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Lesetipp: „China. Wie ich es sehe“ von Egon Krenz

Ab sofort stellt Ihnen Ostexperte.de regelmäßig ausgewählte Bücher und andere Produkte zu Russland, China und Eurasien vor. Unser heutiger Lesetipp ist „China. Wie ich es sehe“ von Egon Krenz. Exklusiv für Ostexperte.de-Leser veröffentlichen wir einen Auszug aus dem Buch.

China – die neue Bedrohung für die europäischen Wirtschaftsmächte?

Ein Auszug aus dem Klappentext:

Ein Land, in dem Korruption und Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind? China – die zweitgrößte Wirtschaftsnation unter Führung einer kommunistischen Partei auf dem besten Weg, die Weltmacht USA zu überholen? Land im Aufbruch oder Land des enthemmten Kapitalismus? Diese Fragen beschäftigen auch Egon Krenz. Er kennt China nicht nur aus Zeiten, als er es in politischer Funktion bereiste, sondern ist bis heute regelmäßig zu Gast.

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Das Buch

China. Wie ich es sehe von Egon Krenz

Egon Krenz – „China. Wie ich es sehe“ im Ostexperte.de-Shop kaufen.

Über China meinen wir, viel zu wissen. Schließlich ist es regelmäßig Gegenstand in den hiesigen Medien. Allerdings scheint der Eindruck nicht ganz unbegründet, dass die Themen nicht nur beschränkt sind, sondern sich auch stetig wiederholen. Auf der anderen Seite ist das Interesse der Deutschen größer, geht ihre Neugier viel weiter als das, was ihnen in Presse, Fernsehen und Rundfunk angeboten wird. Egon Krenz, der das Land wiederholt bereiste – zuletzt im Oktober 2017 –, bietet hier seine Sicht. Keine touristische, sondern eine politische. Die ist, natürlich, subjektiv, also weit davon entfernt, eine verbindliche, allgemein gültige zu sein. Eben so, wie der Titel des Buches lautet.

Der Autor

Egon Krenz, geboren 1937, Schlosserlehre und Lehrerausbildung. Nach Besuch der Parteihochschule in Moskau von 1964 bis 1967 wurde er Vorsitzender der Pionierorganisation und war von 1974 bis 1983 FDJ-Chef. Im Herbst 1989 wurde er in der Nachfolge von Erich Honecker Generalsekretär des ZK der SED und Staatsrats- vorsitzender. Heute lebt er in Dierhagen an der Ostsee.

Leseprobe: Kommunistisch, sozialistisch, kapitalistisch

Der Mainstream hierzulande nennt China gern ein „kommunistisches Land“. Das ist meist nicht Ausdruck von Sympathie, sondern eher abwertend gemeint. Ein Gespenst eben, wie Marx und Engels es nannten, welches einst in Europa umging. Es wird von der bürgerlichen Propaganda zu einem negativen Etikett umfunktioniert. „Kommunistisch“ – das ist für sie etwas Fremdes, antidemokratisch, inhuman, Unfreiheit und Unterdrückung der Menschenrechte sowie die Abwesenheit von Recht und Gesetz, kurz: diktatorisch.

„Kommunismus“ aber, wie er wissenschaftlich definiert und in China verstanden wird, ist keine Gegenwartsaufgabe, sondern ein erstrebenswertes Ideal, ein Ziel für die ferne Zukunft, deren Prinzipien auf Marx und Engels zurückgehen. Was seine Gegner nicht wahrhaben wollen: Bisher gab es noch nie und nirgendwo auf der Welt „Kommunismus“! Auch in China nicht. Dort leitet zwar die Partei der Kommunisten die gesellschaftlichen Geschicke, aber das bedeutet nicht, dass China ein kommunistisches Land ist. Es macht nicht den vierten, fünften oder gar zehnten Schritt vor dem ersten.

(…)

Generalsekretär Xi ließ bereits im Vorfeld des Parteitages keine Zweifel daran aufkommen, was in China entsteht: „Der Sozialismus chinesischer Prägung ist Sozialismus, kein anderer, irgend gearteter Ismus.“ Was wohl auch hieß: weder Kapitalismus noch Imperialismus. Nachdrücklich unterstrich er die Rolle der Arbeiterklasse. Sie sei, so Xi Jinping, „das stärkste und verlässlichste Klassenfundament der KP Chinas“. Daraus folgerte er: „Rang und Rolle der Arbeiterklasse in China dürfen niemals beschädigt oder negiert werden.“ Nur so werde der sozialistische Weg erfolgreich sein.

Alles andere wäre auch ein Verfassungsbruch. Im Artikel 1 der Verfassung wird bestimmt: „Die Volksrepublik China ist ein sozialistischer Staat der demokratischen Diktatur des Volkes, der von der Arbeiterklasse geführt wird und auf dem Bündnis der Arbeiter und Bauern beruht. Die sozialistische Ordnung ist die grundlegende Ordnung der Volksrepublik China. Jeder Organisation und jeder Einzelperson ist es verboten, die sozialistische Ordnung zu untergraben.“

(…)

Nicht wenige Zeitgenossen meinen, dass das, was sich in China entwickelt, eher Kapitalismus denn Sozialismus sei. Sie nehmen als Beweis für ihre Annahme, dass die Zahl privatkapitalistischer Betriebe wachse und vor allem Beteiligungen großer ausländischer Konzerne an chinesischen Unternehmen zunehmen, dass in China inzwischen Banken, Börsen und Aktienhandel wie in kapitalistischen Ländern existierten und sehr viele Arbeitslöhne auf relativ niedrigem Niveau verharrten, während der Reichtum vieler chinesischer Unternehmer gewaltig wachse. (…) Die Kritiker vergessen, dass in der „sozialistischen Marktwirtschaft“ Chinas der Staat Eigentümer des Landes ist. Das ist ein Primat. Entsprechend verfügt der Staat auch über die Nutzung von Grund und Boden. Im Kapitalismus wird dieser durch seine Privatisierung zum Spekulationsobjekt, womit der ganze Ärger beginnt.


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