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HSE-Studie untersuchte das sozio-ökonomische Befinden der Russen

Einer aktuellen Studie der Moskauer Higher School of Economics (HSE) zufolge geht es der russischen Bevölkerung in der Wirtschaftskrise nicht gerade rosig. 

41,4 Prozent der russischen Familien sagen, dass sie Schwierigkeiten haben, das Geld für Lebensmittel und Kleidung aufzubringen. Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Studie der HSE für Juni hervor. In dem Bericht einen Monat zuvor waren es noch 40 Prozent, die sich so äußerten.

23 Prozent der Befragten beschrieben ihre materielle Situation außerdem als „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Bei den russischen Rentnern waren es sogar 31 Prozent, die ihre Situation im Juni so einordneten (von März bis Mai hingegen: 20-22 Prozent).

Studie misst „subjektive Armut“

Die Studie entstand im Rahmen eines HSE-Sonderprojekts, das regelmäßig Einkommen, das Wohlbefinden und Armut in der russischen Bevölkerung untersucht. Sie soll auch ein Monitoring der „subjektiven Armut“ leisten. Die Daten dazu basieren auf denen des föderalen Statistikdienstes Rosstats, Umfragen des WZIOM-Meinungsforschungszentrums und eigenen Erhebungen der HSE.

Die Zahl der Russen, die sich als in Armut lebend empfanden stieg von 16 Prozent im Mai auf 19 Prozent im Juni.

Den Daten von Rosstat zufolge lebten im ersten Quartal 2016 16 Prozent der russischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Die real verfügbaren Einkommen gingen im Mai 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 5,7 Prozent zurück. Das Niveau der real verfügbaren Einkommen erreichte im Mai 2016 nur noch 80,7 Prozent des Niveaus vom Oktober 2014 (letzter Monat, den die Realeinkommen stiegen).

„Vorsichtiges Konsumverhalten“

„Konfrontiert mit einer lang anhaltenden Rezession der Einkommen und vor den Bedingungen einer neuen wirtschaftlichen Realität, hat die russische Bevölkerung ein „vorsichtiges“ Konsumverhalten angenommen“, heißt es in der Studie.

Im Juni, wie auch in den Vormonaten, hat ein Großteil der russischen Bevölkerung Angst vor einer möglichen Verringerung der Verfügbarkeit von Waren oder vor dem Verlust von Ersparnissen, während ein Rückgang des Arbeitseinkommens und ein Arbeitsplatzverlust als eher unwahrscheinliche Ereignisse gesehen.

Etwas optimistischer

Etwas mehr Optimismus lässt sich im Juni allerdings erkennen als im Mai. Der Teil der Befragten, die glauben, dass die harten Zeiten für das Land noch kommen werden, verringerte sich von 48 Prozent im Mai auf 46 Prozent im Juni. Diejenigen, die sich überzeugt zeigen, dass die schwierigste Phase schon durchlaufen wurde, erhöhte sich von 19 auf 21 Prozent.

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