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Behörden verhaften Manager von Kaspersky Lab in Russland

Ein Manager des IT-Sicherheitsunternehmens Kaspersky Lab, der für die Untersuchung von Hackerangriffen verantwortlich ist, wurde in Russland wegen Landesverrats verhaftet. Dies teilte das Unternehmen am heutigen Mittwoch mit, berichtet die Nachrichtenagentur AP

Ruslan Stojanow war beim IT-Sicherheitsunternehmens Kaspersky Lab für Störfälle in IT-Systemen verantwortlich. Der Mitarbeiter befindet sich nach Angaben von AP bereits seit Dezember in Haft. Angeblich wurde er gemeinsam mit einem Offizier des russischen Geheimdienstes FSB festgenommen. Beide werden des Landesverrats bezichtigt. Bekannt wurde der Fall erst heute – nach einer offiziellen Stellungnahme des Unternehmens.

Kontakt zu Geheimdienstkreisen

Die Sprecherin Maria Shirokowa erklärte gegenüber AP, dass die Festnahme „nichts mit Kaspersky Lab und seinen Tätigkeiten zu tun hat“. Dem Unternehmen sei nicht bekannt, aus welchen Gründen der Mitarbeiter beschuldigt wird. Jedoch führe die Aufarbeitung des Falls auf eine Zeit zurück, in der Stojanow noch nicht bei Kaspersky Lab gearbeitet habe.

In den 2000er-Jahren arbeitete Stojanow unter anderem in der Cybercrime-Abteilung des russischen Innenministeriums. Es ist anzunehmen, dass er dort Kontakt zu Geheimdienstkreisen aufgebaut hat. Ob der Vorwurf mit Kaspersky Lab in Verbindung steht, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

Belastung für Kaspersky Lab

Trotzdem sei damit zu rechnen, dass die Affäre eine Belastung für das Verhältnis zwischen Kaspersky Lab und den russischen Ermittlungsbehörden ist. Diese Vermutung äußerte der langjährige Branchenkenner Andrej Soldatow gegenüber AP. Zwischen dem für seine Computer-Software berühmten Unternehmen und dem russischen Geheimdienst FSB besteht eine informelle Verbindung, bei der Kaspersky Lab in einer beratenden Funktion auftritt.

Interessante Einblicke erhielt Ostexperte.de bei einem Interview mit dem Enterprise Solutions Director des Unternehmens. Der Mitarbeiter befürwortete eine Zusammenarbeit mit Regierungen im Kampf gegen die internationale Kriminalität:

„Die IT-Sicherheitsindustrie muss Regierungen weltweit unterstützen, auch Kaspersky Lab. Wir kooperieren mit Interpol und Cyberpol bei diversen Ermittlungen in verschiedenen Ländern. Das muss sein. Aber nur, wenn es legal ist.“

Titelbild

Foto: Simon Schütt

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