Kaspersky orientiert sich in Richtung Schweiz

Russischer IT-Riese Kaspersky: Weg vom Spionage-Image

Das russische Softwareunternehmen Kaspersky hat zunehmend mit Spionage-Vorwürfen zu kämpfen. Nach den USA haben zuletzt auch die Niederlande und Litauen Produktverbote ausgesprochen. Jetzt will das Unternehmen sein Geschäft in die Schweiz verlagern, um weitere Restriktionen zu vermeiden. Dies berichtet die NZZ.

Kaspersky steht unter Ächtung. Eigentlich ist der russische IT-Konzern vor allem für seine Antiviren-Software bekannt. Seit Ende letzten Jahres wird ihm in den USA vorgeworfen, mit seinen Produkten Spionageaktivitäten des russischen Geheimdienstes in den Vereinigten Staaten unterstützt zu haben. Schließlich wurde die Nutzung von Kaspersky-Produkten durch amerikanische Regierungsstellen untersagt. Vor zwei Wochen weitete die US-Regierung das Verbot auch auf Zulieferer und Auftragnehmer staatlicher Organisationen aus.

Furcht vor russischem Regierungseinfluss

Nun hat sich ebenfalls die niederländische Regierung dazu entschieden, künftig auf Kaspersky-Software zu verzichten. Laut des Justizministers Ferdinand Grapperhaus wolle man mit dem Unternehmen kein Risiko eingehen und mögliche Spionage-Aktivitäten von vornherein vermeiden. Er sprach unter anderem von „Risiken für die nationale Sicherheit“. Es wird befürchtet, dass die russische Regierung Kaspersky dazu zwingen könnte, für sie zu arbeiten. Litauen folgte in seinem Verbot einer ähnlich präventiven Logik.

Das Unternehmen selbst sieht sich als Opfer geopolitischer Entwicklungen. Ein Sprecher des Konzerns erklärte, man bedauere den Schritt der Niederlande und habe „nie der Regierung mit ihrer Cyberspionage geholfen“. Tatsächlich sind laut Grapperhaus bisher keine konkreten Fälle in den Niederlanden registriert worden. In den USA hingegen hatte der russische Software-Hersteller zugegeben, dass Daten geheimer NSA-Angriffswerkzeuge auf ihren Severn in Moskau gelandet seien. Allerdings habe man diese nicht weitergegeben und umgehend gelöscht. Ein Mitarbeiter des US-amerikanischen Abhördienstes hatte zuvor gegen die Regeln seiner Organisation verstoßen. Unerlaubterweise lud er die Angriffssoftware auf seinen privaten Rechner, den er duch ein Kaspersky-Sicherheitsprogramm schützen ließ.

Vertrauen soll zurückgewonnen werden

Als Folge der gegen Kaspersky verhängten Verbote will der Konzern nun große Teile seines operativen Geschäfts nach Zürich verlegen. „Um vollständige Transparenz  und Integrität zu gewährleisten“, wolle man sich künftig von unabhängigen Instanzen in der Schweiz kontrollieren lassen, so das Unternehmen. Die Neustrukturierung betreffe sowohl die Software-Produktion als auch die Speicherung und Weiterverarbeitung von Kundendaten. Dass man beim Konzern reagieren musste, hatte sich schon länger angedeutet. Zusätzlich zu den Verboten entschied sich zuletzt Twitter dazu, keine Werbung für Kaspersky mehr schalten zu wollen. Die anhaltend negativen Schlagzeilen hatten bei den Kunden für Nervosität gesorgt.

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[toggle title=“Fotoquelle“ open=“yes“]Titelbild: Simon Schütt