Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Thorsten GutmannVon

Interview: CEO Metro Cash & Carry in Russland

Seit 2016 ist Jere Calmes CEO des deutschen Großhandelskonzerns METRO Cash & Carry in Russland. Im Interview mit Ostexperte.de erklärt er, warum METRO in Russland so erfolgreich ist und welche Auswirkungen die Wirtschaftskrise auf den Konzern hatte.


Inwiefern hat sich die Konzernspaltung auf Ihr Russlandgeschäft ausgewirkt? Können Sie bereits eine Tendenz feststellen?

Die Aufteilung der früheren METRO GROUP wurde Mitte Juli 2017 erfolgreich abgeschlossen. Alle lokalen Tochtergesellschaften einschließlich METRO Cash & Carry Russland sind heute Teil eines der international führenden Großhandels- und Lebensmittelspezialisten: METRO. Die Landesgesellschaften profitieren dabei von einer geringeren strukturellen Komplexität und damit effizienteren Entscheidungsprozessen. Dies ermöglicht uns eine noch stärkere Fokussierung auf unsere Kunden und Märkte, auf dieser Basis können wir einen Mehrwert für alle Beteiligten schaffen.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Metro in Russland? Wie viele Filialen gibt es aktuell?

Ende 2017 betreibt METRO Cash & Carry Russland 90 Großmärkte in 51 Regionen. Die Anzahl der Mitarbeiter beträgt ca. 16.000.

Wie viele Neueröffnungen planen Sie in Russland in den nächsten Jahren? Welche Investitionen stehen an? Wie hat sich die Anzahl der Neueröffnungen mit Blick auf die letzten Jahre gewandelt?

Unser Fokus bei METRO Russland lag in den vergangenen Jahren verstärkt auf der Verbesserung und Optimierung von Kundenservices wie beispielsweise dem Belieferungsgeschäft. Darüber hinaus ist es Teil unserer Strategie, weitere Märkte zu öffnen, um die bestehenden Regionen zu stärken und auch ausgewählte neue Gebiete zu erschließen. Unsere jüngste Eröffnung war der Großmarkt in Wladikawkas, unser erster Store im Nordkaukasus.

METRO Cash&Carry, Russlandgeschäft

METRO Cash & Carry in Russland. © I, LiteMETRO cash and carry Saint-Petersburg, Zuschnitt auf 1040×585., CC BY-SA 3.0

Weshalb hat sich die russische Metro-Tochter dazu entschieden, die Elektroniksparte einzustampfen und stattdessen eine Kooperation mit Media Markt einzuleiten?

Im August 2017 unterzeichnete METRO Cash & Carry Russland mit Media Markt Russland eine Vereinbarung über die Bereitstellung von Flächen in 84 Großmärkten für eine Shop-in-Shop Lösung, zusätzlich zu den vier Standorten Moskau, Jekaterinburg, Archangelsk und Belgorod, an denen bereits seit 2015 ein entsprechendes Angebot besteht.

Auf diese Weise können wir uns noch stärker auf das Angebot von spezialisierten Dienstleistungen und Lösungen im Bereich Großhandels- und Food-Service für unsere Kunden aus dem Horeca- und Tradersegment konzentrieren. Unsere Kunden profitieren im Rahmen der Shop-in-Shop-Lösung von der Fachkompetenz, der Beratung und einem breiten Angebot von Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik durch Media Markt – dies trägt zu einem insgesamt besseren Einkaufserlebnis in den Großmärkten bei.

Die Föderale Antimonopolbehörde (FAS) hat der geplanten Zusammenarbeit mit Media Markt einen Dämpfer verpasst. Werden Sie Ihre gemeinsamen Pläne trotz strenger Auflagen umsetzen? Planen Sie möglicherweise die Gründung eines Joint-Ventures?

Die vollständige Implementierung von sämtlichen Rechtsvorschriften und Gesetzen und eine enge Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden war maßgebliches Prinzip des Kooperationsvertrags zwischen Media Markt und METRO Cash & Carry in Russland zur Implementierung des Shop-in-Shop-Projekts. Das Projekt wird selbstverständlich in Einklang mit den russischen Vorschriften und Gesetzen umgesetzt. Es handelt sich dabei nicht um ein Joint Venture, sondern um eine Kooperation, bei der die Kompetenz beider Unternehmen genutzt wird, um den Kunden ein spezialisiertes Sortiment und Dienstleistungen anzubieten.

Media Markt will Zahl der Filialen in Russland verdoppeln

Media Markt und METRO Cash & Carry planen eine enge Kooperation auf dem russischen Markt. Doch die Föderale Antimonopolbehörde (FAS) stellt strenge Bedingungen. Fotoquelle: Simon Schütt

Das Russlandgeschäft des Metro-Konzerns gilt traditionell als sehr stark. Wie sehr haben Sie unter der Wirtschaftskrise gelitten? Wie stark war der Einfluss der Krise auf die Geschäftszahlen des gesamten Konzerns?

Die Auswirkungen der jüngsten Finanzkrise in Russland haben sich negativ auf die Konsumausgaben der Bevölkerung ausgewirkt. Dies hat insbesondere zu einem herausfordernden Marktumfeld für unsere professionellen Kunden geführt. Dennoch hat METRO Cash & Carry Russland auf die erschwerten makroökonomischen Umstände effektiv reagiert und wir konzentrieren uns weiter verstärkt auf die für uns wichtigen Kundengruppen Horeca und Trader.

Wirtschaftsministerium, Zentralbank und zahlreiche Finanzinstitute gehen in den nächsten Jahren von einer langsamen Stabilisierung des russischen Wirtschaftswachstums aus. Konnten Sie auch bei Ihnen eine Erholung feststellen?

Wir beobachten die wirtschaftliche Entwicklung und passen unsere Geschäftsabläufe an die sich verändernden Marktbedingungen und die Bedürfnisse unserer Kunden an.

In einer Ihrer Moskauer Filialen tauchte vor einiger Zeit ein Käse aus der EU auf, der vom Lebensmittel-Embargo betroffen ist. Wie problematisch sind die russischen Gegensanktionen für Ihr Geschäft? Haben Sie Schwierigkeiten damit, Ersatzprodukte in Russland zu finden? Konnten Sie sich inzwischen an die Situation anpassen?

Alle Akteure auf dem russischen Markt mussten schnell auf Veränderungen reagieren und adäquate Lösungen für neue Lieferwege und den Ersatz ausländischer Lieferanten durch Inlandslieferungen finden. METRO Cash & Carry Russland war in der Lage, diese Herausforderung zu meistern, da wir bereits seit Beginn unserer Geschäftstätigkeit in Russland auf die Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten setzen. Bei Inkrafttreten des Embargos bezogen wir bereits über 90% der Lebensmittel von russischen Lieferanten. Darüber hinaus sollte auch erwähnt werden, dass die russischen Lieferanten ebenfalls sehr schnell auf die gestiegene Nachfrage nach inländischen Produkten reagiert und nach Möglichkeit ihre Produktion erweitert haben. Zur Ergänzung des Sortiments importiert METRO Cash & Carry Russland darüber hinaus qualitativ hochwertige Produkte aus den Nicht-Embargo-Ländern.

Laut des Marktforschers Infoline-Analitika gibt es in Russland einen Umsatzrückgang im Non-Food-Sektor. Welche Warengruppen verkaufen sich in den Filialen der russischen Metro-Tochter besonders gut bzw. schlecht?

Im Rahmen unserer Strategie passen wir Sortimente und Services insbesondere für unsere Kernkundengruppe aus dem Horeca-Segment an. Wir verfügen über eine starke Kompetenz im Lebensmittelbereich, dank der Kombination aus internationaler Expertise und dem Verständnis der lokalen Kundenbedürfnisse. Wir optimieren das Sortiment sowohl im Food- als auch im Non-Food-Bereich kontinuierlich, um auf die sich ändernden Anforderungen unserer Kunden reagieren zu können.

Laut russischen Medienberichten plant Metro in Russland, seinen Fokus stärker auf Waren für Hotels und Restaurants zu richten. Können Sie das bestätigen? Falls ja, welches sind die Gründe für diese Entscheidung?

METRO Cash & Carry ist ein international führender Spezialist im Lebensmittelgroßhandel. Die Horeca-Branche ist dabei eine unserer wichtigsten Kundengruppen. Insbesondere der Horeca-Markt in Russland, der ein großes Wachstumspotenzial, aber auch eine hohe Fragmentierung aufweist, bietet uns als METRO eine große Chance, unsere führende Position weiterzuentwickeln. Wir möchten daher in der Tat unsere starke Expertise im Bereich der Lebensmittel- und Gastronomiesortimente sowie die gut etablierte Beziehung zu den Horeca-Kunden weiter ausbauen.

Der russische Einzelhandelskonzern Magnit plant, noch stärker in den Großhandel einzusteigen. Auch Dixy eröffnete testweise drei Großhandelsfilialen. Wie kann sich Metro von der Konkurrenz abheben?

Wir freuen uns immer über neue Akteure in einem fairen Wettbewerb, von dem der Kunde und die Branche profitieren. Wir wissen aber auch, dass unsere führende Rolle im russischen B2B-Großhandel nicht selbstverständlich ist und dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten müssen. Dank unserer kontinuierlichen Bemühungen in den vergangenen Jahren haben wir gute Beziehungen zu Kunden aufgebaut. Auch über unser Franchise-Model „Fasol“ haben wir ein starkes Netzwerk aufgebaut und unser Kundenbeziehungen gestärkt.

Anfang Oktober haben Sie gemeinsam mit der Sberbank ein Projekt gestartet, um KMU in Russland zu fördern. Können Sie uns mehr zu diesen Plänen erzählen?

Wir konzentrieren uns dabei zum einen auf regionale Lieferanten und Lebensmittelhersteller, zum anderen auf Vertreter der Gastronomie und den kleinen Einzelhandel.

Für den kleinformatigen Einzelhandel in der Moskauer Region planen wir das Franchise-Netzwerk „Fasol“ bis 2020 kontinuierlich zu erweitern. Um dabei eine effektive Versorgung sicherzustellen, investieren wir auch in den Bau von zwei neuen Logistikplattformen.

Um lokale Hersteller und Lieferanten zu fördern, bieten wir Unterstützung bei der Vorbereitung auf die Zertifizierung nach den Standards der Global Food Safety Initiative (GFSI). Diese Zertifizierung eröffnet den Produzenten die Möglichkeit, Lebensmittel nicht nur für den russischen Handel, sondern auch für den Export bereitzustellen.

Für das Hotel- und Restaurantsegment haben wir ein spezielles Beratungs- und Bildungsprojekt initiiert: „Restaurant Response“. Dieser Wettbewerb findet zwischen kleinen und mittelgroßen Restaurants im Großraum Moskau statt. Die Finalisten werden dann von Wirtschaftsfachleuten und führenden Köchen individuell zu ihrem Geschäft beraten, um die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens zu verbessern.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Calmes.

Dieses Interview führte Ostexperte.de-Chefredakteur Thorsten Gutmann.

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.