Philipp RoweVon

Mein Lada Niva – Teil 3: Die Ausfuhr und die Fahrt von Russland nach Montenegro

Dieser Artikel ist die Fortsetzung der dreiteiligen Artikel-Serie „Wie ich zu meinem Lada Niva kam“. Hier geht es zum 1. Teil und hier zum 2. Teil

Von Anfang an war es mein Ziel, den Lada Niva aus Russland auszuführen. Nur so konnte man ja wirklich vom einmalig niedrigen Rubelkurs profitieren.

Ich hatte zuerst mit dem Gedanken gespielt, den Wagen nach Deutschland zu bringen – der Lada Niva 2131, die lange Version ist bis heute noch nicht auf dem deutschen Markt erhältlich – und ihn dort weiterzuverkaufen. Die deutschen Zulassungsbedingungen machten mir jedoch einen Strich durch diese Rechnung – spätestens an der zu niedrigen Schadstoffklasse wäre es gescheitert. Deshalb also dann doch Montenegro, denn dort waren die Zulassungsnormen für ausländische Fahrzeuge bei weitem nicht so streng und auch vom Gelände her passte der Wagen viel besser in das Land der schwarzen Berge.

Die Einfuhr- und Zulassungsbedingungen für Montenegro waren mit der Hilfe meines montenegrinischen Steuerberaters und der von ihm mir empfohlenen Zollbroker relativ einfach und schnell recherchiert. Aber wie sah das mit den Ausfuhrvorschriften für Autos aus Russland aus?

Ich wusste, dass man zuerst eine Ausfuhrzollerklärung ausfüllen musste. Aber wie genau der Vorgang der Ausfuhr zu erfolgen und bei welchem Zollamt ich die die Ausfuhr anmelden und die Ausfuhrzollerklärung abgeben sollte, das sollte nicht so einfach herauszufinden sein.

Die Ausfuhrzollerklärung für den Lada Niva

Anscheinend war man sich beim russischen Zoll darüber selbst nicht im Klaren, denn bevor ich überhaupt aus Moskau abfuhr, bekam ich auf meine Frage, wie man als russisches Unternehmen ein russisches Auto auf eigener Achse ausführt, bei jedem eine andere Antwort. Als Erklärung: Das Auto war auf meine russische Firma registriert und sollte an meine montenegrinische Firma verkauft – also exportiert – werden.

Hier folgt nun ein Überblick über die verschiedenen Antworten, die mir die russischen Zollauskunftstellen haben und die meine Verwirrung vor meiner Abfahrt verdeutlichen. Verschiedene russische Zollauskunftstellen sagten mir,

  • dass die Ausfuhrzollerklärung beim Binnenzollamt Moskau/ Khimki abgegeben werden kann oder muss.
  • dass die Ausfuhrzollerklärung beim russischen Zollamt an der Grenze zwischen Russland und Weißrussland (meine Route führte von Russland über Weißrussland, Polen, die Slowakei, Ungarn und Serbien nach Montenegro) abgegeben werden muss.
  • dass die Ausfuhrzollerklärung beim Zollamt Brest an der Außengrenze der russisch-weißrussischen Zollunion zu Polen abgegeben werden muss.

Dazu kamen noch solche Antworten wie „Das geht nicht!“, „Das ist unmöglich!“ oder „Dafür sind wir nicht zuständig!“. Typische Abblock- oder Arbeitsvermeidungsantworten wie man sie leider häufig von Beamten oder unmotivierten Mitarbeitern hören muss und die in Wirklichkeit meist einfach nur bedeuten, dass der Gefragte nicht weiß, wie es geht, dies nicht eingestehen will und/ oder zu bequem ist, es herauszufinden.

Anti-Kunden-Antworten also. Auf diese Art von Antworten werde ich hier nicht weiter eingehen.

Die beste Art, um herauszufinden, wo man die Ausfuhrzollerklärung wirklich abgeben muss, war es natürlich, einfach loszufahren. Es ging also zuerst zum Zollamt Moskau/Khimki. Nach zwei Stunden Stop-and-Go durch den besten Moskauer Berufsverkehr – die Moskauer nennen das „zähes Fahren“ – und einer Stunde Wartezeit auf der Zollstation, bekam ich die Antwort, das man nicht zuständig sei und ich mich mit meinem Anliegen bitte direkt an das russische Zollamt an der Grenze wenden solle.

Nicht ohne mir herzlichst seinen Respekt dafür auszudrücken, dass ich als Deutscher ein russisches Auto exportieren wollte, wünschte mir der diensthabene Zolloffizier eine gute Fahrt.

Unterwegs in Richtung West, Süd-West

Also ging es wieder zurück über den gut gefüllten Moskauer Autobahring und nach zwei weiteren Stunden im Stau war ich dann endlich auf der Schnellstraße, die mich von Moskau aus in Richtung Westen und Süd-Westen über Smolensk, Minsk, Brest und dann weiter über Polen, die Slowakei, Ungarn und Serbien nach Montenegro bringen sollte – zusammen ca. 2800 km.

An der Grenze zwischen Russland und Weißrussland erfolgte keinerlei Kontrolle. Man fuhr an den Auf-Wiedersehen- und Willkommen-Schildern mit den Hoheitszeichen einfach vorbei.Aber auch, wenn diese Schilder mit den Hoheitszeichen dort nicht gestanden hätten, hätte man gemerkt, dass man von einem Land in ein anderes fährt, denn hinter der weißrussischen Grenze wurde es sofort sauberer, ordentlicher, gepflegter und z.B. Straßen, Häuser, und Autos wirkten irgendwie freundlicher.

Nach einem langen Tag Fahrt – der Umweg über das Binnenzollamt Moskau/ Khimki hatte viel Zeit gekostet – kamen wir spät nachts in Minsk an, übernachteten dort und fuhren gleich am nächsten Morgen weiter in Richtung Westen. Gegen Mittag erreichten wir Brest und fuhren zum dort befindlichen großen Zollterminal direkt vor der Grenze zu Polen und der Europäischen Union.

Mein Anliegen, der Export eines russischen Autos auf eigener Achse, war auch hier etwas Besonderes mit dem sich gleich mehrere Zöllner unter Zuhilferufen ihrer Vorgesetzten befassten. Das dauerte vielleicht eine halbe Stunde, nach der ich dann jedoch nicht die Ausfuhrzollerklärung einreichen durfte, sondern die Auskunft erhielt, dass man dort nicht zuständig sei und ich mit dem Anliegen zum Zollamt Moskau/ Khimki wenden solle.

Möglicherweise hatten die Mitarbeiter in all der Aufregung über diesen ungewöhnlichen Fall, in dem ein Deutscher ein russisches Auto exportieren möchte, Richtung, Ziel und Herkunft von mir und meinem Wagen verwechselt. Vielleicht wollten sie diesen Fall auch bloß schnell wieder loswerden.

Zurück nach Moskau zu fahren, wo ich ja gerade herkam und wo ich wusste, dass die Zöllner dort auch nicht mehr wussten und tun konnten, und mich abermals wegschicken würden, kam für mich natürlich nicht in Frage.

Aber so ruhig und selbstverständlich wie die weißrussischen Zöllner mir diese Antwort gaben, schienen sie es in vollem Ernst zu meinen und es berührte sie offenbar nicht im Geringsten, dass ich gerade aus Moskau/ Khimki kam und dass der Weg zurück eine weitere Tagesreise bedeuten würde.

Über die Grenze nach Westen

Zurückzufahren war für mich also keine Option.

In dieser Situation machte sich bei mir schon fast so etwas wie Verzweiflung breit. Ich sah mich und meinen Lada schon im russischen Zuständigkeitsgewirr stecken und an der russichen Außengrenze kleben bleiben. Als lebendes, bzw. blechernes Beispiel dafür, dass die russische Bürokratie sich selbst im Wege steht und es noch nicht einmal möglich ist, ein einfaches Auto aus Russland zu exportieren.

Es gab für mich also nur eine Richtung – vorwärts in Richtung Westen. Sollte ich den Wagen nicht über die Grenze bekommen, wäre ich wahrscheinlich auch bereit gewesen, zu Fuß hinüberzugehen und den Wagen zurückzulassen.

Mit diesen Gedanken im Kopf wollte ich nun aufs Ganze gehen und ohne die Ausfuhrzollerklärung zu haben, reihte ich mein Fahrzeug in die Schlange für den normalen PKW-Verkehr ein. Nach relativ geringer Wartezeit war ich an der Reihe.

Mein Herz klopfte. Ich erwartete das Schlimmste. Aber als ich den Grenzern alle meine Papiere gab und sie erkannten, dass ich als Deutscher einen russichen Wagen exportieren wollte, hatte ich schnell ihr ungeteiltes Interesse und volle Sympathie.

Es bildete sich eine Traube freundlicher Grenzbeamter, die mit mir fachsimpelten und allerlei Tipps und Ratschläge austauschten. Motorraum und geräumiges Inneres des „neuen“ Nivas, 2015er Baujahr, wurden mit großem Interesse und Bewunderung in Augenschein genommen. Gleichzeitig und nebenbei wurde mir von den Beamten eine ganz einfache Ausfuhrzollbescheinigung ausgehändigt und die Ausfüllung derer wurde mir genau erklärt.

Dann hieß es „Gute Fahrt“ und mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen.

Der Rest der Strecke verlief im Vorbeifahren und die Eindrücke der unterschiedlichen Ländern, die auf dem Weg lagen, möchte ich hier in aller Kürze schildern.

Russland, Weißrussland, Polen, Slowakei, Ungarn, Serbien und Montenegro

In Ostpolen, gleich nach der Überquerung der Grenze, ging die Fahrt in südlicher später in süd-westlicher Richtung weiter. Die Strecke verlief entlang der polnischen Grenze zu Weißrussland und der Ukraine, die wir wegen des Bürgerkrieges umfahren mussten. Also immer an der Ost-Grenze der EU entlang. Dann durchquerten wir recht zügig die Slowakei, wo wir endlich und das erste Mal auf dieser Strecke Berge zu Gesicht bzw. unter die Räder bekamen, dann Ungarn, mit seiner beeindruckenden endlosen Ebene und schließlich kamen wir an die serbische Grenze, wo zum ersten Mal wieder kontrolliert wurde.

Bei den serbischen Zöllnern war der Lada Niva mit dem russischen Transitkennzeichen wieder der Sympathieträger. „Russland ist gut“, hört man in Serbien oft, wenn man mit dem russischen Auto fährt oder die Leute merken, dass man Russisch spricht.

Wenn man dann sagt, dass man Deutscher sei, der in Russland lebe, dann heißt es immer „Deutschland ist auch gut.“ So jedenfalls meine fast tägliche Erfahrung in Serbien und Montenegro.

Auch hier in Serbien. erzählte mir fast jeder Zöllner oder Verkehrspolizist, mit dem ich zusammentraf, dass er entweder selbst einen Lada Niva habe, hatte oder jemanden kenne, der einen habe. Und auch hier konnten die meisten kaum glauben, dass ein Deutscher ein russisches Auto fährt. Probleme mit der Einreise oder im Hinblick auf den Transitzoll wurden uns keine gemacht. Das Fahrzeug, das für den Export nach Montenegro bestimmt war, wurde ohne große Kontrollen und Formalitäten durchgewunken.

Das nächste Ziel hieß Belgrad. Hier übernachteten wir und besichtigten am nächsten Vormittag die Stadt. Mittags ging es weiter auf der Autobahn Richtung Süden bis Kragujevac. Von dort aus weiter auf Landstraßen, die durch die wunderschöne Berglandschaft Südserbiens mit ihren traditionellen Dorfwirtschaften, Misthaufen und Pferdefuhrwerken, wie ich sie in keinem anderen Land zuvor gesehen hatte, schlängelten. Es sah dort so aus, wie ich mir deutsche Bergdörfer vor 100 Jahren vorgestellt hatte.

Der Lada Niva ist nun endlich in Montenegro

Die Landstraßen über die Berge Südserbiens führten, weil wir eine der richtigen genommen hatten, nach einer weitere Tagesfahrt an einen der drei Hauptgrenzübergänge nach Montenegro.

Dort warteten schon Mitarbeiter des mir empfohlenen Zollbrokers, die mit allen Formalitäten des Fahrzeugimports halfen, sodass wir schon wenig später weiterfahren konnten. Am nächsten Tag – es ist dabei eine Frist von maximal 24 Stunden einzuhalten – brachte ich das Fahrzeug in die Binnenzollstation Podgorica, wo der Wagen entzollt wurde. Schon nach ein paar Tagen konnte der Wagen von mir abgeholt werden.

Bis heute ist mein erster Lada Niva in Montenegro fast täglich in den Bergen und auf den Straßen Montenegros im Einsatz. Er hat sich auch hier als das perfekte Auto für Familie, Hobby, Understatement und Autoaskese bewiesen.

Für alle, die so etwas suchen, empfehle ich den Lada Niva 2131 ohne Einschränkung.

Gute Fahrt.

Dieser Artikel ist die Fortsetzung der dreiteiligen Artikel-Serie „Wie ich zu meinem Lada Niva kam“. 

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Und hier zum 2. Teil

Titelbild

Quellen:

Artikel: Dieser Artikel ist zuerst bei www.philipprowe.de erschienen.

Philipp Rowe
Über den Autor

Philipp Rowe ist Herausgeber und Gründer von Ostexperte.de. Seit 2007 lebt und arbeitet er als Unternehmensberater in Moskau und seit 2017 besucht er regelmäßig Shanghai und China. Zu seinen Hobbies und Interessen zählen Reisen, Lesen, Fremdsprachen, Surfen, Filmen und Business.

Seine Kunden sind in erster Linie deutsche und internationale Unternehmen, welche in Russland und China Geschäfte machen.

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