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Russlands Moody’s-Rating von momentan „Ba1“ wird in den kommenden zwei Monaten bezüglich einer Abstufung überprüft

Seit dem 20. Februar 2015, also seit über einem Jahr, liegt das Rating der Agentur Moody’s für russische Staatsanleihen bei „Ba1“ mit negativem Ausblick. Am Freitag, den 4. März hat die Ratingagentur nun angekündigt, die Staatsanleihen auf eine weitere Abstufung hin zu überprüfen. 

Mit dem Rating von Moody’s wird die Kreditwürdigkeit von Staaten bewertet – also wie hoch das Risiko ist, dass Kredite ausfallen. Aaa ist dabei das höchste Ranking, C das niedrigste; steht die Zahl 1 am Ende, heißt das, dass man sich am oberen Drittel der Ratingspanne befindet, 3 signalisiert das untere Drittel.

Eine Abstufung Russland würde dann also auf B (1,2 oder 3) erfolgen. Damit würde das Land in den Bereich der „hochspekulativen Anlagen“ rutschen. Momentan sind russische Staatsanleihen laut Moody’s nur eine „spekulative Anlage“.

Was nun überprüft wird

„Während der Untersuchung wird Moody’s die Auswirkungen des weiter deutlich gesunkenen Ölpreis auf die russische Wirtschaft und die Regierungsbilanz überprüfen“, heißt es von der Agentur. Moody’s erwartet, dass der Ölpreis für einige Jahre niedrig bleibt. Auch die Finanzierungsoptionen der Regierung für ein Defizit in den kommenden Jahren ständen auf dem Prüfstand.

Die Prüfung soll innerhalb von zwei Monaten abgeschlossen werden. Es sei unwahrscheinlich, dass Moody’s das derzeitige Rating bestätige, sagte das Unternehmen. Eine mögliche Abwertung sei aber wohl auf nur eine Stufe begrenzt.

Niedrige Ölpreise sind Gefahr für Russlands Rating

Die momentan niedrigen Ölpreise sind wie erwähnt ein wesentlicher Faktor bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes. Moody’s erklärt in der Mitteilung: „Russland ist in hohem Maße abhängig von Kohlenwasserstoffen, um das Wirtschaftswachstum anzutreiben und Haushaltsausgaben zu finanzieren. Öl und Gas sind für fast 60 Prozent der Exporte und etwa 17 Prozent des BIP verantwortlich. Kohlenwasserstoffe haben 2015 immer noch rund 43 Prozent der Einnahmen der russischen Regierung ausgemacht“.

Zwischen September 2014 und September 2015 hätten sich die weltweiten Ölpreise etwa halbiert. Und seit Herbst seien die Ölpreise noch einmal um weitere 40 Prozent auf etwa 30 Dollar pro Barrel gefallen (Stand 7.3.2016 allerdings: 39 Dollar).

Moody’s hat seine Ölpreiserwartungen für 2016 auf 33 Dollar für ein Fass der Sorte Brent und für 38 Dollar im Jahr 2017 gesenkt. Danach schätze man, dass der Preis bis 2019 auf 48 Dollar ansteige, sagte die Ratingagentur. Die Abwertung des Rubel gegenüber dem Dollar um rund 27 Prozent seit Anfang 2015 habe einen Schock bei den russischen Staatseinnahmen aber zu Teilen abgefangen.

Neben dem Rating Russlands wackelt auch die Bewertung weiterer Ölförderländer. Elf weitere Länder werden nun bezüglich Abstufungen überprüft. Darunter auch Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kasachstan. Die vier Länder Bahrain, Aserbaidschan, Oman und die Republik Kongo wurden schon niedriger bewertet.

Agentur rechnet mit geringem Wachstum

Für die nächsten vier Jahre rechnet Moody’s für Russlannd mit einem realen Wachstum von nur 0,4 Prozent im Vergleich zu den vorherigen vier Jahren.

„Auch wenn die russische Regierung sich von dem schwächeren Rubel eine bessere Wettbewerbsfähigkeit verspricht und Investitionen in der Industrie außerhalb des Öl-Sektors erwartet, schätzt Moody’s, dass die potenzielle Wachstumsrate nicht bedeutend ansteigen wird.“ Das liege an den strukturellen Problemen der Wirtschaft, insbesondere chronischem Mangel an Investitionen.

Auch die deutlichen Einschnitte bei den Reallöhnen wirkten sich wohl auf den Konsum aus, daher seien Budget-Einsparungen der Regierung nun nötig.

Mit Rubel-Float konnte Russland die Reserven retten

Russland hat große Reserven, die sich für die Bewertung der Staatsanleihen positiv auswirken. Moody’s kommentiert dazu: Der Wechsel zu einem schwebenden Rubelkurs habe die Fremdwährungsreserven bewahren können. Die Reserven blieben mit 310 Milliarden Dollar (oder 28 Prozent des geschätzten BIPs für 2016) weiterhin groß. Sie könnten aber belastet werden, wenn weiterhin Kapital in großem Maße aus dem Land abfließe oder wenn die russische Zentralbank die Banken unterstützen müsste, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Statement.

Moody’s sieht außerdem eine Gefahr darin, dass sich die Regierung unter dem jetzigen Druck auf die Staatsfinanzen zu sehr auf eine schwache Währung verlässt, um die niedrigen Ölpreise auszugleichen oder auf eine Zentralbank-Fianzierung zurückgreift. „Beides würde die Inflation auf relativ hohem Niveau halten und die Erholung des heimischen Bankensystems gefährden.“

Was laut Moody’s zu einer Abstufung russische Staatsanleihen führen könnte:

  • Die Agentur kommt zu dem Urteil, dass die Pläne der Regierung nicht geeignet sind, die russische Wirtschaft zu stabilisieren
  • Zeichen einer bevorstehenden fiskalen Krise oder einer Krise der Zahlungsbilanz
  • weiterer Ölpreisverfall
  • signifikanter Kapitalabfluss
  • Druck auf den Wechselkurs oder die Fremdwährungsreserven
  • Probleme / nötige Stützung des Banken-Systems
  • Verschlechterung des heimischen oder regionalen politischen Umfelds, die zu Störungen bei der Öl-Produktion oder bei ausländischen Investitionen führen könnten.

Was laut Moody’s die Wertung stabilisieren könnte:

  • Belege für die institutionelle Stärke wie die Artikulation einer klaren, glaubwürdigen finanzpolitischen und wirtschaftspolitischen Antwort darauf, wie die Regierung die fiskalen Defizite auf eine Größe begrenzen könnte, sodass sie von eigenen Ersparnissen, heimischen oder externen Ressourcen finanziert werden können, ohne dabei auf eine Monetarisierung der Zentralbank angewiesen zu sein.
Titelbild

Quelle: peanutian, DSC_0371, Size changed to 1040×585. (CC BY-SA 2.0)

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