Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Simon SchüttVon

Norddeutsche Wirtschaft von den Russland-Sanktionen stärker betroffen als Deutschland ingesamt

„Die norddeutsche Wirtschaft ist von den EU-Sanktionen gegen Russland stärker betroffen als die Bundesrepublik insgesamt“, teilt die IHK Nord in einer Aussendung vom 8. September mit.

Dem Zusammenschluss der zwölf norddeutschen Industrie- und Handelskammern zufolge gingen die norddeutschen Exporte nach Russland seit der Einführung der Sanktionen im März 2014 um 47 Prozent zurück, im Bundesdurchschnitt dagegen um 37 Prozent.

In absoluten Zahlen sei der Export aus Norddeutschland nach Russland zwischen dem 1. Quartal 2014 und dem 1. Quartal 2016 um 523,5 Millionen Euro zurückgegangen, die Ausfuhren aus Deutschland nach Russland insgesamt um 2,775 Milliarden Euro. Das geht aus den Daten der IHK Nord hervor (Link zum PDF – ein weiterer Blick in die detaillierten Analysen lohnt sich).

„Sanktionen haben russische Wirtschaftskrise verstärkt“

„Der wertmäßige Export ist von rund 500 Millionen Euro im Monat auf die Hälfte geschrumpft und hat sich ab April 2015 bei knapp über 200 Millionen Euro eingependelt“, sagt Fritz Horst Melsheimer, Vorsitzender der IHK Nord und Präses der Handelskammer Hamburg.

Dies entspreche ungefähr dem Niveau der Finanzkrise im Jahr 2009. Damit hätten die Sanktionen die ohnehin seit 2012 grassierende Wirtschaftskrise – maßgeblich bedingt durch Ölpreis- und Rubelverfall – noch einmal spürbar verstärkt, so der IHK Nord-Chef.

Melsheimer sieht in diesem Konflikt das eindeutige Primat der Politik, fordert die EU und Bundesregierung aber zu einem vertieften Dialog mit Russland auf, um die Krise zu entschärfen.

Starke Einbrücke für Hamburg und Bremen

Besonders stark seien die Einbrüche für Hamburg ausgefallen: Hier stürzten die Ausfuhren von 200 auf 12 Millionen Euro (seit Anfang 2015) monatlich ab. Betroffen sind vor allem Exportprodukte wie Kraftwagen, Kraftwagenteile, Maschinen und Datenverarbeitungsgeräte.

Auch die Bremer Einbußen sind groß. Knapp 40 Millionen Euro im Monat wurden hier noch 2014 über den Export nach Russland erwirtschaftet, im Januar 2016 war es nur noch knapp die Hälfte. Wie Zahlen der Handelskammer Bremen belegen, hatte etwa der Kaffeeexport zwischen Januar und November 2014 rund 20 Millionen Euro eingebracht, berichtet der Weser-Kurier. Im gleichen Zeitraum des Folgejahres waren es nur noch gut zehn Millionen. Auch bei Autos und Wohnmobilen haben sich die Einnahmen halbiert, von 238 im Jahr 2014 auf 121 Millionen Euro 2015.

Ernährungsbranche in Norddeutschland von Gegensanktionen betroffen

Über dem Bundesdurchschnitt liegen außerdem die auf die russischen Gegensanktionen zurückzuführenden Rückgänge bei den Ausfuhren von Agrarprodukten und Lebensmitteln, da die Ernährungsbranche in Norddeutschland überdurschnittlich stark ist.

Der Import aus Russland nach Norddeutschland ist nach einem zwischenzeitlichen Hoch von 700 Millionen Euro monatlich Mitte 2014 ebenfalls zurückgegangen – allerdings um einen deutlich geringeren Prozentsatz (Zahlen nennt die IHK Nord hier nicht).

Containerverkehr ging ebenfalls zurück

Die deutschen Seehäfen spüren diese Auswirkungen besonders gravierend: In Hamburg ging der seeseitige Containerverkehr durch die Sanktionen und die Wirtschaftskrise in Russland 2015 um ein Drittel zurück (von 662.094 auf 434.100 Standardcontainer).

In den niedersächsichen Häfen Emden und Brake brach der mit Russland in Verbindung stehende Umschlag laut IHK Nord sogar um mehr als 50 Prozent ein.

Weniger russische Touristen in Norddeutschland

Auch in der norddeutschen Tourismusbranche sind Russlandkrise und EU-Sanktionen spürbar: Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus Russland in Schleswig-Holstein und Bremen ging um etwa ein Drittel zurück, in den übrigen Bundesländern durchschnittlich um 25 Prozent.

2013 lag die Zahl der Übernachtungen aus Russland in gesamt Norddeutschland noch bei 227.306. Im Jahr 2015 waren es nur noch 149.514 Übernachtungen.

Die IHK Nord aus den Industrie- und Handelskammern Niedersachsens, Bremens, Hamburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins vertritt knapp 700.000 Unternehmen in Norddeutschland.

Titelbild

Quelle: Pixabay.com

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.