Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Thorsten GutmannVon

LinkedIn in Russland aus App Store und Google Play entfernt

Die App des Business-Netzwerks LinkedIn wurde für russische Nutzer aus dem App Store (iOS) bzw. Google Play (Android) entfernt. Dies berichten das Online-Magazin Republic (vorher Slon) sowie The New York Times. Im November ließ die Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor den Zugang zu LinkedIn in Russland sperren.

Ab sofort bleibt die Suche nach der LinkedIn-App für russische Smartphone-Nutzer ergebnislos. Apple räumt ein, vor einem Monat eine entsprechende Anweisung erhalten zu haben. Einige Wochen zuvor wurde der Zugriff auf die Domain des Business-Netzwerks gesperrt.

Zensur – oder Schadensprävention?

Die Maßnahme bringt Apple und Google in eine schwierige Lage. Beide Unternehmen sind Befürworter einer offenen Internetpolitik und der freien Rede. Nun müssen sie im Auftrag einer russischen Behörde eine App entfernen. Ist das Zensur – oder legitime Schadensprävention?

Vor einigen Tagen erreichte uns eine ähnliche Meldung aus China. Die Behörden haben Apple angewiesen, die News-App von „The New York Times“ aus dem App Store zu löschen. „Wir wurden darüber informiert, dass die App gegen lokale Bestimmungen verstößt“, erklärte ein Apple-Sprecher.

LindedIn-Sperre in Russland

Aufgrund einer landesweiten LinkedIn-Sperre hat die App in Russland sowieso nicht mehr funktioniert. Ein Gericht in Moskau hat im November bestätigt, dass Russlands Internetprovider den Zugriff auf LinkedIn blockieren müssen. Grund für die Sperrung ist ein Gesetz, das im September 2015 in Kraft getreten ist.

Seitdem müssen personenbezogene Daten russischer Staatsbürger im Land gespeichert werden. Internationale Unternehmen wie Alibaba und Booking.com haben reagiert und entsprechende Daten auf russische Server transferiert. Nicht jedoch LinkedIn – dafür hat das soziale Netzwerk, das von Microsoft aufgekauft wurde, im November einen Denkzettel kassiert.

Sperre umgehen per VPN-Tunnel oder Tor Browser

In China, Türkei, Russland und anderen Ländern werden Websites seit Jahren gesperrt. Neu ist die Methode, Druck auf große Internetunternehmen wie Apple auszuüben – und somit die Funktionalität von Apps zu beschränken. LinkedIn ist „enttäuscht“ von der Entscheidung der russischen Behörde: „Sie verweigern unseren russischen Nutzern sowie Unternehmen, die LinkedIn nutzen, ihr Business zu vergrößern“, erklärte eine Unternehmenssprecherin.

Allerdings gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Internetsperre zu umgehen. Hier finden Sie eine Anleitung auf Russisch, wie Sie die LinkedIn-Sperre umgehen können. Eine beliebte Methode ist das Einrichten eines sogenannten VPN-Tunnels (siehe dazu: „Was ist ein VPN-Tunnel und wie richte ich ihn ein?“). Auch die Anonymisierungssoftware Tor verschafft Abhilfe (Download / Erklärung).

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.