Thomas FasbenderVon

Liebe Hamburger Polizisten –

und die aus den anderen Bundesländern! Euer Gipfel-Job ist mit Abstand der schwerste. Müsst Kopf und Buckel hinhalten für die Ordnung im Staat. Dabei sind euch die Konzernchefs mit ihren Megagehältern, die hochmütigen Politiker und die Intellektuellen in ihren Redaktionen genauso fern wie jenen, die euch vermummt gegenüberstehen.

Doch ihr wisst: Hochmütig, das sind auch die, die den schwarzen Block antreiben. Die antikapitalistischen Hardcore-Ideologen. Ihnen gehorchen die nützlichen Idioten, die stumpfe, uniforme Masse in schwarzen Sturmhauben, die ihr abgrundtiefes Ressentiment in Steinwürfen gegen euch Polizisten auslebt. Sie hasst und sie träumt: Aus mit dem Kapitalismus, Grundeinkommen für alle, nie wieder arbeiten, endlich frei.

Dann demonstrieren noch die vielen, denen Macht und Kommunismus Pustekuchen sind. Die laufen mit, weil links und gerecht sein Lifestyle ist. Cool. Das sind die Freizeit-Revolutionäre; Randale würzt ihr Leben. Und das muss so trübe gar nicht sein, abends geht es in die Harris Bar … Hauptsache Kick. Bei denen kann der Knüppel sogar heilsam sein; bei den Überzeugten bewirkt er nichts, die hält er nur auf Abstand.

Warum ihr trotzdem auf der richtigen Seite steht? Wie Revolutionen enden, weiß jeder, der eins und eins zusammenzählen kann (können nicht alle). Ordnung im Staat ist allen Führern wichtig; das erste, was nach dem Umsturz aus der Garage geholt wird, ist die Guillotine.

Den schwarzen Block an die Macht? Gott behüte. Recht und Ordnung sind in der deutschen Bundesrepublik nicht perfekt, aber freie Bahn dem Chaos?

Liebe Polizisten, steckt ein und haltet gegen, vor allem zeigt, wer in diesem Lande die Dame im Hause ist. Und wählt Politiker, die Euren Anliegen zuhören, sie ernstnehmen und ihnen, wenn es irgend geht, Genüge tun. Die deutsche Demokratie mag kriseln, aber besser als das, was die schwarzgewandeten Chaoten uns zu bieten haben, ist sie allemal.

Unser Dank ist euch sicher!

Euer Thomas Fasbender

 

Thomas Fasbender
Über den Autor

ist freier Journalist und Publizist in Berlin. Von 1992 bis 2015 hat er in Moskau gelebt. 2014 erschien sein Buch „Freiheit statt Demokratie. Russlands Weg und die Illusionen des Westens“ im Manuscriptum Verlag.