Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Ostexperte.deVon

Wenn Sie sich bereits in Russland mit Jobsuche beschäftigt haben, werden sie es kennen: das Karriereportal HeadHunter. Der bisherige Eigentümer, der russische Online-Konzern Mail.ru Group, hat es nun für 10 Milliarden Rubel verkauft. 

Der Käufer von Headhunter (hh.ru) soll laut RBC eine Investorengruppe namens „Elbrus Kapital“ sein. Gestern sei der Deal abgeschlossen worden, schreibt RBC.

Das Geschäft solle in zwei Phasen abgewickelt werden. 5,5 Milliarden Rubel hat die Mail.ru-Gruppe bereits erhalten. Die verbliebenen 4,5 Milliarden sollen bis 30. April gezahlt werden.

Nur 10 Milliarden, fragen Sie sich? Die Summe von 10 Milliarden Rubel, umgerechnet rund 125 Millionen Euro, scheint für eines der größten Jobportale Russlands, der Ukraine, Weißrusslands, Kasachstans und Aserbaidschans ein vergleichsweise geringer Preis zu sein. Zu HeadHunter gehören auch die Websites Career.ru und Работа@Mail.Ru. Im Januar 2016 hatte die Website hh.ru laut Similarweb.com über 33 Millionen Besuche.

„Ziemlich bescheidener Preis“

Natalia Godschajewa, Chefin des Konkurrenten Superjob.ru. zeigte sich gegenüber RBC ebenfalls erstaunt, dass der endgültige Betrag der Transaktion „ziemlich bescheiden“ sei. Aber das sei verständlich. „Die wirtschaftliche Situation auf dem Markt insgesamt ist für Verkäufer nicht sonderlich günstig“, sagte sie.

Und die Mail.ru-Group war darauf angewiesen zu verkaufen. Der wesentliche Grund für den Verkauf war wohl, dass Mail.ru nach dem Kauf von VKontakte 2014, dem populärsten sozialen Netzwerk Russlands, Kredite zurückzahlen muss. Für den Kauf von 48 Prozent der Anteile nahm das Unternehmen bei der Gasprombank einen Kredit von 22,2 Milliarden Rubel auf. Zudem waren die Umsätze von HeadHunter 2015 um 1,5 Prozent gesunken.

Sein Geld verdient HeadHunter mit den Daten der Nutzer. Das Suchen von freien Stellen ist kostenlos, Stellengesuche einzustellen kostet. Um auf Lebensläufe zugreifen zu können und für Arbeitsvermittlung muss man ebenfalls zahlen (siehe Website).

Zum 31. Dezember 2015 belief sich die Höhe der ausstehenden Schulden der Mail.ru-Group auf 6,9 Milliarden Rubel, geht aus dem Jahresbericht des Unternehmens hervor. Nun hoffe es, die Schulden noch in diesem Jahr begleichen zu können, schätzt Alexander Wengranowitsch, Analyst bei der Otkrytije-Bank. Das Geschäft sei daher für beide Seiten vorteilhaft.

Lang angebahnter Deal

Für Headhunter bieten sich durch die neuen Investoren hingegen weitere Entwicklungsmöglichkeiten.

Der CEO von HeadHunter selbst, Michail Schukow, erklärte, dass das Unternehmen den Deal mit „Elbrus Kapital“ angestrebt habe, weil der neue Eigentümer am Wachstum des Unternehmenswerts durch die Entwicklung der technologischen Komponente interessiert sei. Auf kurze Sicht könne sich HeadHunter unter anderem auch durch Akquisitionen anderer Unternehmen entwickeln. Welche Unternehmen in Frage kämen, wollte er nicht sagen.

Der Deal zwischen Mail.ru und dem Private Equity Fonds „Elbrus Kapital“ hatte sich schon lange angebahnt. Seit Herbst 2014 gab es Verhandlungen, im November 2014 wurde ein Abkommen unterzeichnet, dass das Geschäft im Februar 2015 abgeschlossen werden sollte, doch es platzte. Schuld daran war damals vor allem der starke Rubelverfall. Ausländische Investoren verließen deswegen nämlich das Konsortium. Auch damals stand angeblich die Summe 10 Milliarden Rubel im Raum.

Fast Jahr verbrachte Elbrus Kapital darauf mit der Suche nach neuen Partnern, auch Goldman Sachs wurde dabei kurz ins Spiel gebracht. Nun hat man offenbar Investoren gefunden (wer an Elbrus Kapital beteiligt ist, sehen Sie hier).


Uns interessiert Ihre Meinung: Sind Sie bereits mit HeadHunter in Berührung gekommen? Was sagen Sie zum Verkauf? Sind 10 Milliarden Rubel ein Schnäppchen?

 

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