Simon SchüttVon

Stadtverwaltung kündigt Schließung der Metro-Station Mjakinino am 22. August an – sieht dann aber davon ab

Die Moskauer Stadtverwaltung hatte sich am 16. August entschieden, die Metro-Station Mjakinino am 22. August zu schließen. Der Moskauer Bürgermeister kündigte aber mittlerweile an, die Station in Krasnogorsk im Norden der Stadt (blaue Metro-Linie) werde doch nicht geschlossen. Mjakinino ist die erste von privatem Geld gebaute U-Bahn-Station der russischen Hauptstadt.  

Der Bau kostete rund 20 Millionen US-Dollar. Der Investor, die Crocus Gruppe, hatte die Station in der Nähe des Einkaufszentrums Crocus City Mall und des Crocus Expo-Messegeländes gebaut.

Im Ausstellungszentrum findet von 24. August bis zum 4. September der „Moscow International Automobile Salon 2016“ und von 25. August bis zum 28. August die „Interauto“-Messe statt. Messebesucher, die per Metro anreisen, könnten also davon betroffen sein.

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Station verletzt Transportsicherheits-Gesetz – bestimmte Dokumente liegen nicht vor

Der Grund für die angekündigte Schließung sei die Verletzung des Gesetzes „Über die Transportsicherheit“, berichtet der Kommersant. Das Unternehmen habe seit dem Bau der Station 2009 nicht alle nötigen Dokumente eingereicht.

Man habe in den vergangenen fünf Jahren versucht, den Streit beizulegen und das Unternehmen angewiesen, die Mängel zu beseitigen. Die Schließung der Station sei eine extreme Maßnahme, um die Einhaltung des Gesetzes durchzusetzen, heißt es vom Büro des Bürgermeisters der Stadt.

Ein Insider sagte dem Kommersant: Strukturell sei die Station sicher, es fehlten etwa die Dokumente über die Menge von Detektoren und Überwachungskameras.

Die Crocus Group hat sich noch nicht dazu geäußert. Eine angesetzte Pressekonferenz wurde kurzfristig abgesagt.

Update: Moskaus Bürgermeister sagt, dass die Station doch nicht geschlossen wird

Nun kommt es aber offenbar doch nicht zur Schließung der Station. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin schrieb nämlich am 17. August auf Twitter: „Die Station wird nicht geschlossen.“ Die Crocus Group solle die Probleme, „die es schon das siebte Jahr nicht lösen konnte“, aber zeitnah beseitigen.

Am Vortag hatten Bürger der Region Krasnogorsk, in der sich die Station befindet, begonnen, Unterschriften gegen eine Schließung zu sammeln. Der Leiter der Gemeinde äußerte sich zudem, dass die Schließung der Station massive Staus verursachen werde. Auch die bevorstehenden Messen dürfen eine Rolle gespielt haben.

Titelbild

Quelle: Автор: Vanes007 – собственная работа, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.