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Ostexperte.deVon

Der German Manufacturing Day in Moskau Ende April widmete sich dem Thema der vierten Industriellen Revolution oder auch Industrie 4.0. Ein Nachbericht.

Ein Gastbeitrag von Volker Dunst, Generaldirektor ALPE consulting.


“Die erste Industrielle Revolution war die Revolution der Dampfmaschine. Die zweite waren die Fließbänder des Henry Ford. Während der dritten Industriellen Revolutionen erhielt die IT Einzug in die industrielle Produktion. Die vierte Industrielle Revolution kommt nun, um die Schwächen der dritten zu beseitigen. Die Produktivkräfte werden nun selbstorganisiert und sind fähig, Feedback von Endprodukten, Baugruppen, Maschinen oder Geräten zu erhalten”, erklärte Harald Kopp, Professor an der Universität Furtwangen sein Forschungsgebiet “Industrie 4.0”.

Um diese Industrie 4.0 drehte sich auch der “German Manufacturing Day” in Moskau, der Ende April als Teil der SAP Discrete Academy-Initiative abgehalten wurde. Harald Kopp war dort einer der Gäste.

Was die 3. Industrielle Revolution vergessen hat

Die dritte Revolution habe die Interaktion zwischen Montage und Produktionsmitteln vergessen, führte Kopp weiter aus. Eine Maschine müsse aber variable Operationen statt nur einer festen Aufgabe erledigen können. Gefragter werde es nun zum Beispiel, dass große Fabriken Produkte nach den individuellen Anforderungen der Kunden herstellen könnten, erläuterte er. Die Industrie 4.0 basiere auf intelligenter Logistik, die die Fabrik ihre eigenen Entscheidungen über die Verwendung bestimmter Teile für spezifische Endprodukte treffen ließe. “Das heißt, die Produktionsmittel interagieren unabhängig von einander – ohne menschliches Eingreifen”. In anderen Worten könne man Industrie 4.0 auch “Smart Manufacturing” nennen.

Organisiert hatten den “German Manufacturing Day” der SAP-Spezialist ALPE consulting und SAP CIS mit Unterstützung der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Geplant ist, ihn als regelmäßiges Business-Forum einzurichten, das Geschäftsleute und potenzielle Kunden zusammenbringen soll.

Vorteile der 4. Industriellen Revolution: höhere Effizienz und Produktivität

Neben dem Industrie 4.0-Forscher Harald Kopp gehörten auch die Firmen Sika AG (Spezialitätenchemie), Vaillant Group RUS (Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik), HOMAG Russland (Holzbearbeitungsmaschinen) und Siemens (Bereiche: Digital Factory Division, Factory Automation) zu den Gästen. Die Unternehmen berichteten über ihre Erfahrungen mit besagtem Smart Manufacturing.

Alexander Koliukhov, der Chef von HOMAG Russland, betonte etwa, wie wichtig der Fokus auf Industrie 4.0 sei. Es helfe dabei, agil auf Veränderungen zu reagieren statt den Entwicklungen hinterherzulaufen. Volker Dunst, Moderator der Veranstaltung und Generaldirektor von ALPE consulting, hob hervor, dass die immer wichtiger werdende Rolle der IT bei der Fertigung ein wesentlicher Trend sei. “Heute kann jeder sehen, dass die vierte Industrielle Revolution kommt”, sagte er. Der größte Impuls für Innovation seien die potenziellen Vorteile von höherer Effizienz und Produktivität. “Ich denke, die Hersteller verstehen das auch und unternehmen bereits Schritte in Richtung Industrie 4.0”, meinte Dunst.

Investitionen in Milliardenhöhe für Industrie 4.0 in Russland erwartet

Hier spiele Deutschland als Vorreiter eine besonders wichtige Rolle. Das sei schon 2011 auf der Hannovermesse betont worden, erklärte der ALPE-Chef. Die Existenz des Produktionsstandorts Deutschland hänge gar von der Industrie 4.0 ab, hieß es damals. Wenn weiter in Deutschland produziert werden solle und dieser Sektor überleben und wachsen wolle, dann müsse Deutschland eine Führungsrolle bei der Gestaltung der vierten Industriellen Revolution übernehmen. Damals sei die Revolution angekündigt worden, dann sei die Strategie dazu entwickelt und das Programm mit dem Namen “Industrie 4.0” als High-Tech-Strategie von der deutschen Bundesregierung beschlossen worden.

Insgesamt erwarteten die Teilnehmer, dass es in Russland im Bereich der Industrie 4.0 Investitionen in Milliardenhöhe geben werde, die gemeinsam mit deutschen Unternehmen unternommen würden.

Jedoch unterschieden sich die Ansichten darüber, ob die vierte Industrielle Revolution in Russland schon im Gange sei oder ob es noch zu früh für Russland sei, hier Aktivitäten zu beginnen. Auch in der Wissenschaft sei das umstritten, erklärte Kopp: “Viele Experten glauben, dass die dritte Industrielle Revolution noch in vollem Gange und noch lange nicht vorbei ist. Andere sind sich hingegen sicher, dass alles, was wir heute sehen, schon ein neuer Prozess ist.

Dass die Welt aber auf die Industrie 4.0 zusteuert, darüber waren sich alle einig.


Über den Autor

Volker DunstVolker Dunst

ist der Generaldirektor von ALPE consulting.

ALPE consulting mit Sitz in Moskau ist SAP-Gold-Partner und bietet SAP Implementierungen oder Roll-Outs, Trainings und Support an.

 


 

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