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Immer weniger Einwanderer in Russland

Innerhalb der letzten sechs Jahre hat sich die Anzahl der nach Russland einreisenden Migranten auf ein Minimum reduziert. Experten fordern die Schaffung von Anreizen, um die sinkende Bevölkerungszahl zu drosseln. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung Wedomosti.

Russland verliert zunehmend an Attraktivität für Einwanderer aus dem Ausland. Laut einer Studie der Russischen Akademie der Wissenschaften seien in der ersten Hälfte von 2017 so wenig Menschen ins Land eingereist wie seit 2011 nicht mehr. Gleichzeitig verließen jedoch immer mehr Menschen das Land. Wie sich aus den Daten erschließen lässt, wäre man ohne die Migranten aus der Ukraine sogar unter das Niveau von 2010 gefallen.

Einwanderer gleichen nur noch 85,7% des Bevölkerungsverlusts aus

Jedoch könnten Einwanderer gerade jetzt den Trend der insgesamt sinkenden Bevölkerungszahl in Russland kompensieren: Zum ersten Mal seit 2010 werden weniger Menschen in Russland geboren als Menschen, die sterben. Einer Statistik von Rosstat zufolge konnten nur 85,7% der Bevölkerungsabnahme durch Einwanderung ausgeglichen werden.

Wie die Russische Akademie der Wissenschaften in ihrer Studie hervorhob, wird sich dieser Umstand wohl auch im zweiten Halbjahr nicht mehr ändern. Im letzten Jahr habe sich der Zuwachs aus Staaten der Eurasischen Wirtschaftsunion erschöpft, ausgenommen Kirgistan. Zusätzlich sei die Anzahl der Einwanderer aus Moldawien sowie der Ukraine gesunken und werde dies auch weiter tun.

Unternehmen befürchten Arbeitnehmermangel

Insgesamt scheint es laut des Instituts für Demographie an der Hochschule für Wirtschaftswissenschaften eher unwahrscheinlich, dass sich der natürliche Populationszuwachs, ohne Einwanderung von außen, in den nächsten Jahren vergrößern wird. Hierfür seien in den neunziger Jahren zu wenige Mädchen geboren worden.

Experten vermuten, dass die Bevölkerungsabnahme russische Unternehmen vor neue Herausforderungen stellen wird. Nachfrage von Unternehmen nach Arbeitern wächst seit Mitte 2016 – und das bei einer Arbeitslosenquote von 5,2%. Die Bevölkerungsabnahme könne laut der russischen Zentralbank zu solch höheren Löhnen führen, die den Produktivitätswert überstiegen.

Wer in Russland studiert hat, soll auch bleiben dürfen

Wie Lilia Owtscharowa vom Institut für Sozialpolitik an der russischen Higher School of Economics bemerkt, fehlt es an Anreizen und Unterstützung für Migranten in Russland. Um Menschen ins Land und an den Arbeitsmarkt zu bringen, müsse man all jenen ermöglichen, in Russland zu bleiben, die dort auch studiert haben. Nur so könne dem Trend entgegengewirkt werden, wenngleich es nicht reiche, um ihn vollständig aufzuhalten.

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