Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Thorsten GutmannVon

Knauf will im April 50 Prozent Anteile an BelGips übernehmen

Die deutsche Knauf-Gruppe übernimmt 50 Prozent Anteile an dem weißrussischen Baustoffhersteller BelGips, der von der russischen Volma-Gruppe kontrolliert wird. Dies berichtet das Nachrichtenportal TUT.BY

Der russische Föderale Antimonopoldienst hat dem Deal zugestimmt. Es ergäben sich keine Nachteile für den Wettbewerb, stellte die Behörde fest.

Neue Fabrik in Minsk und Modernisierung

Die Volma-Gruppe erwarb BelGips Anfang 2014 für 5,24 Millionen US-Dollar aus dem weißrussischen Staatsbesitz. Im Rahmen der Privatisierung stellte Belarus eine Bedingung: Bis zum 1. Juli 2018 müssten mindestens 43 Millionen Euro in die Modernisierung investiert werden.

Davon sollten 24,7 Millionen Euro bis zum 30. Juni 2016 eingezahlt werden. Das Geld soll der Verbesserung der vorhandenen Produktionsstätte sowie dem Bau einer neuen Fabrik in Minsk zugute kommen. Im Oktober 2015 begann der Bau des neuen Werks.

Bauindustrie in Belarus hat „riesiges Potential“

Die beiden Eigentümer der Volma-Gruppe berichteten im Herbst 2015, dass die Investition in „ökonomischer Hinsicht“ ein „schwieriges Projekt“ sei. Dennoch erklärten sie, dass die Entwicklung der Bauindustrie in Belarus ein „riesiges Potential“ aufweise. 2016 ist einer der beiden Eigentümer ausgestiegen.

Ende 2016 hat das Management der Volma-Gruppe beschlossen, sich von der Produktion in Belarus zurückziehen. Die Unternehmensstrategie für 2017 rücke fortan den Hauptmarkt Russland in den Fokus. BelGips selbst sei nicht auf russischem Territorium aktiv, erklärte das Unternehmen.

Marktentwicklung in Belarus

Die Knauf-Gruppe, ein Schwergewicht in der Baustoffindustrie-Branche, zeigte bereits 2007 Interesse an BelGips. Später hatte jedoch die russische Volma-Gruppe den Vorzug erhalten. Angeblich waren die Angebote des deutschen Unternehmens nicht „beharrlich“ genug, behauptet der weißrussische stellvertretende Premierminister Anatoli Kalinin.

Der Geschäftsführer der Knauf-Gruppe GUS, Janis Kraulis, plant gemeinsam mit den Mitaktionären neue Investitionen in die Produktion von BelGips. Ziel der Transaktion sei für Knauf die Marktentwicklung in Weißrussland, fügte Kraulis hinzu.

Trilaterales Treffen

Der Eigentümer von BelGips, Juri Gontscharow, hat versprochen, das Unternehmen „gemeinsam mit einem starken Partner“ weiterzuentwickeln. Knauf hätte seiner Ansicht zufolge „reichhaltige internationale Erfahrungen und Kompetenzen auf ausländischen Märkten.“

Im Dezember 2016 haben der weißrussische Ministerrat, der stellvertretende Premierminister, der BelGips-Eigentümer sowie Knauf-Gesellschafter Nikolaus Knauf ein Trilaterales Treffen einberufen. Damals hatte die Regierung Weißrusslands dem geplanten Deal zugestimmt.

Zustimmung der Antimonopolbehörden

Allerdings fehlten zum damaligen Zeitpunkt die jeweiligen Einwilligungen der russischen bzw. belorussischen Antimonopolbehörden. Wie es scheint, wurde diese Hürde nun bewältigt. Die beteiligten Parteien wollen die Transaktion im April 2017 zum Abschluss bringen.

Der GUS-Geschäftsführer bezeichnete Weißrussland als „vielversprechenden Markt“. Durch die Lokalisierung wolle Knauf allerdings nicht nur die Nachfrage im Land stillen. Es seien zusätzliche Lieferungen in die Ukraine sowie in die baltischen Staaten geplant.

Mögliche Steigerung des Anteils

Nach abgeschlossener Transaktion könne Knauf die Modernisierung sowie den Bau des neuen Werks vervollständigen. Die Frage, ob das Unternehmen seinen Anteil an BelGips auf 100 Prozent steigern wolle, blieb unbeantwortet. Der Geschäftsführer von BelGips war „im Urlaub“ und konnte daher nicht um eine Stellungnahme gebeten werden.

Fotoquelle

zVg via Pressestelle

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.