Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Russisches Industrieministerium schlägt internationale Modeketten vor, mit russischen Produzenten zu arbeiten

Russland wird momentan durch den schwachen Rubel als Produktionsstandort attraktiver für Modeketten. Das russische Ministerium für Industrie und Handel will die einheimische Modeindustrie stärken und geht aktiv auf Unternehmen zu. Die internationalen Modeketten sollen in Russland produzieren. 

Das spanische Modehaus Zara überlegt, einen Teil seiner Produktion nach Russland zu verlagern, berichtet die Nachrichtenagentur TASS. Das russische Ministerium für Industrie und Handel habe dem Unternehmen, das Teil der Inditex Group ist, ein Kooperationsangebot unterbreitet. Auch dem schwedischen Händler Hennes & Mauritz (bekannt als H&M) und dem Möbelhaus IKEA sei vorgeschlagen worden, Produktionsaufträge an russische Unternehmen zu vergeben, sagte der stellvertretenden Minister für Industrie und Handel, Viktor Jewtuchow, auf der Mode-Konferenz „Fashion Futurum„.

Russische Modeindustrie soll gefördert werden

Das Ministerium bemüht sich, die großen Modeunternehmen zu einer Produktion in Russland zu bewegen. Auf der Konferenz, die am 14. und 15. März erstmals in Moskau stattfand, wurde auch thematisiert, wie die Modeindustrie in Russland unterstützt werden kann.

Der Weggang europäischer Massen-Marken, die Abwertung der Währung sowie der Rückgang der Importe eröffne nun russischen Unternehmen die Möglichkeit, diese Nischen einzunehmen, zitiert New-Retail.ru den stellvertretenden Minister Jewtuchow.

Er betonte auf der Konferenz zudem die Verbindung der Modeindustrie mit den Produktionskapazitäten der russischen Leichtindustrie. Er sprach auch an, dass Ministerpräsident Dmitrij Medwedew kürzlich ein Programm für die Entwicklung der Leichtindustrie in Russland unterzeichnet habe, das auch die finanzielle Unterstützung der Unternehmen vorsehe.

Im Klartext: das Importersatz-Programm des Ministeriums, das schon im Bereich Maschinenbau und vielen weiteren Branchen  vorangetrieben wird, soll nun auch für Mode gelten. Nun ist Importsubstitution in Russland also nicht nur in Mode, sondern auch in der Mode.

Unternehmen denken über Verlagerung nach Russland nach

Zara denke über den Vorschlag des Ministeriums nach, teilte eine Beraterin des Ministeriums mit: „Wir haben darüber geredet, dass wir eine Präsentation möglicher russischer Produzenten für die jeweiligen Warenkategorien vorbereiten, in denen wir tätig sind und bei denen Preis und Qualität passen. Der erste Schritt ist gemacht. Sie sind bereit, sich unsere Vorschläge anzusehen“, sagte Swetlana Romanowa.

Die Äußerung der Beraterin des Ministeriums sagt allerdings nichts darüber aus, wie wahrscheinlich ist, dass sich Zara tatsächlich zu diesem Schritt entschließt.

Dafür spricht allerdings, dass Zara momentan nicht nur in Billiglohnländern in Asien und Afrika produziert, sondern vor allem  in Europa (Spanien, Portugal, Türkei). Für das Unternehmen könnte es wegen der großen Währungsschwankungen auch sinnvoll sein, den attraktiven russischen Markt mit in Russland hergestellter Mode zu bedienen, statt auf Importe zu setzen. Die angekündigte Unterstützung des Ministeriums könnte bei der Entscheidung den Ausschlag geben.

Und Zara ist nicht der einzige Interessent. Der französische Sportkleidung-Hersteller Decathlon sei ebenfalls an einer Kooperation interessiert und sehe sich die russischen Zulieferer an, sagte Romanowa. Auch russische Händler, die ihre Produkte in China herstellen ließen wie „Sela“, seien zunehmend an einer Zusammenarbeit mit russischen Produzenten interessiert.


Titelbild

Quelle: Pixabay.com

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.