Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Thorsten GutmannVon

Hype um Kryptogeld nimmt in Russland neue Dimension an

Auf russischen Internet-Plattformen wie Avito.ru verkaufen Nutzer sogenannte „Krypto-Farmen“ zum Schmieden von Bitcoin, Ether und anderen digitalen Währungen. Die Preise erreichen teilweise mehrstellige Millionenbeträge.

Seit dem 8. Juli 2017 versucht ein Nutzer auf Avito.ru, eine Krypto-Farm in Moskau für 720 Mio. Rubel (ca. 10,5 Mio. Euro) zu verkaufen. Dazu gehören eine Lagerhalle inkl. Grundstück im Stadtzentrum, 3.000 „Mining-Grafikkarten“ des Modells AntMiner S9 sowie Lüftungsanlagen. Laut Verkäufer lassen sich dort 20 Bitcoin pro Tag generieren – im Monat also 600.

Ein Bitcoin kostet beim aktuellen Kurs (14. Juli 2017) rund 2.050 Euro. Sollte der Kurs stabil bleiben, könnte die Krypto-Farm monatlich 1,2 Mio. Euro produzieren. Doch davon ist kaum auszugehen. Die Kryptowährung ist starken Schwankungen ausgesetzt. Ob und ab wann sich das Investment auszahlen könnte, bleibt ungewiss. Das Angebot ist jedoch kein Einzelfall.

Preise für Mining-Grafikkarten angestiegen

Zahlreiche russische Internet-Nutzer versuchen derzeit, ihre Krypto-Farm loszuwerden. Die Preise variieren je nach Anzahl und Qualität der Grafikkarten, die für das Schmieden der Währung erforderlich sind. Auch Stromversorgung und Verfügbarkeit von Lüftungsanlagen spielen eine Rolle. Manche Anlagen können schon ab 15.000 Euro erworben werden.

Viele Farm-Besitzer entscheiden sich für den Verkauf, um mit dem Geld eine größere Farm aufzubauen. Dies berichtet ein Insider gegenüber Wedomosti. Durch das Mining von Bitcoins können neue Einheiten der virtuellen Währung hergestellt werden. Mit entsprechendem finanziellen Aufwand kann also jeder Computer-Nutzer nebenbei Geld verdienen. Doch abhängig von der Leistungsstärke kostet eine Mining-Grafikkarte über 2.000 Euro. Hinzu kommen enorme Stromkosten. Ob sich das Mining langfristig lohnt, ist stark umstritten.

Wie Wedomosti berichtet, werden die Krypto-Farmen im Vergleich zum ursprünglichen Beschaffungswert um bis zu 80% teurer verkauft. Doch der Krypto-Hype hat dazu geführt, dass es in Moskau und anderen Städten zu einem gravierenden Grafikkarten-Mangel gekommen ist. Die Preise für Mining-Grafikkarten sind auf russischen Internet-Portalen stark angestiegen.

Krypto-Farm-Besitzer warnt vor teurer Ausrüstung

Laut dem Besitzer einer russischen Krypto-Farm, Timofei Ra, ist beim Kauf von fertigen Anlagen Vorsicht angebracht. Ihm zufolge wollen manche Nutzer vom Hype profitieren, um Ausrüstung überteuert weiterzuverkaufen. Zu beachten sei auch, dass die Karten während des Minings am Limit ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten.

Deshalb könne man nicht sicher sein, wie lange die Karten intakt bleiben. Ebenfalls könne man nicht davon ausgehen, bloß einen „Knopf zu drücken“ und Unmengen an Geld zu verdienen. Der Betrieb einer Anlage erfordere permanente Überwachung, erklärte Ra. Ein Grund dafür sei die Brandgefahr durch Überhitzung. Auch die Lüftungen sollten regelmäßig überprüft werden.

 

Fotoquelle

 Quelle: Marko Ahtisaari , Bitcoin mining, Size changed to 1040x585px., CC BY 2.0)

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.