliche Aufnahme als willkommene Abwechslung in der männerdominierten Führungsebene in Russland werten, sehen viele die Nominierung als Resultat guter Beziehungen zum russischen Präsidenten. Der Aufhänger: 2018 besuchte der russische Präsident Wladimir Putin die Hochzeit von Karin Kneissl in Österreich. Die Diplomatin erzählte den Medien damals, dass sie „spontan“ ihre Regierungskollegen und Putin, der zu dieser Zeit zu Besuch in Österreich war, zur Hochzeit einlud, und dass die Hochzeit als private Veranstaltung geplant war. Die Veranstaltung bekam medial besonders viel Aufmerksamkeit durch Fotos von einem Tanz Kneissls mit ihrem Gast Putin.

Kneissl ist nicht die erste Frau, die für den Vorstand von russlands größtem Ölkonzern nominiert wurde: 2015 wurde Olga Dergunova, damals Leiterin der russischen Bundesanstalt für staatliches Immobilienmanagement, nominiert – aber nicht gewählt.

Ebenfalls als unabhängige Direktoren von Rosneft nominiert sind die Kandidaten, die derzeit schon im Aufsichtsrat sitzen: Gerhard Schröder, Vorsitzender des Aktionärsausschusses von Nord Stream 2, Matthias Warnig, Geschäftsführer der Nord Stream 2 AG, und Hans-Jörg Rudloff, Leiter der Marcuard Holding.

Die Kandidaten der russischen Regierung sind der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak, der Präsidentenberater Maxim Oreschkin und der Rosneft-CEO Igor Setschin, die alle derzeit Aufsichtsratmitglieder sind.

Neben Setschin, Nowak, Oreschkin, Schröder, Warnig und Rudloff gehören dem Rosneft-Vorstand an: Oleg Wjugin, Professor an der Higher School of Economics; Robert Dudley, ehemaliger Präsident von BP; Faizal Alsuwaidi, Präsident für Forschung und Entwicklung bei der Qatar Foundation; Hamad Rashid Al Mohannadi, Mitglied des Kuratoriums der Energy and Sustainable Development Foundation und Vorsitzender des Qatar Community College; und Bernard Looney, Geschäftsführer von BP.

Vielleicht mischt bald eine Frau bei der Männerriege mit – zum Weltfrauentag am 8. März könnte Rosneft damit ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung setzen.

Quelle: Interfax.ru

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