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Lesetipp: „Sperrzone Murmansk. Wie Russland seinen Atom-Schrott entsorgt“

Ab sofort stellt Ihnen Ostexperte.de regelmäßig ausgewählte Bücher und andere Produkte zu Russland, China und Eurasien vor. Unser heutiger Lesetipp ist „Sperrzone Murmansk“ von Michael Schmidt. Exklusiv für Ostexperte.de-Leser veröffentlichen wir einen Auszug aus dem Buch.

Wie entsorgt Russland seinen Atom-Schrott?

Ein Auszug aus dem Klappentext:

In Murmansk, im Nordpolarmeer, liegen die radioaktiven Überreste des Kalten Krieges: die abgewrackten U-Boote der Sowjetflotte. Auch die Überreste der »Kursk« sind hier gelagert. Was tun mit all dem Atom-Müll, zumal in Russland Geld und Fachkräfte für die Entsorgung fehlten? Die Russen machten sich kundig, um Know-how und Fachleute zu finden. Und wurden fündig in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Dort wurde das einstige DDR-Kernkraftwerk Nord als erstes der Welt wirklich entsorgt – nicht nur verlagert. Und so beginnt vor rund einem Jahrzehnt eines der größten deutsch-russischen Gemeinschaftsprojekte.

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Das Buch

Die Langzeitbeobachtung des Autors ist eigentlich eine Welt­sensation. Die Russen ließen einen westlichen Journalisten zwölf Jahre lang in eine Sperrzone, die nicht einmal Landsleute be­treten dürfen. Nicht minder spektakulär die Tatsache, dass ein deutsches Unternehmen der Großmacht Russland hilft, helfen darf, sein atomares Erbe so zu entsorgen, dass eine Umwelt­katastrophe verhindert wird. Und schließlich: Das ostdeutsche Unternehmen aus Lubmin erwarb dort Erfahrungen, die es inzwi­schen weltweit führend auf diesem Felde macht. Neue Aufgaben warten. Schmidt beweist mit dem Report überdies, dass eine konstruktive Zusammenarbeit mit Russland auch in schwieriger Zeit möglich, nötig und für beide Seiten profitabel ist.

Der Autor

Michael Schmidt, geboren 1954 in Schwerin, Diplomjournalist, Redakteur für Publizistik beim Deutschen Fernsehfunk in Berlin­ Adlershof, seit 1992 Redakteur beim NDR und Chef vom Dienst des Studios Meckenlenburg­-Vorpommern in Schwerin. Im Verlag erschien in mehreren Auflagen »Der Fall Beluga. Ein Unglück auf der Ostsee und wie es vertuscht wurde«.

Leseprobe: Auf dem weltgrößten atomaren Schrottplatz

Was für ein Tag. Minus 15 Grad, Sonnenschein, ein leuchtend blauer Himmel. Die weite Landschaft makellos bedeckt von Schnee. Schön und beruhigend. Wenigstens hier gibt es ihn noch, den richtigen Winter. Genau so muss er aussehen. Ich habe vergessen, wann so eine weiße Pracht das letzte Mal zu Hause zu bewundern war. In Deutschland, zumal an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern, sind knarzender, dicker Schnee und knackende Eisschollen seltene Erlebnisse geworden. Darum weiter verträumt aus dem Autofenster schauen. Ich sitze in einem Kleinbus und bin unterwegs von der Hafenstadt Murmansk weiter in Richtung Norden.

(…)

Der Kleinbus gehört zu einem langen Autokonvoi. Vorneweg ein Lada-Niva-Jeep der Polizei, der während der gesamten Strecke mit blinkendem Blaulicht für freie Fahrt sorgt. An Bord der Fahrzeuge dahinter sind Leute des Moskauer Kurtschatow- Instituts, der Energiewerke Nord aus dem vorpommerschen Lubmin und des Bundeswirtschaftsministeriums. Und mittendrin wir, deutsche und russische Journalisten und Kamerateams. Mit jedem Kilometer, den die Kolonne auf der von Schnee und Eis bedeckten Straße zurücklegt, steigt die Spannung. Denn natürlich unternehmen wir keine Wintersafari durch die russische Polarregion. Die Russen haben eigene und deutsche Medien eingeladen, um eine neue Offenheit zu demonstrieren. Erstmals darf ein streng abgeriegeltes militärisches Sperrgebiet besichtigt werden. Ein Städtchen namens Sneshnogorsk. Dieser Ort steht immer noch auf der Liste der Geschlossenen Städte Russlands und dürfte bisher nur Militärs, Werftarbeitern und Atomphysikern bekannt sein.

(…)

Fast jeder fünfte Kernreaktor der Welt befindet sich auf der Kola-Halbinsel – in Kraftwerken, Eisbrechern und U-Booten. „Die Nordmeerflotte alleine verfügt über 142 U-Boote und drei Kreuzer, die von mehr als 300 Reaktoren angetrieben werden. Hinzuzuzählen sind noch 10 Eisbrecher und ein Containerschiff. Die durchschnittliche Betriebszeit eines Atom-U-Bootes beträgt ca. 20 Jahre.“

Was danach übrig bleibt, sind riesige Mengen nuklearen Abfalls. Eine tickende Zeitbombe von gewaltigem Ausmaß bedroht Mensch und Natur. In der abgeschirmten Sperrzone von Sneshnogorsk wollen Russen und Deutsche erstmals öffentlich zeigen, ob und wie man dieser todbringenden Gefahr Herr werden kann. Dieser 30. März 2004 darf deshalb getrost als eine Zäsur im Umgang Russlands mit seinen nuklearen und militärischen Hinterlassenschaften an- gesehen werden. Denn was sind schon Satellitenbilder aus 300 Kilometern Entfernung im Orbit gegen einen Besuch an Ort und Stelle? Nicht mehr als ein verklemmter Blick durchs Schlüsselloch gegen das reale Leben.


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