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Preise auf Wachstumskurs: Inflation in China zieht an

Im August legten die Verbraucherpreise in China im Vergleich zum Vormonat um 2,3% zu, teilte das Statistikamt am Montag mit. Experten hatten mit 2,2% gerechnet. Im Juli lag die Inflation bei 2,1%.

Die Verbraucherpreisinflation in China ist den dritten Monat infolge angestiegen. Die Erzeugerpreise sind laut New York Times im August um 4,1% gestiegen, im Juli lag das Wachstum bei 4,6%.

Vor allem die Preise für Nahrung sind in der letzten Zeit angezogen. Im August ist Schweinefleisch im Vergleich zum Vormonat um 7% teurer geworden, rund 400.000 Schweine mussten wegen einer Pest getötet werden. Auch die Preise für frisches Gemüse sind aufgrund von Überschwemmungen im Vorjahresvergleich um 4% gestiegen. Benzin war im August sogar um ein Fünftel teurer. Insbesondere steigende Miet- und Wohnungspreise belasten die Bürger.

Eine weitere Gefahr birgt der Handelskrieg gegen Washington. US-Präsident Donald Trump droht mit weiteren Strafzöllen gegen Peking, die chinesische Regierung plant Gegenzölle. Am Ende dürfte sich der Konflikt auch auf die Verbraucher- und Erzeugerpreise auswirken.

Proteste im Jahr 1989

Historisch ist die Inflation ein wichtiges Thema für die politische Elite Chinas. Steigende Preise zählten zu den Auslösern für die Proteste auf dem Tian’anmen-Platz in Peking im Jahr 1989. Das chinesische Militär hatte die Demonstrationen gewaltsam aufgelöst, mehrere Tausend Menschen waren bei Auseinandersetzungen in der Stadt ums Leben gekommen.

Seither ist das Thema kaum ein Problem für Chinas Wirtschaft gewesen. Massive Investitionen in diversen Industriesektoren von Bergbau über Stahlproduktion bis zum Schiffsbau führten zu Überkapazitäten, die wiederum einen Anstieg von Preisen erschwert hatten. Zudem investierte die Regierung in Peking stark in die Bildung, wodurch Arbeitsproduktivität und Löhne angestiegen sind.

Im Westen werden häufig Zweifel an den offiziellen Inflationsdaten der chinesischen Regierung geschürt. Die drastisch steigenden Wohnungspreise seien im Verbraucherpreisindex nicht berücksichtigt, so die Kritik. Nach Angaben der Forschungseinrichtung Wigram Capital Advisors, die einen alternativen Index unter Berücksichtigung von Ausgaben in Großstädten erstellt, sei die Inflation im August 2018 sogar auf 3,7% angestiegen. Im Vorjahr habe sie weniger als 2% betragen.

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Quelle: Sean Pavone / Shutterstock.com

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