Medizinisches Cannabis in Asien: China hält sich weiterhin zurück

Weitere Zurückhaltung von China beim Thema Cannabis-Legalisierung

Während sich die Einstellung zum Thema Cannabis in vielen Regionen Asiens ändern, bleibt China weiter vorsichtig – und verfolgt seine Null-Toleranz-Politik.  

China ist ein Trendsetter. Nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Politik setzt das Land immer wieder Impulse, die in der ganzen Welt aufgegriffen werden. Es gibt aber auch Gebiete, bei denen die Volksrepublik gegen den Strom schwimmt. Dazu gehört auch medizinisches Cannabis. Denn während sich die Einstellung zu diesem Thema in der Region langsam wandelt, bleibt China hart. Der weltweit größte Exporteur von Nutzhanf verfolgt eine Null-Toleranz-Politik, sobald es um den Konsum der Pflanze geht. Damit könnte das Land bald alleine dastehen. 

Vorsichtiges Umdenken in der Region

Denn in der Region hat ein Umdenken eingesetzt. Es wird zwar noch lange dauern, bis asiatische Verbraucher bei einem Dispensary vorbeischauen können um ihr bevorzugtes Gras der Sorten Polar Express oder Pennywise zu kaufen. Von Zuständen wie in Kanada oder den USA ist die Region noch weit entfernt. Doch erste Länder zeigen sich für die medizinische Nutzung offen. Sowohl Taiwan als auch Südkorea haben Forschungsprogramme für medizinisches Cannabis gestartet. Und auch in Japan wird derzeit ein Gesetz diskutiert, das den Einsatz von Cannabis als Arznei ermöglichen soll. Mit seiner harten Haltung riskiert China, in den Rückstand zu geraten. 

Medizinisches Potential gilt als gesichert

Denn es zeichnet sich schon jetzt ab, dass Cannabis im 21. Jahrhundert einen festen Platz im Arsenal der Medizin haben wird. Zahlreiche Studien legen einen Nutzen der Inhaltsstoffe bei verschiedenen Krankheitssymptomen nahe. Und auch aus der klinischen Praxis kommen zahlreiche Erfolgsbeispiele. Besonders verbreitet sind die Anwendung bei chronischen Schmerzen, Appetitstörungen und Krampfanfällen. Darüber hinaus wird erforscht, welches Potential die isolierten Inhaltsstoffe der Pflanze haben. Das Wirkspektrum von Cannabis könnte in Zukunft einige etablierte Medikamente obsolet machen. 

China zeigt kein Interesse

Dennoch teilt die Regierung in Peking diesem Forschungsgebiet eine Absage. Als eines von wenigen Ländern der Welt verbietet China bis heute das Hanfextrakt CBD, das hierzulande freiverkäuflich ist. Obwohl diese Substanz keine berauschende Wirkung hat, fällt sie unter dieselben Gesetze wie Cannabis. Lediglich die Nutzung der Samen im Rahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin wird toleriert. Auf den Konsum von Cannabis stehen bis zu 15 Tage Inhaftierung sowie Geldstrafen bis zu 300 Euro. Die Strafen für Anbau und Handel fallen deutlich höher aus. Damit bewegt sich das Land zwar in dem Rahmen, der auch in Europa aktuell noch üblich ist. Aber während die Zeichen im Westen auf Lockerung stehen, gibt es in China keine Anzeichen für ein Umdenken. 

Gründe für die Zurückhaltung

Die Regierung befürchtet vermutlich, dass der Konsum von Cannabis sich negativ auf Leistungsfähigkeit und Moral der Gesellschaft auswirkt. Aus diesem Grund begrenzt Peking auch andere Aktivitäten, die im Westen kaum reguliert werden. So schränkte die Regierung in den letzten Jahren die Zeit ein, die Minderjährige mit Computerspielen und auf sozialen Netzwerken verbringen dürfen. Damit reagiert sie auf einen Abfall der schulischen Leistung bei Kindern, die zu viel Zeit mit digitalen Medien verbringen. In westlichen Ländern kommen Politiker hingegen immer öfter zu dem Schluss, dass ein Verbot des Konsums von Cannabis nicht zielführend ist. Welcher dieser beiden Ansätze der Richtige ist, wird sich in Zukunft zeigen. 

Titelbild
megaflopp / Shutterstock.com